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  • Die Signatur der Zeit: Fluide Strukturen

    Von Dr. phil. JULIUS LENGERT

    „Krisen stehen nicht am Ende alter Kulturen, sondern am Anfang von neuen“, schrieb einst der Historiker Arnold Toynbee (1889–1975). Mut machende Worte angesichts der längst überfälligen Reformen in Gesellschaft, Wirtschaft und Bildungswesen. Doch während sich die Experten und Politiker noch um das Wie streiten, verweist der Autor auf das Zeitphänomen der so genannten „fluiden Strukturen“, wodurch der Wandel bereits klammheimlich im Gange ist – nicht hypothetisch, sondern faktisch: Die Welt um uns herum verändert sich auch ohne unser Zutun; entweder wir ziehen mit oder gehen unter.

    → Artikelauszug: vollständiger Text in zeitgeist-Printausgabe 1-2006

    „Nix ist fix.“Hinter diesem heute aus dem Munde dynamischer Jungmanager zu hörenden Satz verbirgt sich bei aller oberflächlich klingenden Flapsigkeit ein ernst zu nehmendes Phänomen, das uns alle angeht, weil es das Geschehen in praktisch allen Bereichen unserer Gesellschaft und damit die Befindlichkeit eines jeden einzelnen Menschen nachhaltig beeinflusst: Vormals zuverlässig feste und bisher als unveränderbar angenommene Strukturen, Systeme und Verhältnisse verändern sich, werden fluide und beginnen gar, sich aufzulösen – ein Phänomen, das Philosophen, Soziologen, Psychologen, Wirtschaftswissenschaftler und Globalisierungsgegner derzeit gleichermaßen beschäftigt wie irritiert. (...)

    In Kunst und Wissenschaft führte eine Mutation des Bewusstseins zur Versöhnung der Gegensätze – Politik, Wirtschaft und Bildungswesen wehren sich bis heute dagegen, Kommt der überfällige Wandel, bevor es zu spät ist? (Abbildung: Picassos "Dame mit Hut und die Überwindung der Zentralperspektive)

    Das Grundprinzip ist überall das gleiche: Es ist der Einbruch der Zeit in das Bewusstsein. Die bis dato statische Welt ist dynamisch geworden. Wobei Dynamik nicht Schnelligkeit heißt, nicht „Vorsprung durch Hektik“, sondern Veränderung, Bewegung. Picassos Porträts integrieren den Zeitfaktor, sie wirken, als habe er das Modell in Bewegung gemalt, d. h. während es sich auf einem Drehstuhl bewegte, bzw. als sei er während des Malens um das Modell herumgegangen. Die Polytonalität der „Neuen Musik“ zeichnet sich durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Nebeneinander von mehreren unabhängigen Tonarten aus. In der Architektur geht man vom geschlossenen zum aufgelockerten Baukörper über, der starre, symmetrisch angelegte Grundriss weicht einem offenen, freien und bewegten. Die das Innen vom Außen trennenden Mauern beginnen zu fallen, an ihre Stelle tritt Glas. Das Haus öffnet sich, Innen und Außen werden zur Einheit. Der einstige Dualismus ist damit überwunden. (...)

    Die Uhr als Mittel, die Zeit zu strukturieren, ist am Ende. Das jedenfalls meint der renommierte Münchner Zeitforscher Karlheinz Geißler. Pünktlichkeit lohne sich nicht mehr. Am Punkt zu sein statt pünktlich auf die Minute, sei heutzutage gefordert. Überall gleichzeitig zu sein, in einer Zeit, in der Mobilität zunehmend an Bedeutung gewinnt und die Dinge sich gegenseitig beeinflussen, wodurch immer neue Bewegung aus sich selbst heraus entsteht. Flexibilität ist dabei unabdinglich, um mit dieser offenen Zeitstruktur zurechtzukommen. Diejenigen, die an der alten geregelten Ordnung festhalten, die die Werksklingel vermissen, welche früher den Feierabend einläutete, werden es schwer haben. Die steigende Zahl hyperaktiver Kinder, die durch überkommene Lehrpläne und -methoden unterfordert sind, dokumentiert an anderer Stelle, dass auch unser Bildungswesen zum Handeln aufgefordert ist. Schließlich lernt nicht jeder auf gleiche Weise. Kreativität ist nicht planbar. Einen günstigen Zeitpunkt zu erkennen, ihn mittels geschulter Intuition zu „erahnen“, ist vielmehr die Kunst der Gegenwart und gibt dem Wort „Opportunismus“ eine neue, positive Konnotation. Denn ein Termin, der in der Vorausschau noch passend erschien, kann sich, je näher der geplante Zeitpunkt rückt, durch die zwangsläufige, zwischenzeitliche Veränderung der Umgebungsparameter, als unvorteilhaft, überholt oder gar gefährlich herausstellen. Diesem Wandel aufrichtig Rechnung zu tragen („Was schert mich mein blödes Geschwätz von gestern?“) und sich entsprechend im Tun möglichst am Moment zu orientieren, darin mag der eigentliche, tiefere Sinn der taoistischen Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ liegen. (...)

    Wie es gelingen kann, in den Rhythmus der „fließenden Zeit“ einzuschwingen und damit eine Vielzahl unserer heutigen Probleme zu lösen, erfahren Sie im vollständigen Beitrag in zeitgeist-Ausgabe 1-2006.

     

    LITERATUR:


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