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    Alles ist Eins – und zwei und drei ...?

    Die Welt ist eine Einheit, ein Ruhen in sich selbst. Und: „Jede Vielheit ist eine Vielheit von Einheiten, setzt also die Einheit voraus.“ In seinem Buch „Alles ist Zahl“ sucht Wolfgang Held exakt diese Ausgangsüberlegung zahlentheoretisch zu untermauern. Für ihn ist die Eins die Basis aller höheren Zahlen, da sie keine Teilzahlen enthält. Entlang dieser These leitet der Autor für die nächsthöheren Zahlen spezifische Erklärungen ab – und damit den Leser durch die Buchseiten.

    Es ist keine Geschichte, die sich zwischen den Buchdeckeln entspinnt, vielmehr eine unmärchenhafte Erzählung. Jedes Kapitel trägt den Titel einer Zahl und kommt, bei der Eins begonnen, nach der Einunddreißig zum Ende. Denn schließlich, so Helds Devise, bestimme das Datum die Grenze. Der Leser kann sich nun beispielhaft dasjenige Kapitel vornehmen, das zahlenmäßig mit dem eigenen Geburtstag übereinstimmt, und sich mit der Bedeutung dieser persönlichen Zahl auseinander setzen. Das Studium dieser Allegorien kommt einer Reise gleich, einem meditativen Erlebnis, hinein in die Ruhe der Welt, in die Ordnung der Erde, in der die Zahlen dominieren. Wolfgang Held selbst beschreibt es als eine „Spurensuche des Schattenwurfes der Zahlen Eins bis Einunddreißig“.

    Was uns antreibt, diese Schattenwürfe aufzufinden, habe seinen Ursprung im Staunen: Wir staunen über die sieben Farben des Regenbogens, die hohe Bedeutung, die man den drei Säulen zuschreibt, auf denen der Glaube im Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus ruht, und wir staunen, dass genau 24 Stunden den Tag umspannen.

    Ob diese Aspekte allerdings ihr Bedeutung dadurch erlangt haben, dass sie wahrhaftig in einer bestimmten Anzahl existieren oder ob ihnen diese Definition erst im Nachhinein zugeschrieben wurde und sie ihr Wesen auf diese Weise erhielten, wird nicht hinterfragt. So bleibt der Urkern der These „Alles ist Zahl“ nicht zur Gänze nachvollziehbar. Ich halte es durchaus auch für möglich, dass einige Leser der Idee seines Buches von vornherein ablehnend gegenüberstehen.

    Hinzu kommt, dass Held in seinem Buch nicht ganz so mühelos durch die schwammigen Anschauungen blicken lässt. Soll nun etwa jedes x-beliebige Buch im Sinne seiner Zahlenmystik gedeutet werden? Bestimmt wirklich die Zahl die Existenz und nicht umgekehrt? Dann müsste ja jedes neue Werk genauestens hinsichtlich der Anzahl beinhaltender Wörter konzipiert, womöglich sogar stundenlangem Wörterzählen unterzogen worden sein, um der tragenden Definition des Wesens der Seitenzahl gerecht zu werden.

    Und überhaupt: Nur weil die Zahl Drei ein stabileres, potenziell mächtigeres Wesen als die Zwei haben mag, hat Familie Meier bestimmt keine drei Kinder. Weil ja sonst alle Familien automatisch drei Kinder haben müssten. Oder, falls der Hund noch mitzählt, nur zwei ...

    Ist es so wichtig zu wissen, wie viel man geliebt hat, oder nicht eher, dass man geliebt hat?

    Nun, jedoch, unabhängig davon, ob man Helds Brille aufsetzt oder nicht, keimt während des Lesens Begeisterung auf, die Welt noch einmal ganz neu aus einer anderen Perspektive zu entdecken.

    Titel: Alles ist Zahl
    Untertitel: Was uns die Zahlen 1 bis 31 erzählen
    Autor: Wolfgang Held
    Jahr: 2011
    Verlag:
    Verlag Freies Geistesleben
    Genre: Sachbuch
    Aufmachung:
    160 Seiten, gebunden

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