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  • Terra im Klimakterium

    Von MAGNUS WOLF GÖLLER

    Mutter Erde hat offenkundig ihre Wechseljahre erreicht: Heftige Hitzewallungen auf Klimakteriumssymposien in Abu Dhabi wechseln sich mit Frigiditätszyklen in China und unerklärlichen Frau-Holle-Syndromen in Bagdad, Johannesburg und Buenos Aires ab. Unsere rachsüchtig unbefleckte Sonne hat sich gegen die Treibszuhauseffektler verschworen und besorgt’s ihnen nicht mehr richtig. So hat sie all die hehren Selbstbefriedigungsversuche der Kohlenoxiderasten binnen Jahresfrist zuschanden gestrahlt. Gleichzeitig krallt die Geldspieler Terras die Spätgeilheit auf Rohrzucker- und Maiskolben-Futures, da den ausgelutschten Amihypotheken kein Lebenssaft mehr zu entpressen ist. Urschrei- und Orgontherapeuten fahren Hilfsnachtschichten bis zur völligen Lendenlahmheit. Tesloten reiben sich stündlich ihre Testikeln verzweifelt mit Tachyonensalbe ein. Hohlweltler versuchen sich unter den Polkappen noch einmal zu erigieren (doch selbst reichsdeutsche Flugscheiben kriegen laut ernstzunehmenden Berichten keinen mehr hoch). Putin autoreinkarniert derweil in Sibirien beim Fischen, und Hamburgs BürgermeisterIn präsentiert seinIhren Ausschnitt im Löwenzahndekor. Der unvermeidlich notorische Al Gore rät dunkelhäutigen Klimakterinensern, sich nachhaltig bleichen zu lassen, sonst seien sie an ihren Saharastreifen selbst schuld. Urgrüne Lüsterklemmen trommeln für die Rettung der Chemtrails im Sinne der Eisbären. Anthroposophen schwören panisch ab und begehren so lüstern wie unerfahren geilwüchsige Nachtschattengewächse, freveln sich voll auf Kartoffeln und Tomaten stechapflig einen rein. (Oskar Lafontaine akzeptiert inzwischen ausschließlich Lammnüsschen aus Nichtbrandenburg.) Die Andenlamas spucken nur noch trocken für Edelmetall, während ihre tibetischen Vettern Dollars verschmähen, da ihre Besatzer das grüne Knitterpapier auf dem Abtritt rückwärtig nutzen oder ihre Matratzen damit stopfen, weil verglichen damit selbst das Stroh vom Reis zu teuer wurde. Sogar der Chef der Deutschen Bank fährt eine – simulierte? – Potenzkrise Probe und fordert unsere Restknete zwecks Sedierung seiner immer labileren, infertileren Bonusomaten. Wir benötigen dringend ein Denkmoratorium, damit Terra wieder zu sich selbst findet.

    Anmerkung: Die beschriebenen Frau Holle-Syndrome sind keine Erfindung des zeitgeist-Autors; das letzte Jahr war signifikant frigid mit Rekordkälte besonders auf der Südhalbkugel, aber auch in Bagdad Schnee, in China Superwinter, zurückzuführen wohl auf mangelnde Sonnenflecken, Sol im Liebesstreik … Schlechte Nachrichten also für gläubige Klimoten …

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Printausgabe 1-2008.


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