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  • Wirtschafts- und Wissenschaftsethik im Zerfall – wohin, Mensch?

    Von Univ.-Lektor Prof. Prof. Mag. Dr. WALTER WEISS

    Was der Mensch ist, das ist er durch die Sache, die er zur seinen macht, schrieb einmal der Philosoph Karl Jaspers. Doch was ist es, das wir uns zur Sache gemacht haben? Mit einem Rundumblick auf das herrschende Weltgeschehen fragt sich der Autor, zeitgeist-Lesern bestens bekannt durch seine brillante Analyse der Finanzkrise in Crash as crash can, was unser Menschsein heute ausmacht. Verfolgen wir überhaupt noch unsere Mission, diejenige nämlich, die unsere ureigene Ethik uns aufgibt? Sein Resüme: Wir haben uns längst – frei nach Theodor Faulhaber – von der wahren Welt zur Warenwelt entfremdet. Offen bleibt: Wird uns eine Abkehr gelingen, werden wir zurückfinden zu uns selbst?

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    Die Wissenschaft und
    ihre Lehre ist frei.“

    Österreichischer
    Gesetzestext

    ***

    „Es ist letztlich das Bewußtsein
    des Menschen,
    das ihr Sein bestimmt.“

    Theodor Faulhaber

    Der österreichische Neurologe Viktor E. Frankl (1905–1997) hat es wunderbar ausgedrückt: „Je mehr er (der Mensch) sich selbst vergißt, in der Hingabe an eine Aufgabe oder an einen anderen Menschen, desto mehr wird er seinem eigenen Menschsein gerecht.“ Und Frankl fährt fort: „Menschsein ist nicht zuständlich, sondern gegenständlich orientiert; es ist nicht an den inneren Zuständen interessiert, sondern an Gegenständen draußen in der Welt.“ Das hat auch der Philosoph Martin Heidegger (1889–1976) schon gewusst, als er vom „in der Welt Sein“ des Menschen sprach, und das hatte auch der Soziologe Max Scheler (1874–1928) einbekannt, als er den Menschen als „weltoffen“ bezeichnet hat.

    Damit ist die Aufgabe des Menschen gut umrissen: Er hat weltoffen zu sein und sich mit den Gegenständen der Welt zu befassen. Auch die Bibel sieht das ähnlich: „Macht euch die Erde untertan“, befahl Gott den Menschen. (Gen 1,28) Und weiter: „Seht, ich übergebe euch alle samentragenden Pflanzen auf der ganzen Erde und alle Bäume mit samenhaltenden Früchten; sie sollen euch zur Nahrung dienen! Allem Wild des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf dem Boden kriecht und Lebensodem in sich hat, weise ich alle grünen Kräuter zur Nahrung an.“ (Gen 1,29–30)

    Das ist ein enormer Auftrag – und eine ungeheure Verantwortung: sich die Erde untertan zu machen nämlich. Was bedeutet das überhaupt? Doch wohl die Rechtfertigung, sich technisch betätigen zu sollen – oder zu müssen, denn ohne Hilfsmittel (= Technik) kommt „Der nackte Affe“ – so der Titel des Bestsellers des britischen Zoologen und Verhaltensforschers Desmond Morris (geb. 1928) – wohl nicht sehr weit. Und: Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften sollen im Dienste der Naturbeherrschung stehen.

    Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften sollen im Dienste der Naturbeherrschung stehen

    Martin Heidegger sieht die Technik als „Mittel zum Zweck“ – und bestimmt sie damit instrumental. Aber er sieht in der Technik auch das „Tun des Menschen“ – also seine anthropologische Bestimmung schlechthin und ist damit mit Frankl, Scheler und der Genesis ähnlicher Meinung. In dem ihm typischen Sprachduktus bezeichnet er die Technik später als Ge-stell: „Ge-stell heißt das Versammelnde jenes Stellens, das den Menschen stellt, d. h. herausfordert, das Wirkliche in der Weise des Bestellens als Bestand zu entbergen.“ Die Technik wird von Heidegger als eine „Weise des Entbergens“ bestimmt. Das Charakteristische dieses Entbergens besteht nach ihm im „Herausfordern und Stellen“. Im Wesen der Technik als Ge-stell liege auch Gefahr. Das Ge-stell mache alles, auch den Menschen, zum Bestand, also zu einem bloß Gegebenen.

    Ist Technik – und damit auch das Beherrschen der Natur – nach der oberen Bibelstelle (Gen 1,28) also „gottgewollt“? Oder ist das nur die eine Sicht des biblischen Auftrags? Haben wir etwa gar mehr „aufgetragen“ bekommen? Haben wir „Gottes“ Auftrag befolgt? Oder haben wir diesen Auftrag missbraucht? Steht in dieser Bibelstelle nicht auch etwas von Verantwortung und Ethos? Haben wir etwas missverstanden? Was bedeutet es denn, wenn „Gott“ uns etwas „übergibt“? Bedeutet „übergeben“ nicht immer auch „behüten“, auf es achten und aufpassen, es bewahren und hegen und pflegen? Heißt es in Gottes nächstem Entscheid denn nicht: „... sie sollen euch zur Nahrung dienen?“ Was doch auch bedeutet, mit dieser Nahrung pfleglich umzugehen. Trägt die Bibel mit diesen Sätzen dem Menschen nicht sogar eine ethische Verpflichtung auf? Was heißt denn Ethos überhaupt?

    Unter Ethos (griech. „Sitte“, „Charakter“, „Gewohnheit“) versteht man die Gesamtheit sittlich-moralischer Normen, Ziele und Werte, soweit sie dem menschlichen Handeln und Wollen als Basis dienen können; auch die sittlichen Grundsätze der Menschheit, ihre moralische Gesamthaltung. Ethos meint die Einstellung eines Menschen zu seinen Mitmenschen. Und was bedeutet Ethik? Die Grunddisziplin der praktischen Philosophie; sie wird auch als Moralphilosophie bezeichnet.

