Die Kunst, (k)einen Film zu machen

Fast alle Kinofilme spielen im Makrokosmos der Humansphäre, jene hauchdünne Schicht auf der Oberfläche von Planet Erde, die wir auch Zivilisation nennen. Doch seit Stanley Kubrick seine „Odyssee im Weltraum“ gedreht hat, ahnen wir, dass es noch mehr zu sehen geben muss. Der Film war nicht zuletzt deswegen Kult, weil er einen cineastischen Flug durch eine abstrakte Farbenwelt bot.

„The Tree of Life“ handelt von Welten gleichen Umfangs. Mehr noch, denn gegenüber Kubricks Odyssee verbindet Malick den Menschen nicht nur mit dem All-Ein-Sein in einem fremden Universum, sondern auch mit einem nicht mehr ganz so fremden Mikrokosmos. Überhaupt ist der Film eigentlich gar nicht abstrakt. Dank dem Hubble-Weltraumteleskop und der Mikrobiologie sind wir mittlerweile optisch in der Lage, uns ein Bild vom Zuständigkeitsbereich des „Herrn“ zu machen.

Doch wer glaubt, es bei „Tree of Life“ mit philosophischer Blasphemie zu tun zu bekommen, irrt sich. Fortlaufend flüstert eine Stimme aus dem Off nach dem Verlust des Gesuchten – es geht um Wiedervereinigung: Wo warst Du? Wo bist Du? Wer bin ich? Wie kam es, dass ich verloren ging?

Landete Kubricks LSD-Rausch nach einer unglaublich langen Zeit bei einem kosmischen Embryo, finden wir uns in Malicks Film alle gemeinsam in eine Art Himmel wieder. Die einsame Reise des Individuums der 70er-Jahre ist vorbei. Die Frage nach Leben und Tod beantwortet „The Tree of Live“ sehr viel konservativer. Mitfinancier und Inhaber der Hauptrolle, Brad Pitt, scheitert zwar mit seinen typisch westlichen Erziehungsidealen und seiner beruflichen Karriere, verkörpert aber glaubwürdig den Versuch, die unausweichliche Rolle der Autorität sinnvoll auszufüllen.

Der Film bekennt sich zum westlichen Verständnis der Archetypen: der strenge Vater, die liebevolle Mutter, die Kinder, wie sie schicksalshaft Freud und Leid erlebend. Andeutungen innerhalb eines sozialen Makrokosmos. Keine Story. Handkamera. Nichts Geschauspielertes. Und doch entfaltet sich eine Geschichte, die so groß ist, dass sie nur Ehrfurcht und Stille zurücklässt.

Titel: The Tree of Life
Originaltitel: The Tree of Life
Jahr: 2011
Land: USA
Regie: Terrence Malick
Genre: Drama
Im Netz: www.tree-of-life-film.de
Vertrieb: Concorde Video

→ Diesen Film auf DVD erwerben


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