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    Elektronischer Übersetzer von Kleinkindgeschrei: Technik statt Bonding

    Wie die "BBC News" berichteten, soll ein von dem spanischen Ingenieur Pedro Monagas Asensio entwickeltes Gerät anhand einfacher Gesichtssymbole anzeigen, was verzweifelte Säuglinge mit ihrem Geschrei ausdrücken wollen. Nicht nur Mediziner zweifeln die Sinnhaftigkeit einer solchen Erfindung an. Wenn man bedenkt, wie fein und komplex die frühkindliche Kommunikation abläuft, sollte man sich eher um das Mutter-Kind-Bonding kümmern (vgl. zeitgeist-Ausgabe 4-2001), um Geschrei aufgrund lebensbedrohlicher Situationen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Bereits im siebten Schwangerschaftsmonat reagieren hörfähige Kinder mit einer präzisen Muskelbewegung auf jedes "Phonem", die kleinste bedeutungsdifferenzierende sprachliche Einheit, welche die Mutter von sich gibt. Etwa 50 Phonemene bilden die Buchstaben und Silben von Tausenden von Sprachen. Außerdem werden bestimmte Worte mit der gefühlsmäßigen Verfassung des Erwachsenen zur Zeit des Lernvorgangs verknüpft. Bekommen Kinder keine bestätigende Antwort seitens der Erwachsenen auf ihre fragenden Gesten, verschwindet das Interesse an dem Entdeckten. Die Verhaltenforscherin Marcia Mikulak stellte an Kindern aus Naturvölkern eine um etwa 25 % höhere sinnliche Wachheit fest als bei amerikanischen Kindern. Diese "primitiven" Kinder, von ihren Eltern mit Aufmerksamkeit bedacht, haben ein Gespür für die allgemeine und emotionale Atmosphäre ihrer Umwelt und sind im Ganzen deutlich lebendiger. Im Vergleich zu Kindern unserer technisierten Welt eine bessere Ausgangsposition für das spätere Begreifen von Abstraktionen (z. B. E=mc2), wie Mikulak zeigen konnte.

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Printausgabe 21 (2-2003).