    Mehrdimensionale Mitwelt und Fiktionen

    Wir sollen, ja wir müssen also umgehen mit der Welt, soweit sie die unsere ist. Aber wie?

    „Unsere Welt“ ist ja nicht bloß Um-Welt, sondern weit mehr, nämlich auch Mit-Welt. Der Gott der Bibel hat das in Gen 1,29–30 akkurat ausgesprochen. Wirtschaftstreibende und Wissenschafter haben daher die ethische Verpflichtung, eine Welt, die mit uns ist, zu erhalten und pfleglich zu behandeln: nicht nur für uns, sondern auch für die Welt, die ja – laut biblischem Auftrag – die unsere ist bzw. uns übergeben worden ist.

    Viktor Frankl beklagt in diesem Zusammenhang, wie wir mit unserer Welt umgehen – und er hat fürs erste dabei die Wissenschaft im Visier. Nach Frankl muss nämlich der Wissenschafter die Multidimensionalität der Welt, also ihre Vielschichtigkeit und Vernetztheit, ausklammern, um zielgerichtet Wissenschaft betreiben zu können. Da jede Wissenschaft analytisch, zerlegend, kausal und daher auf ein Ziel hin gerichtet ist, darf dieses Ziel der Wissenschafter nicht aus den Augen verlieren und muss – um erfolgreich zu sein – eindimensional forschen und die Mehrdimensionalität der Realität vernachlässigen.

    Der Wissenschafter errichtet also eine Fiktion – ganz im Sinne Hans Vaihingers (1852–1933), der als Begründer des Fiktionalismus1 in seiner „Philosophie des Als-ob“ forderte, dass der Forscher bewusst eine falsche, aber zweckmäßige Annahme machen müsse, um sein Ziel verfolgen und erreichen zu können. Vaihinger nach sind demnach alle unsere Erkenntnisse von Fiktionen durchsetzt: Das menschliche Vorstellungsgebilde der Welt sei „ein ungeheures Gewebe von Fiktionen voll logischer Widersprüche“.

    Nun, das wäre ja noch hinnehmbar – wenn es zum Ziel führt? Abstraktionen, oft willkürliche Zusammensetzungen, Vereinfachungen, Typisierungen, Schematisierungen usw. sind das Rüstzeug, mit dem der Wissenschafter an seine Mitwelt herangeht und hofft, richtige Denkresultate und Erkenntnisse daraus zu ziehen. Nach Frankl ist ein solches Vorgehen daher nicht nur legitim, sondern sogar obligat. Aber, sagt Frankl: „Der Wissenschafter selbst sollte auch wissen, was er tut; er sollte sich dessen bewußt sein, daß er es mit je ein-dimensionalen Projektionen zu tun hat, daß er also ver-einfacht.“

    Wissenschaft ist immer Vereinfachung. Die Wissenschafter bilden mit ihren Theorien nie die Natur ab, wie sie ist, sondern wie sie diese sehen

    Eindimensionalität als Modell

    Wissenschaft ist immer Vereinfachung. Die Wissenschafter bilden mit ihren Theorien nie die Natur ab, wie sie ist, sondern wie sie diese sehen, bzw. wie sich die Natur nach der Sicht (= Theorie) des Forschers verhalten soll. Man nennt ein solches Herangehen an die Natur auch modellhaft. Wir haben stets nur Modelle von der Natur vor Augen und im Kopf  – und die halten wir aber gerne und leider für der Wirklichkeit entsprechend, ja schlimmer noch: Wir halten sie für die Wahrheit.

    Frankl beklagt daher: „Wenn er (der Wissenschafter) schon alles vereinfacht, vereinfachen muß –, dann wäre es zu wünschen, daß er wenigstens nicht auch noch alles ver-all-gemeinert.“

    Mit anderen Worten: Frankl meint, daß Wissenschafter dazu neigen, ihre Theorien (also ihre Bilder bzw. Modelle) zu verallgemeinern und „aus partikulären Befunden generelle Schlüsse ziehen“.

    Gleichmachen und Verallgemeinern werden der Individualität des Menschen, ja der der ganzen Natur nicht gerecht: Ein gutes Beispiel ist die Festsetzung von und Orientierung an Grenzwerten (Im Bild: Kontrolle von Trinkwasser, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R1215-0377)
     

    Eine solche Generalisierung ist nach Frankl insofern gefährlich – und für die Mitwelt mitunter schädlich – wenn eine Sicht zuerst simplifiziert und dann also solche wieder verallgemeinert wird. Ein Beispiel wären die rigorosen Wildbachverbauungen und Regulierungen der letzten beiden Jahrhunderte. Mit der ersten Donauregulierung (1869–1875) unter Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) wurden zwar die Überschwemmungen im Raume Wien und donauabwärts relativ eingedämmt – aber es wurde auch der Grundwasserspiegel des gesamten Marchfeldes mit der Zeit sosehr abgesenkt (zuletzt 50 cm pro Jahr), dass zwischen 1983 und 1992 der Marchfeld-Kanal gebaut werden musste, um wieder ausreichend Wasser auf die mittlerweile versteppten Felder zu bringen …

    Reduktionismus

    Aber nicht nur das bedenkenlose Simplifizieren ist gefährlich – und unverantwortlich. Auch sein Gegenteil, das sorglose Generalisieren kann zu unerwünschten Ergebnissen führen – und unermesslichen Schaden an Mensch und Natur anrichten. Wenn wir – im Computerzeitalter – versucht sind, das menschliche Gehirn mit einem Computer zu vergleichen, so mag das legitim sein und zum Verständnis der Funktion unseres Gehirnes beitragen. Wenn wir aber das Gehirn auf die Funktion eines Computers reduzieren (!), so bedeutet das einen Verzicht auf eine ganze Menge anderer menschlicher Dimensionen.

