Elektrosmog – zwischen Verharmlosung und Panikmache (Teil 1)

Elektromagnetische Felder nicht natürlichen Ursprungs – von den Anfängen der Funk- und Elektrotechnik bis heute

Von UWE MARKIEFKA

Elektrosmog – die bedrohlich anmutende Umschreibung für elektromagnetische Strahlung rund um Elektrogeräte, Leitungen, Antennen etc. – ist ein Reizwort für den Gesetzgeber, die Betreiber von Mobilfunknetzen und ganz zuvorderst für den Bürger, der orientierungslos im Spannungsfeld von Information, Desinformation und Meinungsmache umherirrt. Diese neue Serie soll, vorhandenes und neues Wissen wertfrei strukturierend, einen angstfreien Umgang mit dem Phänomen ermöglichen. Der erste Teil vermittelt einen Eindruck von der Fülle an elektromagnetischen Wellen, denen wir heute ausgesetzt sind.

→ Artikelauszug: vollständiger Text in zeitgeist-Printausgabe 1-2008

Zellen, Gewebe, Organe und Organismen funktionieren nicht nur über chemische Reaktionen, sondern sind in komplexen, nicht linearen Prozessen eng an interne wie externe elektromagnetische Vorgänge gekoppelt. Pflanzen, Tiere und Menschen sind im Grunde elektromagnetische Lebewesen, da die gesamte Neurophysiologie (wie etwa das Nerven- und das Muskelaktionspotenzial – messbar über EEG und EKG) auf elektrischen Signalen basiert. (…)

Das Studium der elektrischen Erscheinungen geht zurück auf das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Während dieser Zeit wurden u. a. der Elektromagnetismus und der Zusammenhang zwischen Spannung, Strom und elektrischem Widerstand entdeckt. Das Relais wurde erfunden und der Telegraf zum wichtigsten Instrument der Nachrichtenübertragung. All diese Errungenschaften arbeiteten mit Gleichstrom, erzeugt von Volta’schen Batterien. Alessandro Volta (1745–1827), der die elektrochemische Zelle erfand, leitete zusammen mit Luigi Galvani (1737–1798) das Zeitalter der Elektrizität und damit das der Diskussion um elektromagnetische Wellen ein, denn Letztere wären ohne die Verfügung von elektrischer Energie bzw. Batterien niemals in den Fokus gesundheitsbewusster Kritiker geraten. (…)

Die Elektrosmogbelastung hat durch die Vielzahl an Strahkenquellen in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen

Dem Italiener Guglielmo Marconi gelang es 1895, elektromagnetische Wellen zu erzeugen und sie mit Morsezeichen zu modulieren. Günstige atmosphärische Bedingungen trugen 1901 dazu bei, dass Marconis Morsezeichen bis an die amerikanische Ostküste empfangen und verstanden werden konnten. Der geheimnisumwitterte kroatische Erfinder Nikola Tesla (1856–1943) beschrieb zu jener Zeit elektromagnetische Longitudinalschwingungen im Gegensatz zu den transversalen Hertz-Wellen (vgl. auch ZeitGeist-Ausgabe 1/2000). Mit seiner Sendeanlage (10 kW) konnte die gesamte Leistung auf fast 50 km übertragen werden. Teslas revolutionäre Innovation fand jedoch damals keinen Geldgeber und kam (bis heute) nicht zur Anwendung. (…)

Im Jahre 1911 brachte Siemens & Halske die erste Röntgenröhre auf den Markt. Die Wellenlänge der Strahlung war sehr kurzwellig (100 nm – 0,1 nm) und damit sehr energiereich, sie konnte den menschlichen Körper gänzlich durchdringen. Die Dosis für den Patienten war relativ hoch, da weder Verstärkerfolien noch Filter eingesetzt wurden. Conrad Röntgen (1845–1923), Entdecker der Röntgenstrahlung, prüfte seinerzeit noch die Härte der Röhren mit bloßer Hand. Jahre später erkrankte er an einer Strahlendermatitis. Somatische und genetische Strahlenschäden, ausgehend von ionisierender Strahlung, waren damals noch unbekannt. (…)

LITERATUR:

 

Weitere Teile der Serie "Elektrosmog – zwischen Verharmlosung und Panikmache":