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  • Aus Portugal: Drei Thesen für ein menschlicheres Miteinander

    Bericht von einer Reise nach Tamera

    Von IMMO FIEBRIG Ph.D

    Als Heilungsbiotop für unsere aus dem Gleichgewicht geratene Welt versteht sich die Lebens- und Forschungsgemeinschaft Tamera in Portugal, die wir unseren Leserinnen und Leser bereits vor Jahren in der zeitgeist-Printausgabe vorgestellt hatten. Seither tat sich dort so einiges: Tamera entwickelte sich in Richtung eines energie- und nahrungsmittelautarken Siedlungsmodells; mit Lehmbau, Leichtdachkonstruktion und Komposttoiletten wurden auch experimentelle Bauprojekte realisiert. Ganz besonders am Herzen liegt den Bewohnern jedoch die Friedensarbeit für eine stabile und angstfreie Gesellschaft von Morgen. Der Autor besuchte die Gemeinschaft und machte sich ein Bild vor Ort.

    Als am 30.10.2008 der Film "Let's Make Money" in Deutschland in die Kinos kam, ging es um die Frage: Was macht die Bank mit unserem Geld? Überall, so das CineCity-Filmmagazin in seiner Kinowerbung, begegnet der österreichische Filmregisseur Erwin Wagenhofer der gleichen alten Sucht nach Reichtum, die Menschen dazu bringt, andere ausnutzen und auszuplündern.

    Doch was steht eigentlich hinter dem Symptom Sucht? Hinter der Sucht nach Reichtum, der Hab-, Geltungs- bzw. Spielsucht, den substanzgebundenen Süchten nach Tabak, Alkohol, Tabletten, Rauschgift, Essen sowie anderen Suchtbereichen wie Arbeitssucht, Kaufsucht, Beziehungs-, Romanzen- und Sexsucht oder religiösem Fanatismus? Diese Frage ist brisant, weil sie vermuten lässt, dass abhängige Menschen Systeme schaffen – auch Wirtschaftssysteme –, die ihre Süchte bedienen. Und: Süchte, das wird heute kaum mehr bestritten, führen zu einem frühzeitigen Tod.

    Wo Angst ist, kann keine Liebe sein

    Hinter der Volkskrankheit Sucht und den körperlichen oder seelischen Unpässlichkeiten, Stressreaktionen, Depressionen oder emotionalen Qualen, welche die Sucht zu überdecken sucht, steht in aller Regel Angst. Wo Angst ist, kann keine Liebe sein. Liebe oder genauer, die Zuwendung zu allem was einem wichtig ist, die Leidenschaft gegenüber dem, was jemand in seinem Leben, an seinen Mitmenschen, an allen Lebewesen oder überhaupt an dieser Welt wirklich gern hat. Wo keine Liebe ist, herrschen Kriege, auch Wirtschaftskriege. Sie sind eine Folge der Angst und der daraus resultierenden Lieblosigkeit.

    Impressionen von Tamera (Fotos: Birger Bumb, Nigel Dickinson)

    Wie könnte nun eine Gesellschaft aussehen, in der Menschen ihren Bedürfnissen entsprechend angstfrei leben und sich entsprechend entfalten können? Mit dieser Frage im Hinterkopf stieß ich auf die Forschungen des Kunsthistorikers und Psychoanalytikers Dieter Duhm. Duhm, der sich schon früh mit Soziologie befasste, gilt als einer der führenden Köpfe der 68er-Studentenbewegung und gründete bereits1978 das Projekt Heilungsbiotope, als er – wie auch andere Vertreter seiner Generation – feststellen musste, dass viele Projekte des gemeinschaftlichen Zusammenlebens in den Kommunen der 1970er-Jahre an zwischenmenschlichen Konflikten zerbrachen.

    In seinem Buch „Zukunft ohne Krieg“ geht es ihm um eine Theorie der globalen Heilung durch den Aufbau stabiler Lebensgemeinschaften, in denen eine Kriegsindustrie keinen Platz mehr hat. Das Thema hat Bedeutung, da mit dem bisherigen Finanzsystem, der  Ressourcenvergeudung, Umweltzerstörung und fortschreitendem Bevölkerungswachstum entweder ein globaler Neuanfang beschritten werden muss oder eben der globale Exitus ansteht.