    Obwohl viele Computerexperten fieberhaft nach Künstlicher Intelligenz (KI) forschen, und der weltbekannte Regisseur Stanley Kubrick (1928–1999) in seinem Epos „2001 – Odyssee im Weltraum“ die KI schon für das Jahr 2001 (sic!) prognostiziert hatte: Es gibt noch keinen einzigen intelligenten Computer! Und schon gar keinen mit Angst und Mordlust wie HAL, den Bordcomputer des gegenständlichen Raumschiffes in Kubricks Film. (HAL ist übrigens ein „versteckter“ Hinweis auf das Akronym2 IBM – jeweils minus eines Buchstaben.)

    Der Mensch wird bei generalisierender Anwendung eindimensionaler Theorien simpel entmenscht

    Von den menschlichen Dimensionen der Kunst, des religiösen Bedürfnisses (wenn jemand dieses hat; nach einer universitären Untersuchung zum Jahreswechsel 2005/2006 beten nur mehr rund 15 % der Österreicher!), des ethischen Sollensanspruchs, der Liebe, Hoffnung, des Glaubens usw. wird bei einem solchen reduktionistischen Modell von vornherein abgesehen.

    Der Mensch wird bei generalisierender Anwendung eindimensionaler Theorien simpel entmenscht.

    Diktaturen – vor allem faschistische – gehen da ganz rigoros und von jeglichem Ethos unbeeinflusst vor: Nur das eigene Volk zählt und hat Wert – alle anderen Menschen sind minder, Feinde, ja oft nicht einmal menschlich.

    Schon die alten Griechen hingen diesem reduktionistischen Denken an: Sie nannten alle, die nicht griechisch sprachen, „die Stammelnden“: barbari. Unser Vorname Barbara kommt davon. Auch die Eskimos nannten sich „Menschen“ – in ihrer Sprache Inuit. Für die Algonkin-Indianer waren es bloß „Eskimos“ – die Rohfleischesser, eine Abwertung und -würdigung. Der „politisch Korrekte“ spricht daher heute nicht mehr von „Eskimos“, sondern von „Inuit“ ... siehe auch „Zigeuner“ und „Roma und Sinti“ bzw. „Neger“ und ... tja, sogar „Schwarze“ gilt heute schon als inkorrekt. „Afrikaner“ wäre jedenfalls falsch und eine unzulässige Reduktion, weil in Nordafrika Araber, Berber und Tuareg die Mehrheit bilden und in Südafrika auch Weiße, Xosa („Buschmänner“ – oder „-leute“? Denken Sie an die politisch korrekte Geschlechtsneutralität!) und „Coloureds“ leben ... Im Polizeijargon spricht man daher ironisch und um sich keine Beschwerde einzuhandeln von „Südschweden“ ...

    Jeder Folterer entmenscht sein Opfer. Jeder Killersoldat (z. B. die Marines, die Eliteeinheit der US-Armee) darf in seinem Gegner gar keinen Menschen mehr sehen: Sonst hätte er eventuell Hemmungen, das zu tun, was er tun – muss: Weil es ihm anbefohlen ist.

    Reduktionismen sind immer gefährlich – und unethisch! Dennoch reduziert (!) jede Hierarchie ihre Basis zu bloßen Befehlsempfängern und Vollstreckern bzw. Ausübenden der Zentralidee – und vor allem der Ziele! – der Hierarchiespitze.

    Reduktionismus reduziert das untersuchte Objekt auf ein „Nichts-als“. Der Mensch ist nichts als ein biochemischer Mechanismus; der Soldat ist nichts als eine Tötungsmaschine; der Beamte ist nichts als ein Befehlsempfänger; die Rohstoffe sind nichts als Ressourcen, deren wir uns bedienen; der Staatsbürger ist nichts als ein Steuerzahler (Wähler, Werbeziel, Medienkonsument, Pensionseinzahler, Verkehrsteilnehmer etc).

    Das schlechte Gewissen

    Der österreichische Physiker und Schöpfer der Wellenmechanik, Erwin Schrödinger (1887–1961), beklagte: „Am schmerzlichsten ist das völlige Schweigen unseres naturwissenschaftlichen Forschens auf unsere Fragen nach dem Sinn und Zweck des ganzen Geschehens.“ Und Albert Einstein (1879–1955) monierte: „Das bloße Denken kann uns nichts mitteilen über die letzten und fundamentalen Ziele (...) Hier stehen wir einfach den Grenzen der rationalen Erfassung unseres Daseins gegenüber.“

    Ist Ethos also rational nicht erfassbar? Überschreitet ethisches Verhalten in der Wissenschaft die „bloße“ Vernunft? Alfred Nobel (1833–1896), der Erfinder des Dynamits, hatte 1895 aus lauter Gewissensbissen, der Welt eine solche Waffe hinterlassen zu haben, den Nobelpreis3 gestiftet. Dieser wurde 1901 das erste Mal vergeben – 1905 erhielt Bertha von Suttner (1843–1914), zu Lebzeiten Alfred Nobels Privatsekretärin, für ihren Einsatz für den Frieden den Friedensnobelpreis.

    Kann wissenschaftliche (Forschungs-)Tätigkeit überhaupt wertfrei sein?

    Manche seiner (Friedens- und Literatur-) Preisträger waren und sind umstritten (unter den Friedensnobelpreisträgern der vergangenen 20 Jahre finden sich veritable Kriegsherren!) ... Es gibt daher seit 1980 auch den von Jakob von Uexküll (geb. 1944) gegründeten alternativen Nobelpreis, der sich noch mehr dem ethischen Anliegen Alfred Nobels verpflichtet fühlt, nachdem der offizielle Nobelpreis – zumindest in der Sicht der „Alternativen“ – sich von der Ursprungsidee seines Gründern eher entfernt zu haben scheint.

