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    Anarchie im Straßenverkehr: künftig mehr Eigenverantwortung gefragt?

    Europas Verkehrsplaner haben eine Vision. „Frei und menschlich ... sollen sich Autofahrer und Fußgänger begegnen: durch freundliche Handzeichen, Kopfnicken und Blickkontakte und nicht gegängelt durch Verbote, Limits und Warntafeln“, schrieb SPIEGEL-Online in einer Meldung vom November 2006. Sieben europäische Städte und Provinzen, darunter Ejby (Dänemark), Ipswich in England, das belgische Ostende, das niederländische Drachten, auch Deutschland ist vertreten mit Bohmte, einer niedersächsischen Gemeinde mit 13.500 Einwohnern, demontieren im Rahmen eines EU-Projekts ihren Schilderwald, ihre Ampeln und Parkuhren. Was bliebe, wäre nur die Rechts-vor-links-Regelung und der bewährte Kreisverkehr. Denn Gebote nähmen uns das Wichtigste: die Rücksichtnahme, und wir verlernten unser Sozialverhalten, so der Groninger Verkehrsweise Hans Monderman, Mitbegründer des Projekts. „Je mehr Verordnungen, desto mehr schrumpft das Verantwortungsbewusstsein.“ Psychologen hätten diese Überfütterung längst als unsinnig enttarnt. Rund 70 % der Hinweise – bundesweit gibt es 648 gültige Verkehrszeichen, insgesamt stünden 20. Mio. Schilder in der Landschaft – würden überhaupt nicht wahrgenommen. Zudem entmündige die Verboteflut den Fahrzeuglenker und fördere dessen sittliche Verrohung („Jede Ampel lockt mit der Verheißung: Das schaffst du noch bei Gelb.“). Kritiker indes meinen, ohne klare Befehle werde sich der heimische Stoßverkehr in einen orientalischen Reifenbasar verwandeln. Die Idee vom Kuschelverkehr sei höchstens etwas für kleine Dörfer. Gleichwohl nahmen die Unfälle durch die automobile Anarchie stark ab. Ist unsicher also doch sicherer?

    (QUELLE: www.spiegel.de)

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Printausgabe 26 (1-2007).