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  • Noch ein Preis für Helmut Schmidt? Rückblick auf ein "verdienstreiches" Leben

    Von BRUNI AMANN

    Vor kurzem erhielt er zum x-ten Mal eine Auszeichnung, diesmal den Millenium-Bambi (!) aus dem Hause Burda: Helmut Schmidt, Altbundeskanzler und gern gesehener Talkgast, derzeit „auf Tour“ mit Neukanzlerkandidat Steinbrück. Nicht wenige erliegen dem Charme des vermeintlich weitsichtigen und medienerprobten Mitherausgebers der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf Anhieb. Doch wie weise sind Schmidts Worte wirklich? Kaum mehr jemand mag sich heute noch an seine Niederlagen als Politiker erinnern, kaum jemand weiß um seine tiefen Verstrickungen in transatlantische Netzwerke. Dieser Beitrag schließt unsere Wissenslücke und wirft unbequeme Fragen auf.

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    Wider jede Vernunft präsentieren Protagonisten der europäischen Politik immer waghalsigere Rettungsvorschläge zur Globalisierungskrise. Für den Steuerzahler besonders schmerzliche Vorhaben der Brüsseler Lobby werden von den „beliebtesten Politikern“ Deutschlands propagiert – hier tritt meist Altkanzler Helmut Schmidt auf.

    In seiner bekannten Manier, mit spitzem „S“ und Zigarette das Publikum entwaffnend und mittlerweile im Rollstuhl befindlich, schafft es der Hamburger immer wieder, Fernsehzuschauer zu blenden, indem er ihnen deutlich faschistoide Pläne der angehenden EU-Regierung als die einzig sinnvolle Lösung vorspiegelt. Faschistoid ist hier im Sinne des Wortes zu verstehen – als technokratische Diktatur, die von oben nach unten die Gesellschaft durchwirkt und die Menschen unterdrückt bis zur Versklavung – in sämtlichen Lebensbereichen – Arbeitsrecht, Steuerrecht, Auswahl der Bildung, Überwachung, Polizeibefugnisse bis hin zur Aushöhlung der Demokratie.

    Den RAF-Terror nahm Schmidt zum Anlass, die Bürger den totalen Überwachungsstaat samt Geheimdienstbeteiligung erstmals schmecken zu lassen

    „Schmidt-Schnauze“ gibt also betont gelassen Inhalte zum Besten, deren genauere Betrachtung jeden verantwortungsbewussten Deutschen erschauern lassen: der Arbeitsmarkt soll dereguliert werden, indem der Kündigungsschutz stark eingedämmt, der Flächentarifvertrag abgeschafft, das Arbeitslosengeld II eingefroren, die Gewerkschaften entmachtet und Lebens- und Wochenarbeitszeit rigoros verlängert werden – Menschen ab 50 sollen gar einen neuen Beruf erlernen. Studenten sollen für Universitäten bezahlen, die Forschung aber weitgehend internationalisiert werden. Volksentscheide will Schmidt lieber keine, da der Mensch manipulierbar sei. Überhaupt hält er den „rückständigen“ Deutschen ausgerechnet die, wie er meint, „psychisch weit stabileren“ Engländer und Amerikaner vor. Schmidts Visionen, für die BRD verheerend in einer Zeit, in der der Mensch zum Abschreibeposten der Konzerne wird, entpuppen sich im internationalen Bereich als noch erschreckender: Hungersnöten müsse man mittels Gentechnik begegnen, außerdem dürfe eine ehrwürdige Nation wie China von Deutschland in Menschenrechtsfragen nicht belehrt werden.

    Wohl der einzige, der im deutschen Fernsehen noch öffentlich rauchen darf: Altkanzler Helmut Schmidt, Jahrgang 1918, mit Markenzeichen Glimmstengel. Zumindest der Zigarette blieb er bis heute treu (Foto aus dem Jahre 1976, Bildquelle: Wikipedia/Bundesbildarchiv, Bild Nr. B 145 Bild-F048646-0033)


    Dabei hat Schmidt als Kanzler gezeigt, dass er es nicht besser kann, als seine, von ihm oft abgekanzelten Kollegen: im achten Amtsjahr musste er das Feld nach einem Misstrauensvotum räumen, seine mangelnde Teamfähigkeit hatte die Koalition gesprengt, der Bundeshaushalt war schwer überlastet. Den RAF-Terror nahm Schmidt zum Anlass, die Bürger den totalen Überwachungsstaat samt Geheimdienstbeteiligung erstmals schmecken zu lassen. Seine martialische „Lösung“ des Problems der entführten Lufthansa-Maschine in Mogadischu kostete Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer das Leben: am Tag nach der Erstürmung der Maschine wurde Schleyer tot aufgefunden. Schmidt sieht sich selbst in der Verantwortung.1 Sehr zum Vorteil Amerikas rief er den umstrittenen NATO-Doppelbeschluss ins Leben, um den Graben zwischen der Sowjetunion und Europa zu vertiefen.