    Wie selbstlos erfolgte in den USA (und auch in Russland) die Aufnahme jener – meist jüdischen – Wissenschafter, die vor bzw. im Zuge der Machtübernahme Hitlers 1938 Deutschland und Österreich verlassen mussten? Ist ein Zufall, dass die USA als erste die Atombombe entwickelt hatten? (Im Bild: Atombombe "Little Boy", die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, Foto: Wikimedia Commons)
     

    Albert Einstein war zwar nicht der „Vater der Atombombe“ – als dieser gilt Julius Robert Oppenheimer (1904–1967) und als „Vater der Wasserstoffbombe“ Edward Teller (1908–2003) –, an ihrer Entwicklung aber maßgeblich beteiligt: Einstein zählt dafür als „Vater der Atomenergie“ und hat sich (wohl unter dem Eindruck der beiden Atombombenabwürfe von 1945 über Hiroshima und Nagasaki) noch knapp vor seinem Tod gemeinsam mit Bertrand Russell (1872–1970) zu einem Aufruf zum Frieden entschieden: das „Einstein-Russell-Manifest“ gegen einen (drohenden) Atomkrieg als Folge des „Kalten Krieges“. Unterschrieben hat es Einstein noch zwei Tage vor seinem Tod.

    Das solchermaßen vermutbare schlechte Gewissen vieler Forscher lässt natürlich die Frage entstehen, wieweit wissenschaftliche (Forschungs-)Tätigkeit wertfrei ist – und ob sie das überhaupt sein kann.

    Die Finanziers

    Wenn man ins Kalkül zieht, dass moderne Forschung immenses Geld kostet, und es vornehmlich die Industrie ist, die hier als Finanzier infrage kommt, ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass den Geldgebern die Ziele des hochdotierten Forschens nicht ganz egal sein können ... Wenn man weiter bedenkt, dass vorzugsweise die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung (hier vor allem die Elementarteilchenphysik) gigantische Experimentieranlagen (z. B. Synchrotrone4) benötigt, die nicht einmal mehr ein Staat alleine finanzieren könnte (oder will), kann man sich vorstellen, dass Ergebnisse nicht mehr dem Zufall überlassen bleiben können, sondern sich „Erfolg“ einstellen muss.

    Auch die Politiker, die hier teilweise mit Steuergeldern die Forschung voranzutreiben versuchen, erwarten sich Ergebnisse. Diese müssen zwar nicht immer nur für das Militär direkt oder indirekt anwendbar sein (z. B. das Global Positioning System, kurz GPS), aber sie müssen auf alle Fälle kommunizierbar und somit verstehbar oder zumindest in ihren Aussagen und Anwendungen nachvollziehbar sein. Daher wird vordringlich diejenige Forschung gefördert, die „handfeste“ und umsetzbare Ergebnisse zeitigt und in der Praxis (= industriell) verwertbar ist.

    Da aber auch die einschlägigen Magazine und Fachmedien ohne Subventionen nicht gut auskommen, müssen auch sie bevorzugt über solche Forschungsergebnisse berichten. So ist die besorgte Frage sicherlich nicht unangebracht, ob damit nicht auch der Trend des Forschens direkt oder indirekt seine (kommerzielle) Richtung erhält.

    Die mit Vehemenz kolportierte Urknalltheorie der Kosmologen ist da sicherlich ein gutes Beispiel – noch dazu, weil sie dem biblischen Schöpfungsmythos nicht widerspricht und „Gott“ sozusagen naturwissenschaftlich zu „bestätigen“ scheint. All die Ungereimtheiten in dieser Theorie werden vom „Mainstream“ der Forschung u. a. auch aus diesen Gründen nicht ernstgenommen und von den von ihnen teilweise abhängigen Medien erst gar nicht publiziert.

    Kybernetik, Informatik, Kommunikationswissenschaften und die Nanotechnologie5 sind Forschungsgebiete, an denen die Militärs brennendst interessiert sind. Sie gelten daher heute auch heute als die Zukunftswissenschaften – und sind hochdotiert.

    Auch für die Quantenteleportationsexperimente6 des Wiener Physikers Anton Zeilinger (geb. 1945) herrscht international reges Interesse – vor allem von Seiten der Kryptologie, der Verschlüsselungswissenschaft, da mit Hilfe der von Zeilinger technisch angewandten Quantenverschränkung7 eine Codierung erstellt werden kann, die nicht mehr entschlüsselbar ist.

    Es wird fast vordringlich diejenige Forschung gefördert, die „handfeste“ und umsetzbare Ergebnisse zeitigt und in der Praxis (= industriell) verwertbar ist

    Dazu muss angemerkt werden, dass der einzelne Forscher bzw. sein Team (heute gibt es keine Einzelforscher mehr, sondern nur mehr Teams; einer allein könnte – zumindest auf dem Gebiete der Experimentalphysik – nichts mehr erforschen!) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Sache wegen die Forschungen betreibt: und dies primär aus wissenschaftlichem Interesse. Für den späteren technischen oder politischen Einsatz der erfolgten Entdeckungen oder Erfindungen, aber auch „bloßer“ Formeln und Theorien (siehe Einsteins Äquivalenzformel E = mc2 als Voraussetzung für den Bau von Atombomben bzw. seine beiden Relativitätstheorien) in der Praxis ist er letztendlich nicht verantwortlich.

    Oder doch? Wie war das mit Oppenheimer, Teller und (auch) Einstein? Einstein, in seinen späten Jahren überzeugter Pazifist, entwarf, erfand und konstruierte in seiner Jugend ohne jede Hemmung auch militärisches Gerät – eigentlich kein Wunder, saß er doch im eidgenössischen Patentamt in Bern. So entwarf er Flugzeugtragflächen, verbesserte die Torpedotechnik (!) und entwickelte den Kreiselkompass weiter – alles Erfindungen, die primär die Militärs nutzten. Allerdings darf man nicht vergessen, dass dies alles in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) passierte – und Einstein in seinen frühen Jahren im Patentamt viel mit den Erfindungen anderer zu tun hatte ... 

