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    Lebensklug und berührend menschlich

    Albain ist kein Junge wie jeder andere, denn Albain „liebt alles, was er sieht, ohne dem einen oder anderen den Vorzug zu geben“ . Manchmal sieht Albain auch etwas, das die erwachsenen und „vernünftigen“ Menschen nicht sehen können.

    Eines Tages entdeckt er z. B. unter dem Eis eines zugefrorenen Sees eine junge Frau in rotem Gewand, die mit ihm zu sprechen beginnt. Sie nennt sich Melusine und ist eigentlich tot. Aber das macht nichts, denn die Toten sind manchmal nicht so tot, wie es scheint – ebenso wie die Lebenden nicht immer wirklich lebendig sind. Als das Eis einbricht, besucht Melusine Albain fortan bei ihm zu Hause und berät ihm bei seinen tapsigen Versuchen erwachsen zu werden, ohne das innere Leuchten seines glücklichen Einsamseins zu verlieren.

    Albain ist ein liebenswerter Träumer, ein Bruder im Geiste von Eichendorffs „Taugenichts“ und Penzoldts „Squirrel“. „Melusines Lächeln“ ist in jedem Moment ein Stück Literatur und zugleich höchst volkstümlich und einfach. Man liest es – wie die meisten wirklich wertvollen Bücher – nur mit dem Herzen gut. Jedes Kapitel gleicht einem Prosagedicht, in der Weisheit und Sinn ebenso dicht(erisch) zusammengefügt sind wie lebendige Anschaulichkeit und liebevolle Komik.

    Christian Bobin schrieb das Buch wie mit einem inneren Lächeln, das menschliche Schwächen zugleich scharfsinnig beleuchtet und mitfühlend vergibt.

    Titel: Melusines Lächeln
    Untertitel:
    Autor: Christian Bobin
    Jahr: 2005
    Verlag:
    Edition Spuren
    Genre: Roman
    Aufmachung:
    120 Seiten, Taschenbuch

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Ausgabe 28 (1-2008).

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