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    Heft Nr. 27 (2-2007)

    Egoismus: Warum er die bessere Alternative ist

    Von JOHN BEVERLY ROBINSON

    Dem Egoismus haftet ein schlechtes Image an. Er wird zumeist mit Rücksichtslosigkeit gleichgesetzt, mit Starrsinn, Missachtung und Ellenbogenmentalität. Dieser Beitrag rückt den solcherart Gescholtenen in ein gänzlich anderes Licht, Egoismus würde nicht nur weithin missverstanden, sondern sei sogar die bessere Wahl. Dies begründet der Autor in ungewöhnlichen, bisweilen provokanten Gedankenzügen und kommt dabei zu einem überraschenden Schluss.

    Glücksdroge Internet: Das World Wide Web – heute und in Zukunft

    Von ROMAN RETZBACH

    Unsere Bequemlichkeitskultur trägt Früchte. Vom häuslichen Schreibtisch, immer öfter auch vom Sofa aus surfen täglich Heerscharen von Usern durch die virtuellen Weiten des World Wide Web. In West wie in Fernost: alle wollen dabei sein und teilhaben an der digitalen Kreativitätsbörse für Megatrends – oder einfach nur spielen. Die allzeit verfügbare schöne neue Welt der unbegrenzten Möglichkeiten ist kaum mehr wegzudenken. Tatsächlich schafft das weltweite Netz neue Freiheiten und Chancen, etwa Arbeitsplätze für ungezählte Programmierer, aber eben auch Abhängigkeiten, deren man sich bewusst sein sollte, ohne sich vom schönen Schein allzu sehr blenden zu lassen.

    Immer mehr Menschen, vornehmlich in den westlichen Industrieländern, verlieren die Freude an der Arbeit, rackern sich Tag für Tag ab und können sich trotz Zweit- oder Drittjob nicht wirklich mehr leisten. So flüchten viele vor der Frustration in den Cyberspace: zum Surfen, Chatten, Onlinespielen – oder auch, um per Internet auf Partnersuche zu gehen, ein Segment, das in den letzten Jahren stark angewachsen ist: vom Geschäftskontakt über schnelle Flirts bis hin zur käuflichen Liebe. Immer beliebter ist zudem die Mitwirkung am Aufbau von Wissensdatenbanken, allen voran Wikipedia, oder ganz aktuell das Theseus-Projekt des BMWI, aber auch an engagierten fiktiven Begegnungsstätten wie etwa MySpace. Zwangsläufige Folge der rasanten Entwicklung rund um das WWW ist die Entstehung neuer Berufsbilder: Webdesigner, Webmaster und Webhoster hießen sie gestern noch, heute repräsentieren Crowdsourcer, Blogger und Podcaster die Web-2.x-Generation. Jüngst sind es die Profilnetworker, die von sich reden machen. (…)

    Das Onlinegame Second Life ist für viele zu einer zweiten Heimat geworden (im Bild: ein buntprächtiger, surrealistisch anmutender Party-Tempel)

    Obwohl alles so leichtfüßig wirkt – der Aufwand, mithilfe des Webs Business zu betreiben, ist zum Teil beträchtlich. Eine andere Identität anzunehmen, etwas vorzugaukeln, was man nicht ist, oder einfach nur dicker aufzutragen ist online zwar leicht, aber kann der „schöne Schein“ auch gewahrt bleiben? Die Ernüchterung ist nicht selten groß, wenn die Realität ans Licht kommt. Auch in Kontakt zu bleiben per kostenfreiem Telefonieren („Skypen“), E-Mailing oder gar Videochat scheint in der Cyberwelt einfach – alles ganz locker und unverbindlich. Doch Freundschaften entstehen so nicht, eine echte Beziehung muss auch „offline“ gepflegt werden, tausende (oberflächliche) „Kontakte“ im E-Mail- oder Chatprogramm bedeuten im Grunde nichts. (…)