    Ver-rückte Welt

    Erich Fromm (1900–1980), deutscher – später amerikanischer – Sozialpsychologe humanistisch-ganzheitlichen Denkens, hat in einem seiner Hauptwerke „Haben oder Sein“ auf den wesentlichen Unterschied zwischen den Existenzformen des „schöpferischen Seins“ und des „entfremdenden Habens“ hingewiesen.

    Später meinte Fromm, die Welt sei ver-rückt, der Mensch habe sich von seinem Ursprung entfernt, habe seine Position gegenüber seinem ursprünglichen Herkunft eben ver-rückt. Und seine Weltanschauung sei aufgrund dieser Ver-rückung heute eben verrückt.

    Wenn man die Wirtschaft und ihr Treiben dieser Tage Revue passieren lässt, weiß man, dass Fromm recht hatte. Was heute unter dem Stichwort „Globalisierung“ weltweit passiert, lässt keinen – wirtschaftlichen – Stein mehr auf dem anderen. Über Jahrhunderte, ja gar Jahrtausende eingespielte Wirtschaftsmethoden, angefangen von der Selbstversorger-(Subsistenz-)Wirtschaft bis hin zur ökosozialen Marktwirtschaft des postindustriellen Zeitalters, werden in unserer Zeit der „Global Player“, der „Multis“ und der internationalen Finanztransaktionen (Finanzblasen-Wirtschaft, vgl. auch den Beitrag „Crash as crash can ...“) bedenkenlos über Bord geworfen. Alles ist ver-rückt. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf – nicht nur weltweit, sondern auch innerhalb der (bisher zumindest) wohllebenden Gesellschaften der Industrienationen.

    Was ist passiert?

    Vor allem ist passiert, dass die – vor allem in Europa, und hier insbesondere in den Ländern der (alten) EU-15 – mühsam errungene soziale Marktwirtschaft den Zielen des Neoliberalismus der USA und ihrer letzten Regierungen („Neocons“ – Neukonservative; vor allem G. W. Bush und seine Konsorten wie Dick Cheney et alia) geopfert wurde. Leider hat auch die 2005 erweiterte EU-25 (heute: EU-27) da mitgezogen, nachdem dies lange Zeit die große Streifragen zwischen den politischen Richtungen in Europa war, ob man den USA in ihrer unsozialen Wirtschaftspolitik folgen solle; dass 2005 die damals neue EU-Verfassung von den Franzosen und den Niederländern abgeschmettert worden ist, mag als Indiz dafür gewertet werden, dass ein Großteil der Bürger der Meinung gewesen sein könnte, die Wirtschaftspolitik der EU richte sich nicht mehr nach dem Wohl seiner Bürger, sondern eher nach den Interessen des Finanzkapitals und der USA aus. Die herrschende Finanzkrise, die – vor allem (!) – Europa getroffen hat (sic: Griechenland, aber auch Portugal und Spanien; über Italien wird man sehr bald mehr wissen ...) ist die direkte Folge der Fehlentscheidungen vieler europäischer Regierungen und an vorderster Front des Bankenapparates (sic: Deutsche Bank, aber auch französische Banken, die sich hauptsächlich in Griechenland mit für sie fatalen Folgen eingebracht hatten), die wissentlich von den US-Banken an der Nase herumgeführt wurden und für das heutige finanzielle Desaster der EU sicherlich mitverantwortlich sind ... wobei das Präfix „mit“ bereits sehr breit diskutiert wird ...

     
    Dogmatiker, Fundamentalisten, Fanatiker, Extremisten aller Couleurs, Nationalisten und Chauvinisten: Sie alle unterliegen einem Mittelpunktwahn

    Ist das Sich-die-Erde-untertan-Machen der Bibel also tatsächlich allzu einseitig ausgelegt worden? Wieso z. B. werden den Öl- und Erdgasinteressen der westlichen Ölmultis – und der ihren Zielen folgenden US-Regierung – einerseits und den politischen Interessen Russlands andererseits (z. B. über die verstaatlichte Gasprom8) ganze Länder geopfert? Und 2010 sogar der ganze Golf von Mexiko aufgrund der größten von Menschen jemals angerichteten Umweltkatastrophe aller Zeiten – von Kriegen mal abgesehen (vgl. Saddam Hussein und seine Kriegsverbrechen im Persischen Golf und in Kuwait ... so das Abfackeln ganzer Förderanlagen mit fürchterlichen Folgen für die Umwelt. Man rufe sich die diesbezüglichen Fotos in Erinnerung, die um die ganze Welt gingen.)

    Was hat das alles mit Ethik zu tun?

    Der Mittelpunktwahn

    Primär hält jeder das, was er selbst wahrnimmt, für wahr – und auch gleich für die absolute Wahrheit, mit der alle beglückt werden müssten. Je mehr Möglichkeiten für diese Beglückung zur Verfügung stehen, desto heftiger erfolgt die „Missionierung“ – sei es mit (vorerst) wirtschaftlicher Erpressung (Gas-„Krieg“ Russland – Ukraine) zur politischen Gefügigmachung, sei es mit Waffengewalt wie im ehemaligen Jugoslawien, Afghanistan und im, von der damaligen US-Administration absichtlich herbeigeführten Irak-Krieg. Hoimar von Ditfurth (1921–1989), Wissenschaftspublizist, hat das „Mittelpunktwahn“ genannt.

    Dazu passen gut politische Selbstbezeichnungen wie „Reich der Mitte“, „Grand Nation“, „Gods own Country“,  „auserwähltes Volk“ ... Eine Anmaßung mehr: „Unser uns von Gott persönlich versprochenes Land.“ (Raten Sie mal, welches damit  gemeint sein könnte ...)

    Dogmatiker, Fundamentalisten, Fanatiker, Extremisten aller Couleurs, Nationalisten und Chauvinisten: Sie alle unterliegen diesem Mittelpunktwahn.

    Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) hatte schon vor rund 200 Jahren den philosophischen Grund für solches Verhalten gefunden gehabt: „Der Wahnsinn (!) des Eigendünkels besteht darin, auf die Barrikaden zu gehen, weil man das Bewußtsein der anderen für ein falsches Bewußtsein hält.“

    In der Politik und der Wirtschaft hat dieser „Eigendünkel“ fatale Folgen. Was passiert, wenn ein Manager, ein Arzt, ein Beamter, ein Selbständiger, ein Angestellter oder eben ein Politiker – eine ganze Regierung – so denken?

    Auf welche Regierungen und Politiker könnte dieser Satz Hegels zutreffen?

    Wie weit haben wir uns von „Gottes Auftrag“ schon entfernt? Wie weit sind wir von unserem Ur-Sprung ver-rückt? Kann man das noch als Fort-Schritt bezeichnen, auf den wir so stolz sind – oder ist es nicht eher ein Fort-Sprung? Und zwar im wahren Sinne des Wortes: ein Sprung fort vom ursprünglich Gemeinten?

    Lebt nicht ein jeder Wirtschaftstreibender in der Teil-Welt seines Berufes und seiner Interessen und sieht diese als Mittelpunkt all seines Tuns und Handelns an? Der Rechtsanwalt lebt in der Welt seiner Paragraphen; die psychologischen oder familiären Folgen seiner Beratung und Vertretung sind ihm – meistens jedenfalls – egal. Hauptsache die Honorarnote wird bezahlt. Für den Chirurgen ist sein Patient „der Blasenkrebs von Zimmer 15“ – den Menschen dahinter will er gar nicht sehen; für den Journalisten ist das eine „gute Story“ – ob die Ehe oder das Leben des der Journaille Geopferten draufgeht oder nicht, ist sekundär oder überhaupt ohne Belang.

    Die mit einem Projekt Beschäftigten haben nur ihr Ziel vor Augen – sie gehen darin oftmals sogar bis zur Selbstaufopferung auf. Bei großindustriellen oder politischen Interessen bleiben die Folgen für die Umwelt oder die Wirtschaft – etwa das längst eingetretene Sterben kleiner Lebensmittelhändler – oder die Menschen eines Landes (Arbeitslosigkeit durch Technologietransfer in Billigstlohnländer) oft schlichtweg unberücksichtigt.

    Viele Manager leben schizophren: Sie tun etwas, was sie gar nicht tun wollen – und fallen dabei in eine Sinnlücke

    Haben wir vergessen, dass die Welt, unsere Mitwelt (!), ein unteilbares Ganzes ist? Wer aber fortgeht vom Ganzen, der geht auch vom und von den anderen fort. Theodor Faulhaber (geb. 1949), österreichischer Sozialwissenschafter und Publizist (Trendconsult, Zeitschrift „Conturen“, Autor mehrerer Bücher), hat das folgendermaßen ausgedrückt: „Er (der andere) wurde vom Bruder zuerst zum Konkurrenten, dann zu seinem Gegner, später zum Feind, schließlich zum Todfeind. Wir sind wie die Tropfen des einen einzigen Meeres, die sich vom Meer getrennt haben, als Regentropfen, als Teil eines Baches, eines Sees, eines Flusses, einer Wolke, und wir vergaßen, daß wir Teile eines Ganzen, Tropfen des einen Lebensmeeres sind ...“

    Viele Manager leben schizophren: Sie tun etwas, was sie gar nicht tun wollen – und fallen dabei in eine Sinnlücke. Sie wissen ganz genau, daß vieles von dem, was sie tun, unethisch ist und unermesslichen Schaden anrichtet. Aber die Shareholder9 wollen es – angeblich – so, und ihnen seien die Manager (als CEO oder General Manager oder Aufsichtsratsvorsitzender etc.) alleine (?) verpflichtet. Wirklich?

    Einige Zitate dazu, so etwa von dem Psychologen Oswald Neuberger (geb. 1941): „Das, was die Leute nach oben bringt, bringt sie auch zu Fall. Durchsetzungsfähigkeit, Sendungsbewußtsein, Rücksichtslosigkeit und Monomanie10 (...) Wenn man zu allen lieb und nett ist, kommt man im Unternehmen nicht voran.“11

    Für Unternehmer und Manager gelten „die gleichen Regeln des Anstandes wie für jeden Menschen, und da würde ich bei den Zehn Geboten anfangen. Ein Manager speziell hat aber darüber hinaus eine besondere Verantwortung, weil er mit anderer Leute Geld (...) wirtschaftet. Er hat zudem eine besondere Vorbildfunktion (...) und außerdem eine soziale und volkswirtschaftliche Verantwortung“ (Roland Berger, geb. 1937, Unternehmensberater).12

    Wirtschaftsethische Fragen werden heute vermehrt aufgeworfen. Dabei ist sowohl die Rede von Personverträglichkeit, wobei die Würde des einzelnen zu respektieren sei, als auch von  Sozialverträglichkeit, worunter die Mitleidensfähigkeit mit allem Lebenden verstanden wird. Gefordert wird auch Zukunftsverträglichkeit: Produkte und Produktionsverfahren, die Leben überhaupt bedrohen, seien ethisch nicht zu kultivieren.

    Ethik – ein Luxus?

    Das Gleiche fordert der Österreicher Matthias Karmasin (geb. 1964), Vorstand des Institutes für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Klagenfurt, nämlich „eine kopernikanische Wende13 unserer Einstellung zum Leben, unserer Einstellung zum eigenen Leben, zum Leben anderer und zum Leben der Natur als ganzes, und zwar im Blick auf Gegenwart und Zukunft“ (aus Ethik als Gewinn, Wien 1996).