    Der 1942 in Berlin geborene Duhm schreibt dazu auf seiner Website: „Es ist unvorstellbar, was sich Menschen heute gegenseitig antun, und was sie Tieren antun. Können wir noch etwas tun, um die Erde von dieser unermesslichen Gewalt und Angst zu befreien? Ich schiebe alle Illusionen beiseite und antworte trotzdem: Ja, wir können es, wenn wir es mit allen Kräften wollen und tun.“ Sein Plan der Heilungsbiotope führte 1995 zur Gründung des Zukunftsprojektes Tamera. Die Weltanschauung und die Projekte, die im Internet auf der zugehörigen Webseite beschrieben sind, berührten mich so sehr, dass ich diesen Ort kennen lernen wollte.

    Tamera1 ist keine Ortschaft, sondern ein über 130 Hektar großes Areal in der Nähe von Colos, im Alentejo, etwa 180 km südlich der Hauptstadt Portugals. Am Lissaboner Flughafen angekommen, ging meine Reise mit dem Zug weiter. Fred Frerk, der seit einigen Jahren als Handwerker in Tamera lebt, holte mich bei sommerlichen Temperaturen vom benachbarten Bahnhof in Funcheira ab. Nach einer etwa 20-minütigen Autofahrt, zuletzt auf Schotterpisten und Lehmwegen, rollten wir durch die karge, erodierte und von Korkeichen und Olivenbäumen geprägte Landschaft, bis wir an ein Schild kamen, auf dem zu lesen stand: „Biótopo de Cura – Bem Vindo“(Heilungsbiotop – Herzlich willkommen).

    Am gleich dahinter gelegenen Gästehaus empfing mich die Journalistin Leila Dregger, verantwortlich für die Pressearbeit Tameras. Die Sonne ging unter, es wurde dunkel und wir konnten die Wege zur nahe gelegenen Seekneipe nur noch mit der Taschenlampe begehen. Die Stille der beginnenden Nacht war für mich nach der langen Reise erholsam.

    Die nächsten vier Tage führte Leila mich durch das Gelände, erklärte mir die verschiedenen Bereiche und Projekte und stellte mich schließlich einigen der Gründer und Friedensarbeiter der Initiative vor. Tameras Bewohner hatten für mich eines gemeinsam: Sie waren als Menschen mit Leib und Seele, unter vollem körperlichen und geistigen Einsatz, füreinander und ihre Arbeit da. Tamera bietet im Gegenzug sinnstiftende, zukunftsweisende Projekte in einem friedvollen Umfeld.

    In Tamera legt man großen Wert auf achtsamen Umgang mit dem Nachwuchs und dessen Gefühlen

    Das Areal von Tamera hat, aus der Vogelperspektive betrachtet, die Form eines landenden Adlers, erläuterte mir die Mitbegründerin, Theologin und Friedensbotschafterin Sabine Lichtenfels, der deshalb auch im Logo zu finden sei. Aus der Sicht eines Zweibeiners hat das Gelände im ausgehenden Hochsommer die Atmosphäre eines großen, zum Teil noch in Bau befindlichen Campingplatzes. Zumindest auf den ersten Blick.

    2009 steht die Sommeruniversität des „Heilungsbiotops“ Tamera unter dem Motto „Global Grace Village – die Vision der Friedensforschungsdörfer“ (Foto: Birger Bumb)

    Der Plan der Initiatoren Duhm und Lichtenfels beinhaltet den Aufbau mehrerer Friedensforschungsdörfer nach dem Vorbild Tameras an verschiedenen Orten der Erde, um so einen globalen Heilungsprozess anzustoßen. Die Modellgesellschaften fungierten dabei auch als Experimentier- und Ausbildungsstätten, frei von aufgestauten Emotionen: Anstelle unguter Gefühle wie Neid, Eifersucht oder Hass sollte Freude, Glück und Liebe treten, ausgedrückt und gelebt im Hier und Jetzt.

    Drei Thesen kennzeichnen die Vision Tameras:

    These 1: „Aggression ist keine zwingende Eigenschaft des Menschen. Angestaute Aggressionen entstehen im Keim durch nicht gelebte Vitalität, auch durch unterdrückte Sexualität.“

    Ein sexuell ausgeglichener Mensch sei friedfertig und interessiere sich weder für alltäglichen „Kleinkrieg“ noch für den globalen Militarismus, so die beiden Gründer. Aber er sei in der Lage, konstruktiv, kreativ und gemeinschaftlich Lösungen und Werte zu schaffen. Tamera lehrt vor allem jungen Menschen, ihrer Liebe zu Mitmenschen Ausdruck zu verleihen und angstfrei zu leben, sich frei von gesellschaftlichen Vorgaben (wie etwa der Eheschließung) einem geliebten Menschen zu öffnen, sich ihm hinzugeben und nur dann „Liebe zu machen“, wenn dies aus Zuneigung, aus dem Herzen heraus geschieht und auf Gegenseitigkeit beruht.

    These 2: „Die Grundlage für eine friedliche Gesellschaft mit einer lebenswerten Zukunftsperspektive sind Kinder.“

    In Tamera legt man großen Wert auf achtsamen Umgang mit dem Nachwuchs und dessen Gefühlen. Die Kinder Tameras werden entsprechend ihrer Neigungen und Interessen gebildet – nach dem Prinzip der freien Schulen –, und ältere Kinder übernehmen bereits Verantwortung für das Lernen der Jüngeren. Konflikte, die es natürlich auch gibt, werden lösungsorientiert und verbal-gewaltfrei gelöst. Kinder können sich kreativ ausdrücken und ihrer Fantasie freien Raum lassen. Fernseher, DVDs, iPods oder Computerspiele sind nicht wirklich wichtig. An deren Stelle treten Aktivitäten in der Kunst, dem Theater (2008 unternahm man einer Theatertournee durch Deutschland), dem Naturunterricht oder die Beteiligung an eigenen Friedens- und Tierschutzkampagnen.

    Das Erlangen der Hochschulreife wird durch einen rechtzeitigen Wechsel zu einer kooperierenden freien Schule in der Schweiz ermöglicht. Entscheidend sei, dass die Kinder in Tamera ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen können und selbstbewusst das tun, was sie möchten, dabei anderen oder sich selbst nutzen und nicht schaden. Im Idealfall haben sie Eltern, die sich aus Liebe füreinander entschieden haben.

    These 3: „Frieden wird durch gut ausgebildete Friedensarbeiter in die Welt getragen – deshalb ist Ausbildung sinnvoll.“

    In den Studientexten der 2008 in Tamera veranstalteten 14. Sommeruniversität – Motto:„Be the Change – Youth for a Future without War“ – schreibt Sabine Lichtenfels: „Warum sind bis heute so viele Gemeinschaften gescheitert? Man kann es sehr klar sagen: Sie scheitern am nicht gelösten Liebesthema. Notstandsgebiet Erde, Krisengebiet Liebesbeziehung. Dieter Duhm stellt fest: Hinter der Qual unerlöster Liebesbeziehungen und unerfüllter erotischer Träume steckt ein latenter (oder offener) Geschlechterkampf, der heute mehr Opfer fordert als der Straßenverkehr. Die Welt leidet an Liebeskummer ... Es kann auf der Erde keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist.“

    Im Sinne einer global vernetzten Ausbildungsinitiative vertieften deshalb auf Tamera Friedensarbeiter und solche, die es werden wollen, in einem dreijährigen, bisher experimentellen Curriculum verschiedenste Themen, so etwa Gemeinschaftsbildung, Konfliktlösung, Verständigung der Geschlechter, soziales und spirituelles Wissen, Solartechnologie, Ökologie, Kunst und Heilung. Für die Lösung von Konflikten nutzt man vor allem die Methode des „Forums“, in dem die Mitglieder der Gemeinschaft ihre Beziehungsprobleme in einem geschützten Raum offenbaren. Angst und Aggressionen würden so abgebaut und liebevoller Zwischenmenschlichkeit Raum gegeben.

    Tamera steht auch für ein Modellprojekt zur Renaturierung und Landschaftsheilung

    Den Bewohnern Tameras, derzeit etwa 180 Erwachsene (einschl. Studenten) und 20 Kinder, gelang es so, über die Jahre eine tragfähige Gemeinschaft aufzubauen, die dabei auch ihre eigene, übergeordnete (spirituelle) Anbindung ans Universum entdeckt hat. Religiöse Überzeugungen bieten bekanntlich Zündstoff für allerlei Meinungsverschiedenheiten. Auf Tamera ist man überkonfessionell. So ist es möglich, dass Christen, Juden, Moslems, Buddhisten, Anhänger anderer Konfessionen, Agnostiker und Atheisten friedlich in einer Gemeinschaft zusammenleben und ihren ganz persönlichen Zugang zu Gott finden können. Zwei Mal die Woche findet eine morgendliche Andacht statt, die Teilnahme ist freiwillig.

