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    Grimme-Online-Award: Freier investigativer Journalismus im Netz nicht gewürdigt

    Heute um 11 Uhr wurden sie offiziell bekanntgegeben, die 23 Nominierten für den Grimme Online Award 2010. Aus über 2000 eingereichten Vorschlägen hatte die siebenköpfige Kommission nach eigenem Bekunden "qualitativ herausragende Websites" in den Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung sowie Spezial ausgewählt.

    Was dabei ins Auge sticht: Das Segment der alternativen Presse sowie der Politblogger, welche die Medienlandschaft mit von Konzernen und Lobbyisten unabhängiger Informationen bereichern, wurde bei der Nominierung ausgespart. Gerade in der herrschenden Krise hatte sich doch gezeigt, wie wertvoll diese "Gegenstimme" für die freie Meinungsbildung ist. Ob nun das Thema Schweinegrippe oder der drohende Finanzcrash – das stetig wachsende Netzwerk der "Infokrieger" leistet dort Aufklärungsarbeit, wo Massenmedien als vierte Säule der Demokratie ihrer Selbstverpflichtung nicht mehr nachkommen.Und das mit beachtlichen Zugriffszahlen, die entsprechende Honorierung allerdings bleibt aus.

    Zwar bemängelte die Nominierungskommission in ihrer Presserklärung "eine oftmals festgestellte Überbetonung der quantitativen Erfolgsaspekte gegenüber den journalistischen Grundsätzen und Qualitäten." Das hinderte sie jedoch nicht daran, mit "ZEIT Online" (das gleichwohl zu den anspruchsvolleren Magazinen der Systempresse zu rechnen ist) einen Medienriesen für den Preis vorzuschlagen, während kleinere investigative und engagierte Newsseiten unbeachtet blieben.

    Am meisten überrascht, dass selbst in der Kategorie "Information" vorwiegend Webseiten nominiert wurden, die viel eher dem Entertainment bzw. Feuilleton zuzuordnen wären, wie etwa "FuPa – das regionale Fußballportal", "Der Umblätterer" oder das "TITEL – Kulturmagazin"). Selbst das kritisch-satirische und mit viel Aufwand betriebene "Fernsehkritik-TV" wäre in der Rubrik "Kultur und Unterhaltung" sicherlich besser aufgehoben gewesen.

    Ob der Kommission wohl bewusst war, dass sie mit dieser Auswahl den Brot-und-Spiele-Trend in unserer Gesellschaft bestätigt, wenn nicht diesem sogar weiter Auftrieb verleihen wird?