    Der deutsch-amerikanische Philosoph Hans Jonas (1903–1993) verlangt in diesen Zusammenhang: „Der endgültig entfesselte Prometheus (...) ruft nach einer Ethik, die durch freiwillige Zügel seine Macht davor zurückhält, dem Menschen zum Unheil zu werden (...) Die dem Menschenglück zugedachte Unterwerfung der Natur hat im Übermaß ihres Erfolges, der sich nun auf die Natur des Menschen selbst erstreckt, zur größten Herausforderung geführt, die dem menschlichen Sein aus eigenem Tun erwachsen ist.“ (aus: Das Prinzip Verantwortung, Frankfurt/Main 1984)

    Das Kleine möge eigenverantwortlich im Sinne des Ganzen wirtschaften und agieren

    Es geht also um die freiwillige Begrenzung der angemaßten Macht des Menschen; und zwar sowohl gegenüber den Mitmenschen als auch der Mitwelt gegenüber. Jonas weiter: „Es werden die alten Fragen nach dem Verhältnis von Sein und Sollen, Ursache und Zweck, Natur und Wert neu aufgerollt, um die neu erschienene Pflicht des Menschen jenseits des Wertsubjektivismus im Sein zu verankern.“

    Das „menschliche Maß“ (Ernst Friedrich Schumacher (1911–1977, britischer Ökonom) ist also wieder gefragt. Der Schüler von Leopold Kohr14 (1909–1994) lehnt sich damit an seinen Lehrer an, der als Vorkämpfer kleiner politischer Einheiten („Europa der Kantone“) das Schlagwort von „Small is beautiful“ geprägt hatte: Das Kleine möge eigenverantwortlich im Sinne des Ganze wirtschaften und agieren.

    Ivan Illich (1926–2002), berühmter lateinamerikanischer Priester der Befreiungstheologie15 österreichischer Herkunft, hat von Selbstbegrenzung gesprochen.

    Hans Jonas sieht als Antrieb des von ihm verlangten „verantwortlichen Handelns“ auch die Furcht davor, was alles durch unverantwortliches Handeln entstehen könnte. Er resümiert: Wer diese begründete, aber „selbstlose Furcht“ nicht besitze, „dem ist unser Schicksal nicht anzuvertrauen“.16

    Jonas ist Realist – und Utopist in einem: Er warnt, dass die dunkelsten Zeiten jene seien, wo „schon die einfache Anständigkeit ungewöhnlichen Opfersinn oder Mut erfordert und ihre Bewährung zur leuchtenden Ausnahme in der Flut der allgemeinen Erbärmlichkeit wird“ (aus: Technik, Medizin und Ethik. Praxis des Prinzips Verantwortung, Frankfurt/Main 1987).

    Man vergleiche das Erscheinungsdatum des Buches von Jonas mit den wirtschaftlichen und politischen Folgen der heutigen Globalisierung und der aktuellen Finanzkrise!

    Auch der US-amerikanische Psychotherapeut M. Scott Peck (geb. 1936) hält seinen Landsleuten den Spiegel vor, indem er die US-Gesellschaft des Materialismus, des Egoismus, des manipulativen Verhaltens und der Gefühllosigkeit zeiht. Diese Gesellschaft sei krank und habe „schon fast den Glanz dessen, was es heißt, menschlich zu sein, vergessen“ (aus: Eine neue Ethik für die Welt, München 1995).

    Trifft das nur für die US-amerikanische Gesellschaft zu? Man vergleiche mit der unseren oder der japanischen; die Japaner verhalten sich in vielem amerikanischer als die Amerikaner. Und die Mittel- und Westeuropäer? Denken Sie an den aufkeimenden Faschismus in Ungarn! An die Ungarnfeindlichkeit in der Slowakei. An Serbien und den Kosovo. An die – mit Sicherheit bevorstehenden – wahrscheinlich bürgerkriegsähnlichen Kämpfe in manchen Staaten der EU gegen die anstehenden Sparbudgets. Menschlich?

    Die nackte Konkurrenz

    Unsere ganze Erziehung inklusive unseres Schulsystems läuft nur auf eines hinaus: Besser zu sein als der andere. Jedermann sei zu konkurrieren. Es gilt die Devise des Gegeneinander anstatt des Miteinander – der Stärkere gewinnt. Durchsetzen ist alles! Das wird auch gelehrt: vom Kindergarten bis zur Doktorwürde. Deren höchste Auszeichnung in Österreich lautet: „sub auspiciis praesidentis“17 – „unter der persönlicher Leitung (Führung, Macht, Recht) des Präsidenten“.

    Unsere ganze Erziehung inklusive unseres Schulsystems läuft nur auf eines hinaus: Besser zu sein als der andere

    Siegen ist wichtig geworden, das Dabeisein allein (olympisches Ideal in der Antike) genügt längst nicht mehr. Der deutsche Jesuit und Sozialethiker Friedhelm Hengsbach (geb. 1937) schreibt in seinem Buch „Abschied von der Konkurrenzgesellschaft – Für eine neue Ethik in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ (München 1995), dass das „krankhafte Konkurrenzfieber“ von einer Kombination aus Wettstreit und Zusammenspiel abgelöst werden müsse.

    Der deutsch-amerikanische Soziologe Amitai Etzioni (geb. 1929) fordert eine „Moral des Ich und Wir“. Das Selbst des Individuums müsse dahingehend entwickelt werden, dass es fähig sei, sich „zum Du und zum Wir“ hin zu öffnen. Er steigt damit in die Fußstapfen von Erich Fromm, der in seinem Weltbestseller „Die Kunst des Liebens“ klargemacht hat, dass man erst sich selbst lieben lernen müsse, um fähig zu sein, auch andere in ihrem Sosein akzeptieren zu können. Gelänge das, wäre es leichter, Humanität und Solidarität zu fördern.

    Der berühmte Tübinger Theologe Hans Küng (geb. 1928), vom Vatikan aufgrund seiner zutiefst christlichen, aber nicht romhörigen Haltung längst mit dem kirchlichen Lehrverbot belegt, verlangt in seinem 1990 erschienenen Buch „Projekt Weltethos“ eine „Ethik der Verantwortung“ anstatt einer „kruden Erfolgsethik“ und fordert die Befolgung des kategorischen Imperativs18, den lange vor Immanuel Kant schon Moses, Buddha und Jesus gelehrt hatten.

