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    ... denn sie wissen nicht, was sie tun!

    „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: ,Er hat Christus auferweckt.’“ Das schrieb der Apostel Paulus vor knapp 2000 Jahren, und ihn zitiert auch Papst Benedikt XVI. in seinem Buch „Jesus von Nazareth, Band II. Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung“, ein Leider-Bestseller wie sein erstes Pamphlet „Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“ mit mehr als einer Million verkauften Exemplaren.

    Und der Papst setzt Paulus noch eins drauf: „Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganzes hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist ...“

    Wie wahr!

    Vater, in deine Hände
    lege/befehle ich meinen Geist"
    (Lukas 23, 44)

    Es ist vollbracht!"
    (Consumatum est!,
    Johannes 19, 30)

    Der zu Papst Benedikt XVI. gekürte („Habemus papam!“) letzte Großinquisitor (ehemaliger Hüter der Glaubenskongregation) des katholischen Glaubens, Josef Ratzinger, Professor für Theologie und im Denken noch konservativer als sein von ihm (!) am 1. Mai 2011 seliggesprochene Vorgänger Johannes Paul II., hadert öffentlich mit sich und seinem Glauben: Warum hat „Gott der Allmächtige“ zur „Erlösung“ der Menschheit seinen Sohn grausam am Kreuz sterben lassen? Eine Frage, die sich seit 2000 Jahren nicht nur aufmüpfige, sondern bloß denkende Christen – und natürlich alle darüber nachdenkenden Nicht-Christen – stellen, und deren kirchenamtliche Beantwortung kaum bis gar nicht rational nachvollziehbar und einem Aufgeklärten auch nicht mehr zumutbar ist. Für einen Juden ist allein diese Frage schon Gotteslästerung (wie kann der Unaussprechliche Eine „Vater“ werden oder sein!), für einen Moslem blanke Blasphemie und Zeugnis des totalen Unglaubens der eben deswegen Ungläubigen („Tötet sie, wo immer ihr ihrer habhaft werden könnt!“) – und für einen Atheisten unnachvollziehbare Irrationalität, wobei deren Verharmlosung als „Mystik“ ein Missbrauch dieses Begriffes wäre.

    Es ist nicht Mystik.

    Benedikt XVI. argumentiert in seinem zweiten Bestseller für die „Notwendigkeit“ bzw. „Nachvollziehbarkeit“ der Opferung des „göttlichen Sohnes“ mit der „Raffinesse und Schrecklichkeit des Bösen, das sich die Maske des Lebens umhängt und immerfort an der Zerstörung des Seins, der Schändung und der Vernichtung des Lebens dient“. Solche begrifflichen Verrenkungen ist man schon von seinem kardinalen Ziehsohn Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, gewöhnt, der auch – folgerichtig und gehorsam seinem Ziehvater folgend – in den Salzburger Nachrichten fast wortgetreu das nachbetete, was ihm sein päpstlicher Vordenker zum Nachdenken anbietet: ohne Auferstehung kein christlicher Glaube.

    Schön wär‘s.

    1) zu „Raffinesse und Schrecklichkeit des Bösen“:

    Es gibt kein Böses an sich. Genausowenig wie es das „Gute“ an sich gibt. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – der uralte Kalauer reduziert das Gute aufs menschliche Tun. Ein Löwe, der eine Gazelle frisst, tut damit weder Gutes noch Böses, sondern er stillt seinen Hunger – instinktiv. Und er muss es tun, sonst ist er die längste Zeit Löwe gewesen ...

    Deus vult? („Gott hat es so gewollt?“)

    Naja, wenn man dem „alten Herrn“ die Welt als Schöpfung unterschiebt, dann ja. Dann kommt man auch in die rue de la gack der Theodizee eines Leibniz, der erwiesenermaßen ein berühmterer Mathematiker als Philosoph war. Aber die philosophia perennis ist geduldig und hofiert gerne Unberechtigte, wie auch Wiener (und Heidelberger) Dekane Habilitationen von Politikern approbieren, deren Arbeiten als abgeschrieben unter Verdacht stehen bzw. als solche erwiesen sind.

