Big Bang zu klein gedacht

Der Buchtitel verdeutlicht das Ansinnen des Autors: eine schonungslose Kritik an gegenwärtiger Kosmologie und Theoretischer Physik. Unzicker, promovierter Physiker und Gymnasiallehrer, beschreibt in seinem Erstling Ungereimtheiten, Widersprüche und ungelöste Probleme der Astrophysik, verweist auf Unvollständiges und Falsches, diskutiert „dunkle Energie“ und „dunkle Materie“, Elementarteilchen, Stringtheorie und Quantengravitation.

Dabei teilt er auch mal heftig aus, wobei seine Formulierungen nicht die sind, die man in einem Springer-Fachbuch erwartet, z. B. wenn er schimpft, dass den Physikern „alle Sicherungen durchgeknallt“ seien. Obwohl Unzicker interessante Zusammenhänge und Missstände aufzeigt, bleibt seine Kritik oberflächlich und primär subjektiv. Alternativansätze, die man hier doch erwarten dürfte, kommen dabei zu kurz, so erwähnt er zwar Robitailles Schlussfolgerung, dass die „kosmische“ Mikrowellen-Hintergrundstrahlung wahrscheinlich gar nicht kosmischen Ursprung ist, geht aber nicht weiter
darauf ein.

Kritiker der Relativitätstheorie bezeichnet er kurzerhand als „Spinner“, an der speziellen Relativitätstheorie gebe es „nicht den geringsten Zweifel“. Mehr kommt nicht, obwohl auch hier genügend Diskussionsbedarf bestünde. Zusammengenommen liefert das Buch zwar einige Denkanstöße und Neuinformationen, eine profunde Kritik an der modernen Kosmologie und Theoretischen Physik liefert es nicht. Ein enttäuschendes Buch.

Titel: Vom Urknall zum Durchknall
Untertitel: Die absurde Jagd nach der Weltformel
Autor: Alexander Unzicker
Jahr: 2010
Verlag:
Springer Verlag
Genre: Sachbuch
Aufmachung:
332 Seiten, gebunden

→ Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Ausgabe 31.

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