    Das digitale Universum ist schnelllebig: Über top oder Flop wird hier sehr viel schneller entschieden als im realen Leben. Sich selbst im Netz zu vermarkten und kreativ darzustellen ist aber ein wichtiger Trend im Zeichen von Individualisierung und Globalisierung. Internationale Speerspitze bilden derzeit MySpace und YouTube, die vor ein paar Jahren quasi wie aus dem Nichts auf der Weltbühne erschienen. Letzterer der beiden Bigplayer wurde 2006 für die Rekordsumme von umgerechnet 1,31 Milliarden Euro an Google verkauft. Auf beiden Plattformen kann sich der selbst ernannte Künstler ohne Millionenbudget einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Bei vielen Klicks respektive Besuchern steigen auch die Chancen auf eine echte Karriere als Musiker oder Videofilmer – eine vielversprechende Alternative zu den häufig entwürdigenden Castings im TV. (…)

    Erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten und Grenzen des World Wide Web sowie die Top Ten der Megatrends in West wie Fernost in der Ausgabe 2-2007.

     

    LITERATUR:


    Eine kurze Geschichte der Arbeit

    Wie sie geboren wurde, wer ihr die Unschuld nahm und was ihr Reife verleihen wird

    Von KARL-HEINZ TRITSCHLER

    „Erkenne Dich selbst!“ – Diese Aufforderung am Tempel von Delphi ist noch heute aktuell, wenn wir die Frage nach Sinn und Bedeutung von Arbeit stellen. Der Autor unternimmt einen Streifzug durch Kulturgeschichte und Philosophie. Er zeigt, wodurch unsere herrschende Vorstellung des Arbeitsbegriffs geprägt wurde und wohin er sich wandeln könnte.

    Artikelauszug: vollständiger Text in zeitgeist-Printausgabe 2-2007

     

    Schuften im Schlaraffenland: Warum ein bedingungsloses Grundeinkommen sinnvoll und möglich ist

    Von ROLAND ROTTENFUßER

    Obwohl der Produktivitätsfortschritt uns allen längst ein leichteres Leben ermöglichen würde, hält die Politik weiter am Arbeitszwang fest. Aber auch in der Bevölkerung ist der Widerwille gegen angebliches Sozialschmarotzertum so ausgeprägt, dass es kaum einer wagt, die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens auch nur zu denken. Dabei wären die Chancen, damit eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, enorm, die Risiken gering – und die heute praktizierte, kostenintensive „Antrags- und Schnüffelbürokratie“ hätte ein Ende.

    Der Zugang zum Existenzminimum wird in unserer Gesellschaft zunehmend von Qualitäten wie Intelligenz, Durchsetzungsfähigkeit und Frustrationstoleranz abhängig gemacht, die aber naturgemäß nicht jedem Bürger gleichermaßen gegeben sind. Wenn der Staat also das Recht auf Leben an eine „Mitwirkungspflicht“ bindet, dann müssten zumindest die von den Behörden verhängten Bedingungen für jedermann ohne Schwierigkeiten erfüllbar sein. Dies ist aber keineswegs gegeben. Wie viele Menschen sind längst an den schikanösen Anforderungen der Hartz-IV-Bürokratie verzweifelt und schlagen sich unter unmenschlichen Entbehrungen und mit ein bisschen Schnorren bei Verwandten und Bekannten durchs Leben? (…)

    Mögliche Entwicklung im Falle eines Grundeinkommens: Die Beschäftigungslandschaft wird sich ändern

