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    Emanzipation vom Übervater

    „Der Sohn vom Kohl“, ein schweres Los. Walter Kohl, ältester Sohn von Deutschlands langjährigem Kanzler, versucht schreibend und erinnernd sein eigenes Leben zu gewinnen. Seit frühester Kindheit sieht man in ihm den Vater, meint mit ihm den Vater, im Guten wie im Schlechten – meistens im Schlechten ...

    Walter Kohl ist schon früh mit handfester Gewalt konfrontiert. Man lässt sich in der Schule an ihm aus; in seiner Mutter findet er zwar eine verständnisvolle Zuhörerin, jedoch bleiben seine Klagen folgenlos.

    „Du musst stehen!“, sagte Helmut Kohl zu seinem Sohn. Er muss gerade stehen für etwas, das er nicht zu verantworten hat.

    Ministerpräsident, Kanzlerkandidat, 16 Jahre lang Bundeskanzler: Der Vater ist vorwiegend abwesend, das Familienleben drängt sich in wenigen Stunden im Monat zusammen. Selbst zu Hause erscheint der Vater eher als Bundeskanzler, die Amtsgeschäfte rufen auch in Oggersheim.

    Mit der Karriere steigen die Sicherheitsmaßnahmen: Eskorte zur Schule, das Familienheim wird umgebaut, die Fenster sind irgendwann aus dickem Panzerglas. Die Mutter möchte beschützen, Ängste fernhalten, indem sie so wenig wie möglich über die Bedrohung redet, gleichwohl macht sich das sensible Kind Gedanken. Der Gipfel ist für Walter die Information, dass man ihn im Falle einer Entführung nur bis fünf Mio. DM Lösegeld freikaufen wird – der Preis für sein Leben steht damit fest.

    Den Tiefpunkt bildet der Selbstmord Hannelore Kohls, nachdem sie über anderthalb Jahre in einem einzigen, abgedunkelten Zimmer gelebt hatte. Walter Kohl gerät in eine tiefe Krise und beschließt, gleichfalls aus dem Leben zu gehen. In dieser Situation wird er durch eine Frage seines kleinen Sohnes gerettet: „Papa, ist das Leben schön?“ Trotz einiger Längen gegen Ende: Das Buch ist lesenswert..

    Titel: Leben oder gelebt werden
    Untertitel: Schritte auf dem Weg zur Versöhnung
    Autor: Walter Kohl
    Jahr: 2011
    Verlag: Integral Verlag
    Genre: Sachbuch
    Aufmachung: 272 Seiten, gebunden

    → Dieser Beitrag erschien in einer gekürzten Fassung in zeitgeist-Ausgabe 31.

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