    Es gibt auch nichts Böses, außer man tut es. Das steht übrigens schon in der Bibel (und jetzt zitiert ein ausgewiesener Atheist gar die Genesis): als Essen vom Baum der Erkenntnis nämlich. Dort kann man eindeutig lesen – und es ist auch für Theologieprofessoren verständlich geschrieben: „... und ihr wie Gott sein werdet, indem ihr Gutes und Böses erkennt.“ (Gen. 3, 5)

    Gut und Böse sind also Produkte unserer Erkenntnis – und nicht Begriffe per se oder gar welt(en)konstituierend. Unsere Erkenntnis ist immer nur eine unserer Erfahrung; Erfahrung aber ist immer persönlich und damit utilitaristisch: Was mir nützt, ist gut, was mir schadet, böse (oder schlecht). Damit nun dem Wildwuchs der Egoismen (Z´erscht kumm i, dann kumm i, und wos daunn kummt, des kummt nie; Helmut Qualtinger „selig“; für nicht Wienerisch Sprechende: „Zuerst komme ich, dann komme ich, und was dann kommt, das kommt nie!“) Einhalt geboten wird, gibt es die Konvention des Rechts als Rechtsprechung, die immer auch Macht ist: „Wer die Macht hat, der hat auch das Recht; wer das Recht hat, hat die Macht.“ Deshalb geschasste (nur österreichische?) Justizministerinnen können ein Lied davon singen; aber dieser Wahrspruch hat schon seit dem Sophisten Gorgias von Leontinoi unverändert Gültigkeit.

    Es gibt gar keine „Raffinesse und Schrecklichkeit des Bösen“ – es sei denn, man verallgemeinert sie zu Begriffen wie „Gott“ für das (religiös umgemünzte „gute“) All-Eine, oder „Teufel“ für „das Böse“, oder „Gevatter Tod“ für das allgemeine Sterben alles Lebendigen (kein Leben ohne Tod! Wäre Christus nicht gestorben, hätte er nicht gelebt!) –, sondern es gibt nur raffinierte und schreckliche Taten.

    Und das war der Kreuzestod Christi genauso wie es die Streubombenangriffe Gaddafis auf Misrata waren – oder Bushs Angriffskrieg auf den Irak, oder Obamas Aussetzen der versprochenen Schließung von Guantanamo ... oder die Duldung von Exorzismen durch den aktuellen Papst, der als Kardinal Ratzinger Chef der Nachfolgerin der „Heiligen“ Inquisition  war.   Solches Dulden entbietet gemäß der krausen „Logik“ des greisen Großinquisitors (heute bereits über 85!) nicht einmal einer gewissen Stringenz: Wer an das Böse „an sich“ glaubt, der will es auch austreiben.

    2) zu „Maske des Lebens“

    Nach Ratzinger hängt sich also das Böse „die Maske des Lebens“ um. Nach dieser (schlampigen) Diktion bedient sich das Böse (= Satan, der Teufel, Beelzebub, Luzifer und mit welchen Namen „das Böse“ auch immer personifiziert werden mag ...) „des Lebens“, um „sich“, also „das Böse“, in die Welt zu setzen. Mit dieser unzulässigen verallgemeinernden Phrase „des Lebens“ haben Herr Papst natürlich ordentlich danebengegriffen, denn gemeint haben können Sie mit diesem Allgemeinbegriff „Leben" nur das Leben der Menschen: Nur diese (!) sind – gemäß Genesis 3,5 – in der Lage, zwischen „Gut“ und „Böse“ zu unterscheiden. Das wird zwar schon seit 2000 Jahren von den Christen mehr oder weniger verklausuliert behauptet und gelehrt: Deshalb ist ja auch die Frau als Gebärerin „des Teufels“ und „verführt“ den „geistig höherstehenden Mann“, der ja Christus ähnlich ist, während die Frau – als penislos – Jesus nicht ähnlich sei. Letzteres  ist  übrigens das nach wie vor amtlich bevorzugte Argument gegen die Priesterweihe von Frauen! Derartige „Logik“ wird aber ohnedies von kaum jemandem mehr ernst genommen: außer von den Gerontokraten im Vatikan und ihrem Statthalter in Wien.