    Der wachsenden Engherzigkeit der Behörden bei der Vergabe von Unterstützungsleistungen steht ein gegenläufiger Trend gegenüber: die Erweiterung des Handlungsspielraums unserer Gemeinschaft durch den immensen Produktionsfortschritt der letzten Jahrzehnte. Gemeint ist die Fähigkeit der Wirtschaft, immer mehr mit immer weniger Arbeitskraft herzustellen: Wir produzieren heute einen Überschuss an Waren mit stetig sinkender „Man- und Womanpower“. Die französische Schriftstellerin Viviane Forrester schrieb dazu in ihrem brillanten Buch „Der Terror der Ökonomie“: „Sollte die Erlösung vom Arbeitszwang, vom biblischen Fluch, nicht logischerweise dazu führen, die eigene Lebenszeit freier einteilen, freier durchatmen zu können, sich lebendig zu fühlen, ohne herumkommandiert, ausgebeutet und in Abhängigkeit gehalten zu werden und ohne solche Mühsal ertragen zu müssen? Hatte man nicht seit Menschengedenken alle Hoffnungen auf eine solche Wende gesetzt, die man für einen unerreichbaren, doch mehr als alles andere ersehnten Traum hielt?“ (…)

    Den Begriff „Grundeinkommen“ verwendet Viviane Forrester nicht explizit. Dafür tut dies Götz W. Werner umso intensiver. Seit einigen Jahren tingelt der dm-Chef unermüdlich durch Vortragssäle und Talkshows, um für seine Idee zu werben. Mit seinem Standardwerk „Einkommen für alle“, liegt jetzt eine zusammenhängende Theorie des Grundeinkommens vor, die, letztlich ethisch begründet, auf dem Recht auf Leben und auf Freiheit basiert. „Denn das Recht auf Freiheit beinhaltet sehr wesentlich das Recht, nein sagen zu können. Es beinhaltet zum Beispiel das Recht, eine bestimmte Arbeit abzulehnen. Es umfasst sogar das Recht, Erwerbsarbeit überhaupt abzulehnen. (…) Die Freiheit, nein zu sagen, hat aber nur der, dessen Existenzminimum gesichert ist. Das allein wäre Grund genug für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.“

    Wirklich neu ist der Gedanke nicht: Bereits im 19. Jahrhundert forderte der Sozialist Paul Lafargue (1842–1911) ein „Recht auf Faulheit“ ein als Grundbedingung für die volle Verwirklichung von Freiheit und Gleichheit, womit er allerdings nicht völlige Tatenlosigkeit meinte. Zur Finanzierung von mehr Freizeit für alle schlug er vor, unproduktive Mitglieder der Gesellschaft wieder einer nutzbringenden Tätigkeit zuzuführen. Bertrand Russell (1872–1970) plädierte in „Lob des Müßiggangs“ explizit für ein Grundeinkommen. Der visionäre Philosoph und Psychotherapeut Erich Fromm schrieb vor 40 Jahren: „Das garantierte Einkommen würde nicht nur aus dem Schlagwort ‚Freiheit’ eine Realität machen, es würde auch ein tief in der religiösen und humanistischen Tradition des Westens verwurzeltes Prinzip bestätigen, dass der Mensch unter allen Umständen das Recht hat zu leben.“

    Mehr zum Thema Grundeinkommen, sowohl zu den verschiedenen Varianten, die möglich wären, als auch hinsichtlich Erwiderungen auf vorschnelle Gegenargumente lesen Sie in Ausgabe 2-2007.

     

    LITERATUR:

    LINKS:

    Was der Grand Canyon mit unserer Gesellschaft gemeinsam hat oder: Wandel, dynamische Komplexität und Selbstorganisation

    Eine Hommage an das Werk des britischen Philosophen und Soziologen Herbert Spencer

    Von Dr. theol. MARTIN PÖTTNER

    Der Gedanke, dass sich die Dinge selbst entwickeln, ohne göttliche Lenkung, dass aus Einfachem Komplexes entsteht, war im 19. Jahrhundert schon in Bezug auf die Biologie revolutionär. Herbert Spencer weitete die Evolutionstheorie auf anorganische und überorganische Prozesse aus und legte allen Phänomenen dasselbe kosmische Prinzip zugrunde. Spencer ist damit überraschend aktuell, denn seine Schriften beschreiben Prozesse, die heute als Selbstorganisation bezeichnet werden.

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