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    Lügen haben kurze Beine, können manchmal aber schneller laufen

    Die Wahrheit ist nicht immer leicht zu verkraften. Vor allem, wenn sie unliebsam ist. So widerfährt es auch Hauptdarsteller Mark (Ricky Gervais, zugleich auch Drehbuchschreiber und Regisseur) in einer Welt ähnlich der unsrigen, mit dem Unterschied jedoch, dass sich die Menschen dort alles ungeschminkt ehrlich ins Gesicht sagen. Un- wie auch Halbwahrheiten sind gänzlich unbekannt.

    Äußerlich unattraktiv und beruflich erfolglos bekommt Mark besonders oft sein Fett ab, bis er es eines Tages satt hat und – in einer Bank! – das Lügen erfindet:

    Am Schalter nennt er beim Abheben spontan einen Betrag, der in der Höhe das vorhandene Guthaben seines Kontos übersteigt. Die freundliche Bankangestellte geht ohne Zögern davon aus, dass es sich um einen Fehler im System handeln muss und zahlt ihm die gewünschte Summe aus. Was für ein herrlicher Gedanke: eine Gesellschaft, in der das Wort des Einzelnen glaubwürdiger ist als die Computertechnik!

    Erstaunlich auch, was sich ansonsten alles änderte, wenn es keine Lügen gäbe (und da hat der Filmemacher allerhand Kreativität bewiesen): Werbung würde die Tücken der Produkte gleich mit präsentieren und Verbraucherschutz überflüssig machen; Altenheime würden als das bezeichnet, was sie in den meisten Fällen tatsächlich auch sind, nämlich "traurige Orte, an den alte Menschen zum Sterben kommen"; und Spielfilme könnten sich nurmehr auf tatsächliche Geschehnisse beziehen, hier: langatmige historische Dramen, von einem Sprecher nüchtern erzählt – fiktive, zukünftige Ereignisse gäbe es ja nicht (die wären schließlich „erfunden“) ...

    Die Welt wäre also um einiges klarer und unmittelbarer, aber eben auch verletzender und langweiliger. Und noch etwas zeigt sich: Im Vorübergehen erlebt Mark, dass er auch Andere mittels Lügen beglücken kann. In dem er etwa einem potenziellen Selbstmörder Lebensmut zuspricht und seiner Mutter – durch Schilderung eines behaglichen nachtodlichen Fortlebens – die Angst vor dem Sterben nehmen kann. Das allerdings bringt Verwicklungen mit sich: Von einem Moment zum nächsten wird er in eine Prophetenrolle genötigt, die schließlich in 10 Verkündigungen für ein rechtschaffenes Leben kulminiert, von ihm selbst ersonnen und notiert auf XXL-Pizza-Kartons. Eine witzige und zugleich bitterböse Anspielung auf die Moses-Geschichte. Gott mutiert zum „Mann im Himmel“ – an einer Stelle, vom Volke missverstanden, sogar zum „Mann-im-Himmel-Arschloch“. Für manche der heimliche Höhepunkt des Films.

    Der Streifen macht Freude, nicht zuletzt durch seine Comedy-Einlagen, wenngleich sich der Humor in der zweiten Hälfte etwas erschöpft. Achja, und noch etwas: Bedauerlicherweise zieht sich ein grundsätzlicher Logikfehler durch den gesamten Plot: Eine Gesellschaft mitsamt Wirtschaft und Technik sähe ohne Lügen und Erfind(ung)en mit Sicherheit ganz anders aus als die uns heute bekannte. 

    Titel: Lügen macht erfinderisch
    Originaltitel: The Invention of Lying
    Jahr: 2009
    Land: USA
    Regie: Ricky Gervais
    Genre: Komödie, Drama
    Im Netz:
    Vertrieb: Universal Pictures

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