    Tamera steht auch für ein Modellprojekt zur Renaturierung und Landschaftsheilung. Große Teile der iberischen Halbinsel sind versteppt. Übermäßige Beweidung durch Huftiere hat den Boden verdichtet. Das Regenwasser kann nicht mehr aufgenommen werden und rauscht ungehindert Richtung Meer. Mutterboden wird dabei mitgerissen, das Gelände erodiert. Die Korkeichen in Portugal erkranken, da Profitgier zu schonungslosen Ernteverfahren zwingt, die Bäume werden schwach und sterben ab. Ausländische Investoren nutzen die frei werdenden Flächen für die Aufforstung mit schnell wachsenden Eukalyptushainen. Diese liefern kurzfristig Zellulose für die Papierindustrie – mit langfristig verheerenden ökologischen Auswirkungen auf das Land. Solche und andere zerstörerischen Projekte werden nicht selten durch EU-Fördergelder subventioniert. Umweltexperten schätzen, dass in 10 bis 15 Jahren der größte Teil Spaniens und Portugals sich in eine Wüste verwandelt haben wird und dies, obwohl es (noch) verhältnismäßig viel Niederschlag gibt.

    In Tamera wurden bisher etwa 20.000 Bäume gepflanzt. Gemeinsam mit dem Permakulturspezialisten2 und österreichischen Bergbauern Sepp Holzer wird eine Seenlandschaft aufgebaut, an deren Ufern Nahrungsmittelbiotope, so genannte essbare Landschaften, Waldgärten und Feuchtbiotope entstehen. Das Leben in Tamera kehrt zurück, Lebensräume werden neu geschaffen für Flussotter, Flusskrebse, Schmetterlinge, eingebrachte Fische und natürlich auch für Haus- und Nutztiere wie Katzen, Hunde, Pferde.

    Sonne gibt es in Portugal viel, vor allem im Alentejo. Daher gilt Tamera als Prototyp für energieautarke Siedlungen in besonnten Regionen der Erde. Hinter dem Energieprojekt steht die Technologie des Physikers und Erfinders Jürgen Kleinwächter mit seiner Firma Sunvention. Die Systeme auf Basis von Solarthermie können dezentral und weitgehend unter Verzicht auf die Großindustrie hergestellt und aufgebaut werden. Im Testbetrieb befinden sich folgende solarthermisch arbeitenden Geräte: eine Wasserpumpe, eine Niedertemperatur-Stirlingmaschine3 zur Stromerzeugung, eine Anlage zur Herstellung von Bauelementen aus Sand sowie eine kombinierte Gewächshausanlage für Wärmeregulierung und verstärktes Pflanzenwachstum durch gesteigerte Photosynthese. Ein Scheffler-Spiegel zur Erwärmung von Öl liefert einen weiteren Prototyp für solare Nutzung, in diesem Fall zum Kochen und Erhitzen von Wasser, auch zur Nachtzeit, wenn die Sonne nicht scheint.

    Tameras Projekte sind zu innovativ, sie passen in keines der gängigen EU-Förderraster

    Auch das Thema Architektur spielt in Tamera eine wichtige Rolle. Auf dem Areal verteilt finden sich verschiedenartige Gebäude. Tameras Aula beispielsweise, wurde als Versammlungshalle für 300 Menschen in Holzständerbauweise mit Strohballen, Lehm und einem Gründach konstruiert. Sie gilt als größter Strohballen-Lehm-Bau der iberischen Halbinsel. Professor Gernot Minke mit seinem Kasseler Planungsbüro für ökologisches Bauen und der Leichtdachkonstrukteur Martin Pietsch konnten in Tamera bereits mehrere Experimentalbauten verwirklichen. Das Material sollte wenig kosten und möglichst aus der direkten Umgebung stammen. Weiterentwickelt werden auch die Wasser sparenden Komposttoiletten. Der entstehende Kompost kann zur Düngung verwendet werden – allerdings aus hygienischen Gründen nicht auf Nutzflächen.

    Das Linsensystem des Gewächshauses (Foto: Leila Dregger)

    Der Grund und Boden von Tamera ist in einer GmbH zwei Eigentümern zugeschrieben. Darüber hinaus ist das Friedensdorf in Gesellschaften bürgerlichen Rechts, Stiftungen und Vereinen organisiert. Dies ermöglicht die betriebswirtschaftliche Strukturierung der einzelnen Projekte. Viele der dort dauerhaft lebenden Bewohner bringen Ersparnisse ein oder haben zeitweise Jobs in Portugal, Deutschland oder anderswo, über die sie sich finanzieren. Einige leben von ererbtem Vermögen und bringen ihr Fachwissen und ihre Arbeitskraft ein. Was zählt, ist das Miteinander und Füreinander und weniger das Äußere. Zunehmend wichtig wird die langfristige Finanzierung der anstehenden Großprojekte, u. a. die landschaftliche Umgestaltung für weitere Seen und angrenzende Anbauflächen. EU-Gelder hierfür zu gewinnen, gestaltet sich äußerst schwierig. Die Projekte sind zu innovativ, sie passen in keines der gängigen Förderraster.