    Das Leben ist weder gut noch böse: Dieses vom Papst unzulässig verallgemeinerte „Leben“ kann sich natürlich nur auf das menschliche Leben beziehen (hoffentlich halt ...). Und dieses ist – wie anderes Leben – und zwar notwendig. Es braucht sich nicht zu maskieren: wozu auch und vor wem? Natürlich gäbe es nichts Böses auf unserer Erde, wenn es keine Menschen gäbe – aber das Leben im Allgemeinen als „Maske des Bösen“ zu denunzieren? Welchem kranken Hirn ist denn das eingefallen? Natürlich haderte der Wiener Erzbischof mit Gott, als ein Tsunami – nein, nicht der von Fukushima, sondern jener vom Indik – fast 300.000 Menschenleben hinwegfegte, öffentlich und meinte (sinngemäß), Gott und seine Natur seien in ihrem Zusammenspiel eben nicht leicht durchschaubar (die Theodizee blitzte wieder mal kurz auf). Erfreulicherweise hat das Wiener Papstsprachrohr zu Fukushima geschwiegen – der ehemals Papable scheint also lernfähig. Natürlich müsste sich „Gott“ „entscheiden“, dass, wenn er Planeten mit Kontinentalplatten „schöpft“, diese fallweise auch heftig gegeneinander rumpeln, sich meterhohe Flutberge gegen Land wälzen und millionenfach Leben auslöschen. Entscheidet er sich für aufgefaltete Gebirge und aufgerissene Tiefseegräben – oder gegen millionenfachen Tod? Wer hat denn die vielen Viecher mitgezählt, die alleine  bei den letzten beiden Tsunamis  ersoffen sind: die  schon vorher bei solchen Naturereignissen umgekommen sind und auch in Zukunft hinweggerafft werden? War „Ihm“, dem angeblich alle und alles Leben „Liebenden“, denn das  egal?

    Und was machen wir jetzt mit dieser Erkenntnis:  entweder-oder nämlich, auch bekannt als logisches Axiom „Tertium non datur“ (eine dritte Möglichkeit gibt es nicht), Herr Papst? Beten? Das wäre natürlich eine echte Maske ... nämlich sein Gesicht vor der Realität verschließen ...

    3) „... Zerstörung des Seins, der Schändung und der Vernichtung des Lebens ...“

    Damit kullern dem Pontifex Maximus natürlich alle Begriffe durcheinander. Das „Böse“ zerstöre „das Sein“ und „schände“ und „vernichte“ das Leben.  So etwas Krauses muss einem erst einmal einfallen – aber dazu muss man wohl erst 84 Jahre alt werden ... So alt war der Papst nämlich, als er das veröffentlicht hatte ... Der Begriff des Seins zieht sich zwar durch die gesamte abendländische Philosophiegeschichte, die dazugehörige Lehre heißt „Ontologie“; was „das Sein“ eigentlich sein soll, weiß niemand so richtig; aber es wird immerhin behauptet, es zu wissen. „Sein“ ist vor allem einmal ein hauptwörtlich gebrauchtes Hilfszweitwort. Hilfszeitworte benötigt man, um Sätze – halbwegs verständlich – bilden zu können. „Das Sein“ in der Ontologie hingegen meint all jenes Seiende, was da ist, somit die Welt, das Universum, das All, das Ein-Alle oder All-Eine oder wie auch immer ... Über das „Sein als Seiendes“ gibt es reichlich gefüllte Bibliotheken ... „Das Böse“ (womöglich gar noch christlich personifiziert als „Teufel“, „Beelzebub“ oder „Satan“), jedenfalls als auch zum Sein gehörig (!), zerstört aber niemals „das Sein“ (und somit auch sich!), sondern bestenfalls Einzeldinge durch Schädigung oder Vernichtung einzelner: als Mord- oder Unfallopfer; durch viele Bombenopfer (z. B. zurzeit in  Syrien); Jesus am Kreuz etwa; auch Krebstote und viral oder bakteriell Verstorbene und so fort ... Papales Böses mag sich aber auch in einer Institution manifestieren: z. B. in den Machenschaften von Lehman Brothers, Goldmann Sachs, in der FED der USA, im Imperialismus, im Kommunismus, im und als Kapitalismus, vor allem aber in (allen!) Religion(en) etc.

