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  • Eigene Wünsche, Ideen und Projekte verwirklichen – aber wie?

    Von JÜRGEN HÄGER

    Die berufliche Zukunft aktiv zu gestalten und dabei aus den eigenen Quellen zu schöpfen – nicht nur als Selbständiger, sondern auch als Arbeitnehmer –, wird vielleicht die zentrale Herausforderung der Arbeitswelt von morgen sein. Wie man sich am besten schon heute darauf vorbereitet, erläutert der Berliner Coach in diesem Beitrag.

    „Niemals wird dir ein Wunsch gegeben, ohne dass dir auch die Kraft verliehen wurde, ihn zu verwirklichen.“Dieser schöne Satz stammt aus dem Buch „Illusionen“ von Richard Bach. Für sich genommen erzeugt er sofort eine positive Grundstimmung und macht Mut. Der nachfolgende Satz desselben Textabschnitts relativiert ihn dann jedoch etwas: „Kann allerdings sein, dass du dich dafür ernsthaft anstrengen musst.“

    Zu wissen, dass die Kraft bereits da ist, ist durchaus beruhigend, denn sie wird ja gebraucht. Manche Dinge wollen „gestemmt“, „hochgezogen“, „vorangetrieben“ oder „bewältigt“ werden. Nur, die häufigste Frage, die in diesem Zusammenhang immer wieder gestellt wird, lautet: „Aber wie?“ „Wie mache ich das?“ „Wie gelingt das, was ich vorhabe?“ „Wie setze ich es praktisch um?“

    Unsere tiefsten Wünsche und Sehnsüchte rekrutieren sich aus unseren innersten Ressourcen, Anlagen und Fähigkeiten. Sie verwirklichen zu wollen, ist ein natürlicher Impuls. Sie verwirklichen zu können, ist eine individuelle Aufgabe und Herausforderung. Diese konkret anzugehen ist mit „ernsthaft anstrengen“ gemeint. Im beruflichen Kontext heißt das: ausprobieren, überlegen, entscheiden, riskieren, verantworten, analysieren, korrigieren, weiterentwickeln usw. – was auch immer meine Idee, mein Wunsch, mein Vorhaben ist. Und letztendlich heißt es, mir selbst, meinen Impulsen, meiner Intuition, meinem Leben zu vertrauen.

    Jeder von uns trägt universelle, einzigartige und vor allem ausreichende Ressourcen in sich

    Jeder von uns trägt universelle, einzigartige und vor allem ausreichende Ressourcen in sich – zusätzliche Kenntnisse und Qualifikationen können erworben werden. Sich dieses Potenzials vollständig bewusst zu sein, es aktivieren und effektiv anwenden zu können, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, seine Wünsche und Ideen zu verwirklichen. Praktisches Know-how, Geduld, Ausdauer und manchmal eine Portion Glück kommen hinzu.

    Die Frage „Wie gestalte ich meine berufliche Zukunft?“ wird dabei mehr und mehr zur täglichen Herausforderung. Nicht nur das Klima befindet sich im Wandel, auch der Berufs- und Arbeitsmarkt erlebt unruhige Zeiten. Diese „Turbulenzen“ entstehen durch die unmittelbaren Auswirkungen von Globalisierung, Technisierung, Komsumorientierung und ausgefeilten Geschäftsstrategien – im Positiven wie im Negativen. Sie erzeugen eigene Gesetzmäßigkeiten, die häufig die (Negativ-)Schlagzeilen der Medien bestimmen. Irritation, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit rufen auf einmal Werte- und Sinnfragen auf den Plan. Die Themen des Alltags werden durch multimediale Omnipräsenz nach Quoten und Verkaufszahlen geprägt und gesteuert. Wirtschaft und Politik spielen mit uns „Katz und Maus“ oder „Hau den Lukas“, bis es donnert und kracht. Die Szenerie dieses Theaters ist überwältigend. Wie soll man bei diesem Wetter bloß seinen Acker bestellen?

