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    Der Plakettenschwindel: Zertifizieren, was das Zeug hält

    Ob ISO-9001/9002 oder das GS-Siegel – kaum ein Produkt, das sich nicht als nach irgendwelchen Maßstäben „unabhängig zertifiziert“ darstellt. In den Anfängen war dies für Industrieunternehmen noch ein Wettbewerbsvorteil, heute ist es erzwungene Notwendigkeit: Wer nicht zertifiziert ist, erhält kaum mehr Aufträge. Dabei bedeutet Zertifizierung nicht zwangsläufig ein hohes Qualitätsniveau, oft sind es gerade Massenprodukte und Billigsterzeugnisse, die sich besonders gerne mit den Prüfplaketten schmücken. Der TÜV Rheinland als Marktführer verdient bestens in China. Mögen bei technischen Produkten immerhin echte Industrienormen für einen Stempel zugrunde liegen, so ist schon das „GS“-Siegel für „Geprüfte Sicherheit“ oft ein trauriges Zeugnis, wie der leidgeprüfte Heimwerker weiß. Bei Dienstleistungen wiederum, so etwa neuerdings bei Nachhilfeschulen, liegt gerne ein reiner bürokratischer Formalismus zugrunde, wie zufällig genau entlang der Organisationsstruktur der Branchenriesen, sodass schon im Normalfall gerade auf kleinere Qualitäts- und Nischenanbieter erhebliche Anforderungen und Kosten zukommen und diese sich, wenn siegelwillig, unter Umständen gezwungen sehen, ihre tatsächlichen Leistungen zu verschlechtern. Der ganze Zertifizierungsrummel bleibt fragwürdig für Firmen und Verbraucher, doch wenigstens einer profitiert immer: die Zertifizierungsgesellschaft.

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Printausgabe 28 (1-2008).