    Zum Teil erfolgt die Finanzierung bislang über Spenden, künftig sollten verstärkt Rückflüsse aus eigenen Leistungen dazukommen, so Rainer Ehrenpreis, Physiker, Mitbegründer und Finanzverantwortlicher von Tamera. Sogar eine eigene Regionalwährung wird diskutiert – benannt nach dem nahe gelegenen Fluss „Mira“. Im Austausch mit umliegenden Bauern, die ihre Produkte im EU-Binnenmarkt nicht mehr verkaufen dürfen, weil sie den strengen EU-Normen widersprechen, könnte über die neue Währung ein regionaler Wirtschaftsraum geschaffen werden (vgl. auch zeitgeist-Ausgabe 1-2007 zum Thema Komplementärwährungen).

    Dass die Handlungskompetenz für ein friedliches Zusammenleben nicht in Tamera verbleibt, ist Ziel einer von Sabine Lichtenfels und Benjamin von Mendelssohn initiierten politischen Netzwerkarbeit namens GRACE (engl.: Anmut, Gnade), zu der beispielsweise auch die alljährlichen Pilgerschaften zum Global Grace Day am 9. November gehören. Die Belastungsprobe der Friedensarbeit findet in Krisengebieten statt. Dazu Lichtenfels: „GRACE folgt der Erkenntnis, dass wir im Äußeren nur soviel Frieden erzeugen können, wie wir im Inneren verwirklicht haben. GRACE erinnert daran, dass die Heilung unseres Planeten nur gelingen kann, wenn es menschheitlich gelingt, uns mit den wahren Grundlagen des Lebens und der Liebe, des Vertrauens und der Wahrheit wieder zu verbinden.“

    Ich bin mir sicher, dass die Investition in Heilungsbiotope eine langfristig bessere Geldanlage wäre, als in jene, in "Let's Make Money" gefilmten Apartment-Geisterstädte und ungenutzten Golfplätze an der, mit zweifelhaftem Erfolg, zubetonierten Küste Spaniens.

    Gesellschaften, in denen Gefühle unterdrückt werden müssen, brauchen ein Arsenal an Suchtmitteln, damit die dem täglichen Verteilungskampf ausgesetzten Menschen funktionieren können. Eine globale Heilung würde diese Symptome vermutlich auflösen und substanziell zu einer lebenswerten Zukunft beitragen.

     

    ANMERKUNGEN:

    1. Tamera ist ein Fantasiename, welcher Mitbegründerin Sabine Lichtenfels während einer Meditation vor dem inneren Auge erschienen war. Im Nachhinein fand sie heraus, dass Tamera in einer alten Sprache „Am Urquell“ heißt. Und das Erste, was sie vom Gelände gezeigt bekam, war kurioserweise eine Quelle.
    2. Permakultur: ökologische Denk- und Anbauweise, die in den 1970er-Jahren in Australien entwickelt wurde (Perma = Dauer). Es geht im Kern darum, anstelle einzelner Feldfrüchte ganze Biotope zu kultivieren, die sich immer wieder von selbst erneuern, wie es uns z. B. der Wald in der Natur vormacht. Gleichzeitig ist Permakultur ein Oberbegriff für die Entwicklung und Anwendung ethischer Leitsätze und Prinzipien zur Planung, Gestaltung und Erhaltung nachhaltiger Lebensräume.
    3. Stirlingmotor: Wärmekraftmaschine, die als „Allesfresser“ mit jeglicher Wärmequelle oder Treibstoff betrieben werden kann. Sie wandelt Wärmeenergie in mechanische Energie um. Der 1816 vom schottischen Geistlichen Robert Stirling erfundene Motor erlebt als zweitälteste Wärmekraftmaschine nach der Dampfmaschine seit Mitte der 1970er Jahre eine Renaissance. Die in Tamera stehende Anlage kann relativ geringe Temperaturunterschiede in Strom verwandeln.

    LITERATUR:

    LINKS:



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