    „Das Böse ist immer und überall“ – aber immer nur als ein „etwas“, nie aber als alles!

    Die Welt als das Eine-Alle (= Uni-versum) ist unzerstörbar. Zerstörbar (= endlich) sind nur seine Manifestationen als Materielles. Die Welt existiert in der Vielzahl ihrer Vereinzelten, angefangen bei den Elementarteilchen bis zu den Quasaren, also Allem: natürlich ohne Schöpfung und auch ohne Ende – denn Anfang und Ende haben nur Einzeldinge, nicht aber „entsteht“ und „vergeht“ das Ganze. Dieses Ganze (unser All) erfahren wir in der Vielzahl seiner Dinge (= Körper, Vereinzelten), aber auch als nicht zerstörbares Nicht-Dingliches wie Gefühle, Zahlen, Gesetze (Formeln) und Begriffe tagtäglich: ganz ohne „Gott“, den sich die Menschen ja erst geschaffen haben, um sich ihrer Verantwortung zu entledigen, die sie über ihre Welt innehaben! Damit freilich haben sie sich allerdings auch ihrer Verantwortung über das „Gute“ und das „Böse“ entledigt, für dessen Verwirklichung (= Tatsetzung, Handlung) jeder Mensch ganz alleine verantwortlich sein sollte ... Verantwortung fürs Fehlen (= „Sünde“) abschieben wollen an den „Teufel“, die – vom Menschen erfundene – Personifizierung (!) des „Bösen“? Ja, natürlich! Das ist bequem, und der Priester macht‘s wieder gut durch die Absolution. Höchst eigenartig dabei: Aufgeklärte Christen glauben nicht mehr an den „Teufel“ als Person (auch das Purgatorium und die Hölle sind abgeschafft ... na ja, ersteres schon, das zweite lehrt dieser Papst – noch), aber nach wie vor an einen „guten Gott“. Warum wohl? Logik? Mysterium? „Mystisch“ bedeutet „nur“ der Versuch des Einswerdens mit dem Ein-Allen – hat aber mit dem Glauben an einen „Gott“ und die „Auferstehung“ seines „Sohnes“ nichts zu tun.

    Wissen die Gerontokraten in Rom, was sie da tun? Ja, sie wissen es ...

    Denn: Ob die Zerstörung eines „Etwas“ was Böses ist, kann lange „klärend“ hinterfragt werden. Der Tod Hitlers? Nun ja, die Neonazis bedauern ihn, aber ... Die Ermordung Osama bin Ladens? Nun ja, er war der meist gesuchte Terrorist der Welt ... aber warum ist er zu einem solchen geworden? Das Ende des Kommunismus? Nun, Linkslinke werden schon heulen darüber ... Das Ende des Kapitalismus? Der „Double Dip“, also der zweite und endgültige Einbruch unseres zur Zeit bestehenden Wirtschaftssystems? Die Bank(st)er und die „Ostküste“ werden sich freuen darüber, wir Sparer weniger ...

    Der Abwurf von zwei Atombomben über Hiroshima und Nagasaki 1945 wurde und wird von den Amerikanern (und nicht nur von diesen) „gerechtfertigt“, dass bei weiterer konventioneller Kriegsführung weit mehr Menschen gestorben wären ... mag schon stimmen. Böse also – oder gut?

    Fukushima: böse, gut? Wenn in der Folge dieses Desasters die Atomlobby zusammenbrechen und die Welt atomfrei werden sollte: gut? Böse? Wer will es entscheiden? Unsere Nachfahren werden es ... Und vor allem: Ohne Schrecklichkeiten (für die von ihnen Betroffenen) hat sich die Menschheit noch nie zu Änderungen in ihrem Verhalten aufgerafft ... gut? Böse? Oder gar notwendig?

    Lebensvernichtung

    Also ohne Impakt vor 60 Millionen Jahren, dem 90 % des damaligen irdischen Lebens zum Opfer gefallen sind, gäbe es uns und die heutige Flora und Fauna gar nicht. Erst durch das Hinweggerafft-worden-Sein der Dinosaurier konnten sich die Säugetiere zu dem entwickeln, zu dem sie es in uns – als Homo sapiens sapiens – gebracht haben ... Gut? Böse? Braucht die Erde uns Menschen? Impakt als Gottes Hammer! Ein seine „Schöpfung“ „liebender“ „Gott“, der 90 % des angeblich von ihm geschaffenen und geliebten Lebens ausrottet – nur damit es uns gibt? Dagegen war ja der Kreuzestod Christi nachgerade eine matte Sache ...

    Wer kann an den „Opfertod“ eines angeblichen „Gottessohnes“, geboren von einer 12- bis 14-jähringen, geschwängert vom „heiligen Geist“ (der dafür heute deswegen vor den Strafrichter käme) wirklich glauben – und es mit der „Liebe“ „Gottes“ zu uns Menschen rechtfertigen? Der nächste Impakt kommt bestimmt: Er ist nämlich längst überfällig, denn ein solches Megaereignis findet – die Geologen können es belegen – so rund alle 60 Millionen Jahre statt ... mit jeweiligem Lebensverlust um die 90 %.

    Leben muss tatsächlich vernichtet werden: ob durch Altern, Unfälle, Krankheiten, Mord, Krieg oder Umweltkatastrophen. Sonst gäbe es keine Evolution – also auch uns nicht.

    Was will der Papst mit seinem neuesten Pamphlet eigentlich aussagen? Lebensvernichtung, also Tod, als „Böses“? Um „den Tod zu überwinden“ lässt „Gott“ seinen „Sohn“ von den Römern ans Kreuz schlagen, ihn vorher unbedankt durch Galiläa und dann nach Jerusalem ziehen, lehren und angeblich die Liebe in die Welt bringen? Als ob es diese nicht schon früher gegeben hätte! Ich bin zwar auch der Meinung, dass Jesu Wirken segensreich gewesen sein mag – jedenfalls werden unsere Menschenrechte auf sein Wirken zurückgeführt. Sie werden allerdings bis heute nicht weltweit anerkannt ... Eine Handvoll Staaten hält sich mehr oder weniger an sie. Sogar Österreich findet sich auf der Schandliste von Amnesty International. Jesus hielt Sklaven für okay – klar: aus dem Denken seiner Zeit heraus. Er verlangte, bedingungslos ihm zu folgen und die Familie zu verlassen ... klar, dem patriarchalischen Denken seiner Zeit entsprechend ... „Gottes“ „allwissender“ „Sohn“?

    Benedikt XVI. dazu wortwörtlich: „Gott selbst richtet sich als Ort der Versöhnung auf und nimmt das Leid in seinem Sohn auf sich ... Das Dunkel, die Unlogik der Sünde und die für unsere Augen übergroße Helligkeit Gottes treffen sich im Kreuz, und das übersteigt unsere Logik.“

    Wahrhaftig! Solche Wortdrechslerei übersteigt tatsächlich alles bisher Dagewesene. Die Logik allemal – oder, wie es ein Playboy-Zeichner einstens trefflich illustriert hatte (man kann auf des Papstes Unlogik nur mit einem solchen deftigen, dafür aber weltweit publizierten  Vergleich antworten): Jesus hängt am Kreuz und sinniert verbittert vor sich hin. Der Text zur Illustration: „Und das alles nur, damit einmal katholische Priester Ministranten missbrauchen.“ (im Original: „… cornhole little boys.“)

    Hinterschleife

    „Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können!“

    Soweit der Papst in seinem letzten Buch. Und er setzt noch eins drauf: „Wenn es sich bei der Auferstehung Jesu nur um das Mirakel einer wiederbelebten Leiche handeln würde, ging sie uns letztlich nichts an. Dann wäre sie nicht wichtiger, als die Wiederbelebung klinisch Toter durch die Kunst der Ärzte es ist.“

