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    Betrug in der Wissenschaft: Nur die Spitze des Eisbergs bekannt

    Spätestens seit dem Betrugsskandal um die beiden Krebsforscher Herrmann und Brach im Jahr 1997 ist klar: Auch in Deutschlands Universitäten und Forschungsinstituten wird gemogelt, gefälscht und betrogen. Betroffen sind dabei auch hochrangige und international renommierte Institute wie das Max-Delbrück-Zentrum für molekulare Medizin in Berlin oder die Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft. Noch immer wird von offizieller Seite gerne betont, es handle sich bei den jüngsten Betrugsfällen nur um einzelne schwarze Schafe. Auch der Präsident der amerikanischen National Akademy of Sciences verkündete unlängst: „In der wissenschaftlichen Forschung werden Unlauterkeiten unweigerlich erkannt (...) Fälscher sind selten, es handelt sich dabei um Psychopathen.“ Die Menge der in den letzten 20 Jahren entdeckten Betrugsfälle widerspricht diesem hoffnungsvoll-positiven Bild allerdings deutlich. Im Gegenteil: Vieles deutet daraufhin, dass die großen Skandale der letzten Jahre nur die Spitze eines Eisbergs sind. Gerade die kleinen Schwindel, absichtlichen Unterlassungen und Datenmanipulationen sind häufiger als angenommen. 1979 in einer Studie danach gefragt, ob sie jemals mit Ideendiebstahl in Berührung gekommen seien, gaben immerhin 25 % von 1.309 Wissenschaftlern zu, selber schon einmal Ideen von anderen gestohlen oder ohne Quellenangabe zitiert zu haben. Eine neuere Umfrage in den USA ergab ein ähnliches Bild. Anfällig für die Versuchung, Daten zu fälschen und zu manipulieren scheinen besonders die Wissenschaftler der „Life Sciences“ zu sein. Chemiker fälschen für ihre Dissertation Laborprotokolle, Mediziner schildern Versuche, die in ihrem Institut technisch gar nicht durchführbar sind, und Biologen betreiben Datenkosmetik, in dem sie unerwünschte „Ausreißer“ aus den Ergebnissen herausretuschieren. Viele sehen in dieser Entwicklung eine logische Konsequenz des modernen Wissenschaftsbetriebes: Im Zeitalter des „Publish or Perish“ wächst der Druck, schnell und kontinuierlich greifbare Resultate und damit Veröffentlichungen in den angesehenen internationalen Fachzeitschriften vorweisen zu können. Nur dann fließt auch weiterhin das Geld für die oft teuren Experimente. Die Folge: Angebliche Erfolge werden mit Pauken und Trompeten verkündet, schlechte Ergebnisse meist ganz verschwiegen. Konkrete Zahlen nannte Philipp Campbell, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Nature“ 1998 auf einem Symposium über „Fälschung in der Wissenschaft“: In den europäischen Ländern werden jährlich an die zehn Fälle von Forschungsbetrug entdeckt, in den USA schwankt diese Zahl sogar zwischen 20 und 30 Fällen pro Jahr. Allein die Zeitschriften „Nature“ und „Science“ mussten in den letzten zwei Jahren über 20 schwerwiegende Fälle von Betrügereien in der Wissenschaft berichten. Damit sollten die Dimensionen des Problems klar sein – die bisher so oft beschworene „Selbstkontrolle der Wissenschaft“ scheint angesichts des heutigen Forschungsklimas von „Publish or Perish“ nur noch sehr eingeschränkt zu funktionieren.

    (QUELLE: www.g-o.de)

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Printausgabe 19 (3-2002).