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    „Heimliche“ Bohrungen: Run auf nicht-konventionelles Gas in Deutschland hat längst begonnen

    Im November 2010 war aus dem Spiegel-Beitrag "Suche nach neuen Gasreservoirs" zu erfahren, dass der US-amerikanische Erdölriese Exxon bereits 2008 – unbemerkt von der Öffentlichkeit – mehrere Probebohrungen in Niedersachsen durchgeführt und dabei giftige Chemikalien in den Boden gepresst hatte. Auch im dichter besiedelten Nordrhein-Westfalen (nördliches Münster, Teile des Ruhrgebietes sowie des Sauerlandlands) und in anderen Bundesländern werden größere Vorkommen an nicht-konventionellem Erdgas vermutet. Neben Exxon hätten bereits andere Firmen "Claims" (Anrechte) erworben und mit Probebohrungen begonnen. Auf der Internetpräsenz der NRW-Landesregierung ist über dieses Thema rein gar nichts zu erfahren. Man fragt sich, warum die Bevölkerung wieder einmal vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

    Dabei hätten gerade die Menschen vor Ort das Recht zu erfahren, was vor ihrer Haustür geschieht. Eine Gaserschließung ist, was kaum bekannt ist, mit erheblichen "Risiken und Nebenwirkungen" verbunden, welche wenigstens mit den unmittelbar Betroffenen erörtert werden sollten. Daneben fragt man sich, warum sich Staat, Länder, Städte und Kommunen selbst nicht mehr Rechte sichern, warum in Zeiten knapper Kassen dieses Terrain einzig den Großkonzernen überlassen wird.

    Als nicht-konventionelle Gasvorkommen werden solche bezeichnet, die in relativ undurchlässigen Gesteinsformationen liegen und nur durch spezielle Bohrverfahren erschlossen werden können (wie etwa durch Horizontalbohrverfahren oder ein Hervorrufen künstliche Brüche). Diese kostenintensive Technik ist schon länger bekannt; durch den gestiegenen Gaspreis und vor allem den politischen Willen, Abhängigkeit von Importen zu meiden, scheint offensichtlich erst jetzt akutes Interesse an einer Erschließung zu erwachsen.

    Eine Diskussion darüber, wie das Gas (das ja offiziell noch immer fossilen Ursprungs sein muss – vgl. den Beitrag "Sind wir alle Geisel von 'Peak-Oil'? (Teil 2)" in die abgeschotteten Lagerstätten im harten Schiefergestein in eine eigentlich unmögliche Tiefe von 4000 m gelangt ist, wird tunlichst vermieden. So tief hatte man z. B. in den USA bereits gebohrt. Dort entwickelte man auch die Methode, mit Sand und Chemikalien versetztes Wasser in die Tiefe zu "schießen" und so das Gestein aufzusprengen ("Fracking"). Die Bohrlöcher werden dann mit Bioziden von Verunreinigungen freigehalten. SPIEGEL-Online berichtete am 17.8.2010 ausführlich über Erfahrungen mit dieser Technik – Trinkwasser- und Luftverschmutzung, die Zusammensetzungen der Chemikalien würden von den Konzernen nicht genau bekannt gegeben. Auch eine Studie der Energy Watch Group (vgl. auch "Sind wir alle Geisel von 'Peak-Oil'? (Teil 1)" setzt sich mit dem Thema kritisch auseinander.

    Die ExxonMobil Production Deutschland GmbH fördert laut eigenen Angaben Öl und Gas aus 1200 Bohrungen, wovon allein 340 Gasbohrungen sind (detaillierte Angaben zum Engagement von Exxon hierzulande findet man hier). Die in den USA beheimatete BNK Petroleum plant nach Angaben von Konzernchef Wolf Regener im Jahr 2011 mehrere Testbohrungen in Deutschland, "bei denen auch gefract werden soll" (Karte der BNK-Petroleum-Bohrvorhaben hier). Welche Chemikalien BNK Petroleum einsetzen will, sagt Regener nicht. Er erwäge aber, "dies kurz vor dem ersten Fracing öffentlich zu machen". Realm Energy teilt mit, man plane Probebohrungen inklusive Fracing, ein genaues Datum gebe es aber noch nicht. Und 3Legs Ressources erklärt, man habe noch keinen Zeitplan für Bohrungen in Deutschland. Die Firma hat Bohrlizenzen in Polen (u. a. im ehemaligen Ostpreußen) und in Baden-Württemberg erworben.