    Was aber „Auferstehung“ wirklich bedeutet, sagt der alte Man auf dem Stuhl Petri nicht. Dafür leiert er: „Wesentlich ist, daß mit der Auferstehung nicht irgendein einzelner Toter revitalisiert wurde, sondern daß in der Auferstehung ein ontologischer, das Sein als solches berührender Sprung geschah, der für uns alle einen neuen Raum des Lebens, des Mitseins mit Gott geschaffen hat.“

    Da sind sie schon wieder: die Ontologie und das Sein. Aber nichts, rein gar nichts über die Bedeutung des Begriffes „Auferstehung“.

    Dafür eine „Erklärung“: „Jesus ist kein Gespenst (,Geist‘). Das bedeutet: Er ist nicht jemand, der eigentlich der Totenwelt zugehört, aber irgendwie sich in der Lebenswelt zeigen kann.“

    Nach Ratzinger (und dem Christentum seit Paulus) gibt es also zwei Welten: die Welt der Lebenden und die der Toten. Welt ist aber – philosophisch und begrifflich eindeutig sowie weiter oben bereits deduziert – nur das Erfahrbare, dasjenige also, das (Selbst-)Bewusstsein ausmacht und sich damit erst schafft: durch Kommunikation mittels der Sinne mit seiner Um- bzw. Mitwelt nämlich. Ohne Bewusstsein keine Welt – und ohne Welt kein Bewusstsein. Tote kommunizieren nicht. Was oder „wo“ wäre ihre Welt? „Im Hades“? „Im Himmel“ „In der Hölle“?

    Ratzinger weiß auch hier einen Hinterschleif: „Die Begegnungen mit dem Auferstandenen sind aber auch etwas anderes als mystische Erfahrungen, in denen der menschliche Geist einen Augenblick über sich hinausgeschoben wird und die Welt des Göttlichen und Ewigen wahrnimmt ...“

    Diese „Begegnungen“ sind erst 40 bis 80 Jahre, nach denen sie angeblich stattgefunden haben sollen, aufgeschrieben worden. Wer heute so etwas vor dem Strafrichter behauptete, würde augenblicklich entmündigt. Natürlich sind „die Begegnungen mit dem Auferstandenen“ keine mystischen Erfahrungen, denn Mystik ist – im Unterschied zum Christentum – tatsächlich Heiliges: der Versuch nämlich, die Subjekt-Objekt-Trennung zu überwinden, Welt nicht von der Warte des Ich aus zu betrachten und zu manipulieren, sondern sie zu sein. Erich Fromm hat das in seinem Weltbestseller „Haben oder Sein“ auf den Punkt gebracht ... und Meister Eckehard hat in seinen Predigten bereits im 12. Jahrhundert darüber vorbildlich geschrieben. Der Zen-Buddhismus lehrt diese zur Erlangung des Satori notwendige Übersteigung der bloßen Ratio und ihrer zweiwertigen Logik noch heute ... Gespenster oder Geister kommen in der wahren Mystik eben keine vor – die gibt es nur in der Esoterik und in den Religionen.

    Der menschliche Geist ist immer nur das, was er ist: menschlicher Geist. Er kann nicht „über sich hinausgeschoben werden“, denn könnte er es, würde dieser „über sich hinausgeschobene“ menschliche Geist das „Über-sich-Hinausgeschobene“ beinhalten; dieses wäre somit seine Erfahrung – und damit menschlich. Was soll solch ein wirres Wortverdrehen?

    Außerdem: Die „Welt des Göttlichen und Ewigen“ kann

    1. nicht wahrgenommen werden, weil nur Begrenztes und Dingliches, also Einzelnes bzw. Vereinzelbares wahrgenommen werden kann, und
    2. es sich mit der „Welt des Göttlichen und Ewigen“ genauso verhält wie mit der „Welt der Toten“: Wahrnehmen und Bewusstsein sind identisch, daher nimmt man ja auch nichts wahr, wenn man ohne Bewusstsein, also ohnmächtig oder tot ist. Ewiges freilich ist per se nicht wahrnehmbar, weil Wahrnehmbares immer begrenzt und zeitlich, also andauernd sein muss. Und
    3. „Göttliches“ ist ein leerer Begriff, denn: Könnte er mit Inhalten gefüllt werden, wäre er nicht mehr göttlich. Aber er wird beständig befüllt: mit Männlichkeit über die Person bis zur Liebe.