    Entgegen seiner unermüdlichen Beteuerungen war Schmidts Handeln grundlegend deutschfeindlich: Schon als kleiner Funktionär sprach sich Schmidt in einer SPD-Zeitung für den Schumann-Plan aus, welcher eine deutsch-französische Montanunion vorsah und die völkerfeindliche europäische Integration einleitete. SPD-Vorsitzender Schumacher sah damals in dem Plan die Auslieferung deutscher Interessen. Zusammen mit seinem engen Freund, dem französischen Präsidenten Giscard d'Estaing, war Schmidt Wegbereiter für jene Krise, die Jahre später Europa in den Abgrund führen würde: Ab 1973 begannen die beiden, das europäische Währungssystem zu installieren, sehr zum Schaden Deutschlands, gegen jede Souveränität der betroffenen Länder. Das dahinterstehende Ziel der Einführung des Euro nannte Präsident Mitterand 1989 ein „Versailles mit friedlichen Mitteln“, das die Dominanz der D-Mark brechen werde. Ebenso riefen die beiden Freunde den Weltwirtschaftsgipfel ins Leben, an dem auch heute noch antidemokratische Interessengruppen in Hinterzimmern ihre Strategien abgleichen.

    Heute wird Schmidt nicht müde, die Schwerfälligkeit der einzelnen Demokratien Europas zu kritisieren, stets mit dem Blick auf eine europäische Zentralregierung

    Heute wird Schmidt nicht müde, die Schwerfälligkeit der einzelnen Demokratien Europas zu kritisieren, stets mit dem Blick auf eine europäische Zentralregierung, welche die Probleme weit schneller lösen könne. Dass Deutschland weiterhin der Zahlmeister des Konstrukts bleiben wird, steht für Schmidt fest – mehr noch: „Wegen der Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg wird Deutschland für lange Zeit in der Pflicht stehen – für das ganze 21. Jahrhundert, vielleicht sogar noch für das 22. Jahrhundert“, gibt der „beliebteste Politiker der Nachkriegszeit“ im Handelsblatt zum Besten. Dabei dürfe Deutschland aber keinesfalls eine Führungsrolle anstreben, das komme bei den Nachbarn schlecht an. Historische Tatsachen völlig ignorierend, mahnt Schmidt mit erhobenem Zeigefinger, gerade Deutschland sei sehr langfristig umgeschuldet worden – erst im vergangenen Jahr habe man die letzte Rate für die Kredite aus dem Londoner Umschuldungsverfahren abbezahlt, der Marschallplan habe schließlich Deutschland gerettet. Wo das weit höher dotierte Gold der Reichsbank verblieben ist, verschweigt Schmidt.2 Er bringt erneut den europäischen Superstaat ins Treffen: Wer angesichts globaler Entwicklungen nationale Vorteile im Auge habe, verstoße gegen das strategische Interesse seiner Nation (sic!). Moralisierend zeigt Schmidt sein Geschichtsverständnis, wenn er mahnt, oberste Pflicht der Deutschen sei es, gute Nachbarschaft herzustellen und zu wahren, denn „wenn die Deutschen stark waren, machten sie sich über die Nachbarn her – unter Adolf Nazi bis ans Nordkap und nach Nordafrika“.3 Auch hier wieder – von den widerrechtlichen Besetzungen deutscher Gebiete durch die „guten Nachbarn“ nach dem ersten Weltkrieg, oder den Massakern an der deutschen Bevölkerung in den Gebieten der „guten Nachbarn“ hat Schmidt wohl keine Kenntnis.

