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    Homeschooling: zu Hause lernen – endlich bald auch in Deutschland erlaubt?

    Seit dem 7. Januar 2008 lebt Tilman Neubronner mit seinen Söhnen Moritz und Thomas im Ausland. Nur so entgeht die Familie der Verfolgung durch die Bildungsbehörde, die den Schulbesuch der seit 2005 erfolgreich frei lernenden Söhne erzwingen will. 2007 waren die Kinder regelmäßig überprüft worden, hatten Tests geschrieben und gute Zeugnisse erhalten. Doch auf diese Lösung wollte sich die Behörde nicht mehr einlassen. „Irgendwann wird die deutsche Rechtsprechung dem EU-Standard angepasst werden müssen“, meint Mutter Dagmar. Ende Mai hat sie ihr Buch „Die Freilerner“ der Öffentlichkeit vorstellt. Deutschland ist zunehmend isoliert mit seiner Position, die Bildungspflicht verengt im Sinne einer Schulanwesenheitspflicht aufzufassen. In allen umliegenden Ländern und im gesamten angelsächsischen Raum, in der UN-Kinderrechtskonvention und anderen internationalen Vertragswerken ist das Recht auf Bildungsfreiheit verankert. In keinem demokratischen Land wird Freies Lernen derart kriminalisiert und verfolgt wie in Deutschland. Trauriger Höhepunkt dieses auf das Reichsschulpflichtgesetz von 1938 zurückgehenden Schulzwangs ist ein viel zitiertes Urteil des Bundesgerichtshofs, nach dem auch erfolgreiches „Homeschooling“ einen Missbrauch des Sorgerechts darstellen kann. Ebenfalls erschreckend sind Details aus dem neuen „Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls“, in dem fehlender Schulbesuch pauschal in eine Reihe mit Kindesmisshandlung gestellt wird. Vor diesem Hintergrund sind in den letzten Wochen und Monaten verstärkt engagierte Familien wie die Neubronners in eines der umliegenden Länder wie Frankreich, England, Irland, Dänemark, Belgien, Tschechien oder Polen emigriert. Noch sind es zu wenige, um von einem Massentrend zu sprechen, aber mit dem Zusammenwachsen der EU werden gerade bildungsbewusste Familien sich in Zukunft bei der Wahl ihres Wohnortes auch über die Grenzen hinweg orientieren. Es wäre schade, wenn der deutsche Schulzwang ein Standortnachteil für Deutschland bleiben würde.

    (QUELLEN: Pressemitteilung des BGH 175/2007 vom 16.11.2007, Gesetzentwurf der Bundesregierung BT-DRS. 16/6815)

    → Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Printausgabe 28 (1-2008).