Geschenkte Zeit

„Alles eine Frage der Zeit“ ist ein Film für die Seele, weil er so wunderbar positiv ist. Die Hauptfigur Tim, gespielt von Domhnall Gleeson, entstammt einer Familie, in der alle Männer die Fähigkeit besitzen, in der Zeit zu reisen. Bill Nighy (in der Rolle seines Vaters) weiht ihn in dieses Geheimnis ein und versucht, ihm die richtige Handhabung mitzugeben. Zu Beginn nämlich setzt Tim diese Fähigkeit dazu ein, viele vermeintlich kleine Dinge in seinem Leben zu korrigieren. So auch, als er seiner Traumfrau Mary (Rachel McAdams) begegnet. Doch im Laufe der Zeit lernt er, dass manches genauso passieren muss, wie es passiert, damit alles so kommt, wie es kommen soll. 

Auch wenn man in der Zeit zurückreist, kann man Unfälle oder auch den Tod nicht immer verhindern. Genauso wenig kann man jemanden dazu zu bringen, einen zu lieben. Und das ist wohl auch gut so. 

Das Wichtigste aber, das Tim lernt, ist die Zeit zu genießen. Er lernt es dadurch, dass er jeden Tag ein zweites Mal durchlebt, ohne dabei ins Geschehen einzugreifen und etwas zu verändern: Ganz ohne Anspannung und Stress, nimmt er sich Zeit, herumzualbern, sich der Dinge gewahr zu werden und das Leben zu genießen. Irgendwann gelingt ihm das auch ohne zweiten Durchlauf. Er lässt seine eigentlich beneidenswerte Fähigkeit links liegen und vermisst sie auch nicht.

Im Unterschied zu Zeitmanipulationsfilmen im Stile von „Butterfly Effect“ wird hier nicht mit Ängsten gespielt und auch nicht auf Action gesetzt. Vielmehr sind Gelassenheit, Empathie und persönliches Wachstum die tragenden Elemente. So schenkt der Film dem Zuschauer gleich mehrere Anregungen, die dieser mitnehmen sollte:

Die erste wäre, dass es wichtig ist, im Hier und Jetzt zu leben. Exakt in diesem Augenblick. Denn er ist einmalig und kommt so nicht wieder. Wir wissen auch nicht, wie schnell alles vorbei sein kann. Vielleicht denken wir in ein paar Wochen just an diesen Moment zurück und wünschen uns, dass wir ihn doch nur mit anderer Geisteshaltung erlebt hätten ...

Die zweite wäre, dass man der Zeit Vertrauen sollte. Was passieren soll, wird zur rechten Zeit passieren, nicht früher und nicht später, und alles, was wir tun können, ist uns innerlich darauf einzustimmen und den Weg zum Ziel zu genießen. Etwas zu forcieren ist nicht nur unnötig, sondern hinderlich.

Die dritte Botschaft handelt vom Schmetterlingseffekt. Jedes Ereignis, jede noch so banale Sache, hinterlässt Spuren und löst eine Kette von Reaktionen aus, die wir allerdings mit unseren Entscheidungen auch wieder durchbrechen können. Und eines Tages erkennen wir vielleicht, dass wir uns heute in einer ganz anderen Situation befänden, wäre nur etwas ein bisschen anders verlaufen. Im Guten wie im Schlechten.

Und schließlich der vierte Denkanstoß: Zeit ist etwas unfassbar Kostbares. Leider ist uns Menschen das nicht allzu oft bewusst. Irgendwie wünscht sich doch jeder mehr Zeit. Ob fürs Lernen vor einer Klausur, für ein Projekt, einen todkranken Menschen oder das Leben im Allgemeinen. Zeit kann und sollte man auch nicht verschenken. Die Uhr tickt unaufhörlich. Was wir aber tun können, ist Zeit miteinander zu teilen mit den Menschen, die uns wichtig sind und sie intensiver zu erleben. Wer kennt nicht den berühmten Spruch: „Du kannst dem Leben nicht mehr Tage, aber den Tagen mehr Leben geben.“

Doch was bedeutet das genau? Jede verstreichende Sekunde „produktiv“ zu nutzen? Oder geht es einfach darum, Zeit nicht zu „verschwenden“? Und was genau ist eigentlich verschwendete Zeit?

Wie so oft im Leben, ist das höchstsubjektiv und situationsabhängig zu betrachten. Was für den einen Zeitverschwendung ist, ist für den anderen die wohlverdiente Pause, die gebraucht wird, um zu regenerieren und erst dann den Weg weiterzugehen. Während es für den einen nichts Wichtigeres gibt, als Zeit mit der Familie zu verbringen, möchte ein anderer sich lieber auf sich selbst konzentrieren. Einer liebt es, mit dem Fallschirm zu springen und sich dabei unendlich frei und lebendig zu fühlen, ein anderer sitzt lieber in der Bibliothek und verschlingt Bücher, egal bei welchem Wetter.

Die optimale Ausnutzung der Zeit gibt es wahrscheinlich nicht. Denn oft genug, muss man sie auch für sich arbeiten lassen. Man muss manchen Dingen Zeit geben, damit sie sich entwickeln und man muss sich selbst manchmal Zeit geben, mit gewissen Ereignissen zurechtzukommen. Es heißt nicht umsonst, dass Zeit viele Wunden heilt. Eines Tages spürt man dann, dass die Zeit reif ist oder wir mit der Zeit gereift sind. Alles eine Frage der Zeit.. 

Titel: Alles eine Frage der Zeit
Originaltitel: About time
Jahr: 2013
Land: Vereinigtes Königreich
Regie: Richard Curtis
Genre: Komödie
Im Netz: www.abouttimeintl.com/de/
Verleih: Universal

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