    Die Zukunftsforscherin Imke Keicher formuliert es in ihrem Buch „Sie bewegt sich doch! Neue Chancen und Spielregeln für die Arbeitswelt von morgen“ so: „In Zukunft werden uns hochkomplexe Strukturen auf einem weltweiten Arbeitsmarkt mit einem hohen Veränderungstempo und immer wieder neuen Unsicherheiten konfrontieren.“ Weiter heißt es:„Patentrezepte gibt es für die Arbeit der Zukunft nicht mehr. Stattdessen ist jeder Einzelne gefragt, herauszufinden, was er kann, was er will – und wie er dies mit einem sich permanent wandelnden Umfeld in Einklang bringen will.“

    Wenn das stimmt – und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch – ist jeder Einzelne von uns aufgefordert, sich klar und deutlich zu positionieren, seine persönlichen Werte und Grenzen aufzuzeigen, integer und authentisch zu agieren. Auf dem Arbeitsmarkt könnte das heißen, sich mit einem persönlichkeitsnahen, aussagefähigen Profil aktiv und eigenständig zu bewegen und zu präsentieren – als eine Art „Unternehmer der eigenen Arbeitskraft“. Unabhängig davon, ob ich eine Anstellung suche, mich selbstständig mache oder in einem Projekt meinen Platz finde: Sich selbstbewusst und potent (hier: in Kenntnis seines Potenzials) zu zeigen, öffentlich zu sein – gesehen und wahrgenommen zu werden, zu agieren und zu reagieren, seinen Arbeitsplatz aktiv (mit-)gestalten –, all das ist „sich ernsthaft anstrengen“. Eine Selbstverständlichkeit dahingehend entwickelt sich bereits heute auf diversen Social-Networking-Plattformen, man denke z. B. an XING.com. Auf MySpace.com wiederum „erproben“ viele Jugendliche (die künftigen Arbeitnehmer!) ihre „Selbstdarstellung“, wenngleich noch eher ziellos, aus Spaß am Exponieren und weil es andere eben auch tun.

    Imke Keicher zeigt eine interessante und spannende Entwicklung auf. Ihren Erkenntnissen zufolge wird die zukünftige Arbeitswelt von „Kreativarbeitern“ bestimmt, die in der Lage sind, auf die sich ständig verändernden Anforderungen zeitnah zu reagieren und ihre Erkenntnisse in das jeweils vorliegende Arbeitssystem einzufügen. Uniquability, Kreativität und Empathie sind demnach als zukünftige Schlüsselkompetenzen gefragt. Mit „Uniquability“ ist dabei nicht nur das Vorhandensein der Einzigartigkeit jedes Menschen gemeint, sondern auch die Fähigkeit (Ability), diese bewusst, verantwortungsvoll, eigenständig und praktisch anzuwenden – und sie im besten Fall seinem sozialen Arbeits-/Lebensnetzwerk als konstruktiven und gewünschten Beitrag zuzuführen. Das setzt Selbstkenntnis und eigenverantwortliches Entscheiden und Handeln voraus – mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.

    Uniquability, Kreativität und Empathie sind als zukünftige Schlüsselkompetenzen gefragt

    Die Zeiten, von „Ausbildung, Weiterbildung, Karriere, Rente“ als kalkulierte, vertikale, hierarchisch angelegte Erfolgslinie – gar in einem einzelnen Unternehmen – sind definitiv vorbei. Horizontale, kreisförmige Bewegungen sind angesagt, das Aufnehmen von Schwingungen und Stimmungen und das sofortige Antizipieren, Weiterleiten und Umsetzen in das unmittelbare Lebens- und Arbeitsumfeld. Sich auf einer Ebene miteinander kommunizierend und – den Wellenbewegungen entsprechend – tanzend zu bewegen ist die Strategie der Zukunft. Ein überwiegend weibliches Prinzip. Das hört sich für einige interessierte Sucher und Pioniere doch gar nicht so schlecht an, oder?

    Die Zeichen stehen auf Veränderung. Warum sich also nicht gleich für das einsetzen, was uns am meisten Sinn und Freude verspricht? Warum nicht die eigenen Wünsche, Ideen und Projekte verwirklichen? Die Ressourcen sind da, die Kraft ist da und wenn wir uns „ernsthaft anstrengen“, wird es auch gelingen. Neue Strukturen, Innovationen, erneuerbare Energien, Bio, Wellness, alternative Heilmethoden, spirituelles Unternehmertum, Gemeinschaftssinn – all das ist im Kommen, und die Welt kann es wirklich gebrauchen. Warum nicht neue Branchen resp. Berufe entstehen lassen und den eigenen Arbeitsplatz selbst kreieren? Vieles ist möglich – für jeden von uns.

     

    LITERATUR: