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    Schenkkreise: esoterischer Deckmantel um sittenwidriges Schneeballsystem

    Schenkkreise ziehen noch immer weite Kreise. Getarnt als „Treffen interessanter Leute“ versprechen sie raschen Wohlstand und spirituelles Wachstum obendrein. Und das geht so: Ein Teilnehmer aus der Runde wird beschenkt, die Schenkenden sollen ihren „Einsatz“ später in achtfacher Höhe zurückerhalten (die „Gewinnsumme“ bewegt sich je nach Schenkkreis zwischen 80 und 40.000 €). Wahrhaft illustre Namen haben diese Kreise: Lotusblüten-, Herzfrauen oder Sonnenmännerschenkkreis. Wo das vervielfachte Geld allerdings herkommen soll, interessiert niemanden so recht. Würde nur einer zum Taschenrechner greifen, wäre das Unmögliche sofort offenbar: Bei 9 Teilnehmern (8 Schenkende, ein Beschenkter) braucht es 73 Teilnehmer in der zweiten Runde, um wieder 9 Beschenkte zu gewährleisten. Das Ganze setzt sich exponentiell fort: Bereits in der 11. Runde würde das System mehr „Geprellte“ hinterlassen, als unser Planet Menschen beherbergt. Doch aus den Reihen der Teilnehmer hört man oft, mit Urvertrauen sei alles machbar. Aus allen sozialen Schichten finden sie zusammen: Naive, Neuarme, Zocker. Gemeinsam ist ihnen eins: Die Verlockung vom schnellen Reichtum. Durch die Vertrauen einflößenden Gruppenzwänge und dem postulierten „Energiefeld der Fülle“ werden Gedanken an einen Ausstieg im Keim erstickt. Ganz so unproblematisch ist diese Sache wohl nicht: In einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 22.04.97 (XI ZR 191/96) sei sie nämlich als sittenwidriges Schnellballsystem anzusehen, das darauf abziele, die Leichtgläubigkeit, Spielleidenschaft und Unerfahrenheit der Teilnehmer auszunutzen. Der Einsatz könne daher vom Betreuer des Gewinnspieles zurückgefordert werden. Dann doch lieber gleich aus freien Stücken zurückschenken.

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Printausgabe 19 (3-2002).