    Überhaupt zeigt Schmidts Haltung zu diesem Teil deutscher Geschichte einige Ungereimtheiten. Freiwillig, gegen den Willen des Vaters in die HJ eingetreten, machte der ehrgeizige Hamburger in der Folge rasch Karriere bei der Luftabwehr. Von Widerstand oder gar Desertion ist bis zum Schluss nichts zu erkennen. Plötzlich erfährt er allerdings in seiner  viermonatigen englischen Kriegsgefangenschaft einen inneren Wandel, ausgelöst durch einen religiösen Sozialisten. Natürlich führt Schmidt nachträglich einige Schlüsselerlebnisse ins Treffen, diese Phase seiner Biografie vermittelt dennoch den Eindruck, Schmidt sei – zumindest unkritisch – „dabei“ gewesen und habe sich mit einem gehörig Maß an Kosmetik zum „Anti-Nazi“ gewandelt. Bußfertig wird er später nicht müde, bei jeder Gelegenheit die großen deutschen Verbrechen, Auschwitz und den Holocaust, sowie die deutsche Kriegsschuld zu strapazieren, dies meist ungefragt und bisweilen ins Lächerliche gehend: nach seinem Glauben befragt, gab er an, nicht mehr auf Gott zu vertrauen, weil dieser Auschwitz zugelassen habe. Simplifizierungen dieser Art passen so gar nicht ins Bild des stets über den Dingen stehenden Polit-Profis. Von ihm ist man eher Perfidien gewohnt: So hält Schmidt die Ablehnung der Kernenergie in der Bevölkerung für ein Produkt der aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust hervorgegangenen deutschen Angst vor Veränderungen (sic!). Wenn auch der Versuch eines Technokraten, psychologisierend zu wirken, buchstäblich in die Hose gehen muss, wird hier deutlich, dass Schmidt stark manipulativ über Ängste und Emotionen arbeitet.

    Als hätte er nie Entscheidungsgewalt gehabt in der BRD, kritisiert er linke „Errungenschaften“

    Diese Taktik entstammt natürlich der Frankfurter Schule4 und dürfte Schmidt von seinen besonderen Freunden beigebracht worden sein: Wann Schmidt zum ersten Mal mit einflussreichen Zirkeln Kontakt hatte, wird schwer eruierbar sein, sicher aber hatte er schon relativ früh international wichtige Entscheidungsträger zu seinem Freundeskreis gezählt. So ist die Verbindung zum wohl gefährlichsten Strippenzieher der Weltpolitik – Henry Kissinger – von besonderer Art: Kissinger meinte, er hoffe, vor Schmidt zu sterben, in einer Welt ohne Schmidt wolle er nicht leben.

    Zusammen mit Kissinger, der Gräfin Dönhoff und keinem Geringeren als dem Bankier Eric M. Warburg gründete Schmidt 1952 bereits die „Atlantik-Brücke“, einen Verein, der Netzwerke herstellt, deutsche Zöglinge aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Militär und Medien zu „Young Leaders“ heranzieht und im Wesentlichen amerikanische Machtinteressen in Deutschland implantiert, um zukünftige Regierungen an sich zu binden. Zuletzt hatte Schmidt versucht, die „Young Leaders“ Guttenberg, Westerwelle und Steinbrück in wichtige Ämter zu loben. Eng verflochten ist die Atlantik-Brücke mit dem „Council of Foreign Relations“ und dem „American Council on Germany“ (vgl. dazu auch Friederike Beck: „Das Guttenberg-Dossier. Das Wirken transatlantischer Netzwerke und ihre Einflussnahme auf deutsche Eliten“, Ingelheim am Rhein 2011).

    In der Folge wurde Schmidt Mitglied oder Ehrenvorsitzender diverser amerikanischer und britischer Gesellschaften und Stiftungen, deren Ziel es ist, Deutschlands Souveränität weiter aufzuweichen um sie dann zu zerstören. Wie in diesen Kreisen üblich, wurde er mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, für „Leistungen“, die noch unter Kaiser Wilhelm strafbar gewesen wären.

    Beinahe unnötig zu erwähnen sind diverse Teilnahmen bei Bilderbergtreffen und Konferenzen der „Trilateralen Kommission“. Etwas bizarr mutet Schmidts Beschreibung seiner Teilnahme am „Camp“ im kalifornischen „Bohemian Grove“ an, wo die einflussreichsten Männer der Welt (oder jene, die es bald werden sollten) in Waldhütten unter sich sind um allerlei merkwürdiger Rituale zu frönen: In bester Freimaurertaktik dienen psychologisch höchst wirksame Initiationen der Überwindung positiver Instinkte, wo man gemeinsam moralische Verbote überschreitet, um die Gruppenzusammengehörigkeit zu stärken. Schmidt beschreibt dies unansehnliche Spektakel in seinem Buch „Menschen und Mächte“ (Berlin 1987) als „an Knabenromantik erinnernd“ und empfand eine „ungezwungene, fröhliche Atmosphäre“. Mehrmals wurde ihm die Ehre zuteil, dort die Hauptrede zu halten, den „Lakeside speech“5. Erwartungsgemäß wurde Schmidt später Mitherausgeber des fragwürdigen Organs „Die Zeit“.