    Ob man das als Theologieprofessor mit damals 84 Jahren nicht mehr gewusst hat? Oder nie gelernt? Wieso ist man dann Theologieprofessor geworden?

    Wahre Auferstehung

    „Selbst“ bedeutet Eigenerkenntnis und macht nur Sinn, wenn es auch anderes, also von „Selbst“ Verschiedenes nicht nur als Begriff gibt, sondern wenn anderes auch existiert, also – als Unterschiedliches – raum-zeitlich da ist. Es gibt kein „Selbst“ (oder – wie Religiöse es zu benennen belieben – „Gott“) ohne Existierendes. Schon Augustinus monierte auf die öde Frage, was „Gott“ denn getan habe, bevor er die Welt geschaffen hatte: „Höllen für Leute, die so blöde Fragen stellen.“

    Ergo:

    Aus für den Urknall. Aber das wissen die Physiker der neuen Generation ohnehin schon – und ob das etablierte Teilchenmodell der  Atomphysik überhaupt stimmig ist, wird zurzeit im LHC (Large Hadrone Collider) in Genf erforscht  (Higgs-Boson!) … aber das ist jetzt Themenverfehlung. Es gibt keinen „Gott“ VOR (s)einer „Schöpfung“. „Selbst“ bedarf immer  der Vereinzelung: und zwar zu Bewusstsein, um überhaupt Selbst sein zu können. Nichts ist es mit der ewigen Fadesse des Allmächtigen „vor“ der Schöpfung, um „danach“ – auf Anraten des Teufels übrigens (siehe Ludwig Hirschs „Dunkelgraue Lieder“) – vom niedrigen irdischen Gewürm angehimmelt zu werden. Welch ein mieser „Gott“, der angebetet und verehrt werden will! Machte Er sich doch damit abhängig von der von Ihm selbst verlangten Verehrung ...

    Man nehme alle „Eigenschaften“ „Gottes“ und sattle sie der Welt auf, wie wir sie erleben und (er)kennen: ewig, allmächtig, „gut“ (naja …), schön (ja, auch), seiend, als eine und als wahre (also ohne Möglichkeit zum Anders-Sein; nach Leibniz die „beste aller Welten“)!: „Ens et unum, verum, bonum, pulchrum convertuntur“, wussten bereits die alten Scholastiker: „Das Eine, Wahre, Gute und Schöne fallen zusammen.“ Sie hatten schon Recht, auch wenn sie es anders gemeint haben mochten.

    Daher:

    Das Universum ist als das Eine-Alle. Und weil das Eine-Alle zu sich kommen muss (käme es dazu nämlich durch anderes, wäre es nicht das eine Alle! Es kann ja nichts zusätzlich zu ihm geben! Was wäre auch ein Alles „neben“ einem zweiten? Z. B. „neben“ dem Himmel, „in“ dem ja der „Gott“ der Religiösen „wohnt“? Ergo bedarf es der Vereinzelung des Einen (= des Ganzes) zum Vielen: als Materielles, Dingliches, und des Werdens von Organischem (= Leben), das nur als Lebendiges Bewusstsein entwickeln kann. Bei uns hat es sich nach vier Milliarden Jahren Evolution zu nun fast schon sieben Milliarden Homo-sapiens-sapiens-Exemplare vereinzelt, die sich alle als „Selbst“ erkennen und als solches (= also als Gott) wissen sollten! Wie prophezeite die Schlange in Gen 3, 5 der unfolgsamen Eva: „... und ihr werdet wie Gott sein ...“ Es steht eben schon in der Bibel: Durch das Essen vom Baum der Erkenntnis ist der Mensch Gott geworden.

    Warum verkünden das nicht Benedikt XVI. und sein Satrap Christoph Schönborn?

    Wer braucht da noch einen Gottessohn? Wie hieße der denn auf dem x-ten Planten des Alpha Centauri … wenn es dort einen solchen Planeten gibt? Ist auch dort ein „Messias“ gepfählt worden? Nach vier Milliarden Jahren Evolution hienieden und just in dem Moment, wo sich die Juden einen (weiteren) Messias gewünscht hatten – nach Hunderten missglückten? Hat es auf einem hypothetischen Planeten des Alpha Centauri oder Rigel oder Betageuze oder ... auch einen Saulus gegeben, der sich geistig selbst- bzw. ersatzbefriedigt hat, indem er einen gescheiterten Reformer des Judentums (und nicht einen Religionsgründer) zum „Gesalbten“, also zum „Christus“ hochstilisiert hat?

    Auch:

    Da gibt es bei uns einen unerlösten Wiener Kardinal, jede Menge Bischöfe, Priester, „Gläubige“ („Laien“ nennt man letztere wohl) und Machtgierige in Rom wie Benedikt XVI., die sich einen „Sohn Gottes“ zu Ostern (und nicht nur dann) ausdenken und verehren und anbeten und um Heil anflehen … in getreuer Nachfolge des ... nein: nicht des Petrus. Diese Verirrung hatte Paulus initiiert! Petrus wäre zu dumm und zu feige dazu gewesen. Seither stirbt der „Erlöser“ jedes Jahr zu „Ostern“ und aufersteht nach drei Tagen wieder unter Glockengebimmel … Das ganze Jahr über aber gilt diese Transsubstantiation: Die Hostie – nein: nicht „symbolisiert“ – sondern ist, jawohl ist der Leib des „Herrn“! Zumindest für Katholen.

    Kann man als Nachaufgeklärter wirklich so etwas glauben? Die Juden lachen sich einen ab darüber, rund eine Milliarde Muslime nennen die Christen u. a. auch deswegen „ungläubig“, und die restlichen 4,5 Milliarden Erdkrustenbewohner verlieren an solche Denkkapriolen nicht einmal einen Gedanken, ja, sie kennen solche Verirrungen gar nicht …

    Wahrer Glaube darf keine Denkkapriole sein! Er muss Bekenntnis und Überzeugung zu sich und seiner Verantwortung sein!

    Somit:

    Was gibt es Schöneres als zu wissen: Jeder von uns ist ein „Sohn“ „Gottes“, nein, mehr: Jeder ist „Gott“ – und damit ist dieser Begriff ein für allemal obsolet! – und trägt die Verantwortung für die ganze Geschichte und die Welt und das Universum: indem er/sie zu sich selbst kommt, sein Leben mit Sinn erfüllt und  strebend sich (be)müht:

    1. sich selbst nicht zu schädigen
    2. den Nächsten (siehe Bergpredigt) nicht zu schädigen und
    3. die Nachfahren nicht zu schädigen, wie es in unserer Zeit etwa durch die Atomlobby,  Diktatoren wie Assad und Lukaschenko, die jeden Fortschritt blockierenden Republikaner in den USA,  den bereits hingerichteten Osama bin Laden, den ziemlich machtlosen Obama und den schon sehr mächtigen Ben Bernanke geschieht bzw. geschah …

    Welche Verantwortung!

    Wozu noch Religion? Jeder werfe sich ins Zeug und mache die Welt besser!

    Das ist Auferstehung: Die Einsicht in die eigene Verantwortung! Die Erlösung aus der Sünde der Heternomie (= Fremdbestimmung) hin zum Heil der Autonomie (= Selbstbestimmung).

    So verstanden, erhält der Begriff „Heiland“ erst Sinn! Und ein jeder kann einer sein!

    Das ist wahrer Glaube!

    Amen.

    Titel: Jesus von Nazareth: Band II
    Untertitel: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung
    Autor: Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger)
    Jahr: 2011
    Verlag:
    Herder Verlag
    Genre: Sachbuch
    Aufmachung:
    368 Seiten, gebunden

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