    Dabei hat Schmidt als Kanzler gezeigt, dass er es nicht besser kann, als seine, von ihm oft abgekanzelten Kollegen: im achten Amtsjahr musste er das Feld nach einem Misstrauensvotum räumen

    Schmidt ist ein Mensch voller Widersprüche: Als hätte er nie Entscheidungsgewalt gehabt in der BRD, kritisiert er linke „Errungenschaften“, wie Multikulti, die Immigration, die elitäre Segregation seitens der grünen Oberschicht, die ihre Kinder in teure Privatschulen schickt oder den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. Mal gibt es für ihn einen Klimawechsel, mal nicht. Wenn es der Karriere diente, distanzierte er sich schon mal von ehemaligen Weggefährten, beleidigte Kollegen, wie Jimmy Carter, Helmut Kohl, Willy Brandt, da diese zu wenig von globaler Wirtschaft, Strategie, Logik und Menschenführung verstehen, wie er meinte.6 Einige Fragen wirft auch sein familiärer Hintergrund auf: seine Mutter wird nirgends erwähnt, als hätte es sie nie gegeben. Passt die Mutter nicht ins Bild des sauberen Politikers? Umso wichtiger ist ihm sein Großvater: der jüdische Privatbankier namens Gumpel ließ eine Kellnerin mit dem kleinen Gustav, Schmidts Vater, sitzen. Diese schändliche Tat ignorierend, scheint Schmidt auf Gumpel enorm stolz zu sein – sicherlich auch wegen dessen posthumer Beihilfe zur Karriere seines ungeliebten Enkels.

    Schmidt ist heute populärer als zu aktiven Zeiten – allerdings nur, weil er von Medien zur Polit-Ikone hochstilisiert wird, und die Kritikfähigkeit der Bevölkerung rapide abnimmt. Dem Handlanger deutschfeindlicher Interessen steht eine ganze Armada zur Seite, um ihn und „seine“ locker vorgetragenen Agenden ins beste Licht zu rücken. Dabei wird hauptsächlich mit Emotionen und Staffage argumentiert, selten mit Inhalten. Stets drehte und wendete er sich, man vertraute aber auf das schwache Gedächtnis der Bürger. Dabei steht er in einer Linie mit „Beratern“ Roosevelts, wie Theodore Nathan Kaufman (seine Hetzschrift „Germany must perish“ sah die Sterlisierung aller Deutschen vor) oder Henry Morgenthau Jr., der Deutschland in einen Agrarstaat verwandeln wollte („Germany is our problem“).  Mag auch die Wahl der Mittel Schmidts abgeschwächt und ihre Präsentation subversiver erscheinen – der Effekt ist derselbe: Früher oder später soll ein selbstbewusstes Deutschland – und mit ihm Europa – untergehen.

    Angesichts dieser Umstände ist die Verleihung des Millenniums-Bambis durch den mehrfachen Teilnehmer der Bilderberger-Konferenz, Hubert Burda, eine konsequente Weiterführung transatlantischer Strategien: Man überschüttet sich gegenseitig mit Ehrungen, bleibt somit im Gespräch und beim einfachen Bürger in bester Erinnerung. Das macht den Rücken frei für jene „Geschäfte“, die deutlich an der Demokratie vorbei getätigt werden, mit dem erschreckenden Vorteil, dass die betroffenen Menschen ahnungslos bleiben, ja sogar aus Begeisterung über diese „großen Köpfe“  deren totalitäre Vorschläge unhinterfragt akzeptieren. Ein wahrlich teuflisches Spiel.

     

    ANMERKUNGEN

    1. Quelle: Orf.at
    2. Quelle: Karl Bernd Esser: Hitlers Gold, Devisen und Diamanten. Die geheime Kriegsbeute der USA. Selbstverlag,  München 2004
    3. Quelle: „,Homosexuelle Kanzler? Kein Problem‘“, veröffentlicht am 9. Mai 2010 auf Welt online
    4. Frankfurter Schule: Neomarxistische Manipulationstechnik, erstellt von Emigranten aus dem Deutschland der dreißiger Jahren, welche mit Hilfe von Sozialwissenschaften, Kunst und Medien die Gesellschaft durchwirken soll, mit dem Ziel der Zerstörung der Fundamente der „reaktionären“ Gesellschaft (Familie, Staat, herkömmliche Kultur). Wichtige Vertreter sind Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse.
    5. Im Internet kursiert ein Foto von Helmut Schmidt, das ihn bei einer Rede in Bohemian Grove zeigen soll, zu sehen etwa hier. Die Authentizität des Bildes konnte nicht überprüft werden.
    6. Quelle: Orf.at