    Die Forderung nach ethischem Verhalten ist also nicht neu – und neu ist auch nicht, dass die ethischen Normen nicht befolgt werden.

    Nichts Neues also unter der Sonne?

    Mag sein. Nur hat das Nicht-Einhalten der primitivsten Verhaltensregeln für das Zusammenleben der Menschen, des Dekaloges nämlich, im Zeitalter von Nuklearwaffen und der Globalisierung und der Finanzkrise ungleich gefährlichere Folgen als früher in den Zeiten der Stadtstaaten und Fürstentümer, deren Grenzen nicht einmal gezogen waren: Diese richteten sich damals simpel nach dem Einflussbereich des Machthabers. Passkontrollen gab es keine ... Heute reicht die Macht des mächtigsten Mannes der Welt – Barack Hussein Obama – über die ganze Welt! „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“ (Trademark G. W. Bush – sie ist bislang von Barack Obama nicht widerrufen worden!), ist keine leere Drohung aus einem billigen Western (made in USA) mehr, sondern die offizielle Devise des Erfinders der „Achse des Bösen“ (abermals Trademark G. W. Bush) – und/oder deren Schmieds19.

    Und wo bleibt die Verantwortung?

    Und in der Praxis des Wirtschaftens? In den Unternehmen selbst, egal ob in einem KMU20 oder in den Bürotürmen eines Multi? Auch hier klaffen Theorie und Praxis weit auseinander; auch hier wird „ethisches Management“ zwar verlangt und gelehrt, aber bei weitem nicht in ausreichendem Maße vor- und ausgelebt. Der Jesuit und Managementtrainer Rupert Lay (geb. 1929) spricht da von einem „schönen Schein“. (aus: Die Macht der Moral, Düsseldorf 1990)

    Querdenker werden oft als „Spinner“ und Querulanten beschimpft – und gemobbt

    Und wie ergeht es den sogenannten Querdenkern, jenen (wenigen) Mutigen, die es wagen, gegen den Mainstream zu denken und zu agieren? Die Vorschläge einbringen, wie es besser gemacht werden könnte, und die auch die Konfrontation nicht scheuen? Sie werden oft als „Spinner“ und Querulanten beschimpft – und gemobbt.

    Wie ethisch ist es, Firmen „gesundzuschrumpfen“? Unter dem Deckmantel des „Sparen-Müssens“ bzw. der „Gewinnmaximierung“ oder der „Kostenersparnis“ werden ganze Firmen nicht gesund-, sondern krankgeschrumpft bzw. kaputtgespart. Outsourcing ist eine der jüngsten neudeutschen Wirtschaftsvokabeln: Ganze Abteilungen in Großfirmen werden zugesperrt, die Mitarbeiter entlassen, in (Früh-)Pension geschickt oder schlicht dorthin versetzt, wo sie de facto nichts mehr zu tun haben – und auch nichts mehr anstellen können bzw. nichts mehr angreifen sollen. Man zwingt sie auf diese Weise – eine Art leiser Psychoterror –, von selbst zu kündigen ... Dass damit nicht nur Mitarbeiter „vernichtet“ werden, sondern auch die Kreativität und die Motivation eines Unternehmens „outgesourced“ wird, gilt als sekundär – Hauptsache die Shareholder klatschen Beifall! Allerdings nur vorderhand. Denn: Ist eine Firma einmal zu Tode rationalisiert, erfolgt die Einsicht zu spät.21

    Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk (geb. 1947) drückte es unverblümt aus: „Die erste Welt produziert massenhaft hoch individualisierte Menschen, um es freundlich auszudrücken. Man könnte sie simpel auch als pure Egoisten bezeichnen.“22 Der Wiener Schauspieler und Kabarettist Helmut Qualtinger (1928–1986) hat es in einem Lied von André Heller (geb. 1947; „Poet“) deftiger und Wienerisch formuliert: „Z´erscht kumm i, daunn kumm i, und wos daunn kummt, des kummt nie.“ (für Deutsche: Zuerst komme ich, dann komme ich, und was dann kommt, das kommt nie!)

    Schon vor rund 50 Jahren hatte der deutsche Nationalökonom Wilhelm Röpke (1899–1966), einer der Väter der sozial und ethisch orientierten Marktwirtschaft, in seinem Buch „Jenseits von Angebot und Nachfrage“ notiert: „Was nützt aller materieller Wohlstand, wenn wir die Welt immer häßlicher, lähmender, gemeiner und langweiliger machen, und die Menschen den moralisch-geistigen Grund ihrer Existenz verlieren? Der Mensch lebt eben nicht nur von Radios, Autos und Kühlschränken, sondern von der ganzen unverkäuflichen Welt, jenseits des Marktes und der Umsatzziffern, von Würde, Schönheit, Poesie, Anmut, Ritterlichkeit, Liebe und Freundschaft, vom Unberechneten, über den Tag und seine Zwecke Hinausweisenden, von Gemeinschaft, Lebensgebundenheit, Freiheit und Selbstentfaltung.“

    Wie ergeht es Jugendlichen, wenn sie heute so etwas lesen? Haben diese Jugendlichen die materiell betonte Werteordnung schon verinnerlicht – oder könn(t)en sie diesem Statement noch beipflichten? Immerhin gehören sie – seit diese Kritik geäußert worden ist – der bereits zweiten (der SMS-)Generation an!

    Ist eine Firma einmal zu Tode rationalisiert, erfolgt die Einsicht zu spät

    Seit einigen Jahren beginnt sich auch die Österreichische Industriellenvereinigung (IV), beileibe kein Interessenvertreter der Arbeiter und Angestellten (das wäre nämlich die Arbeiterkammer – AK), mit der „Restrukturierung der Werteordnung in Richtung Redimensionierung des Ökonomischen und Materiellen“ (Theo Faulhaber) zu identifizieren. Selbst honorige Manager weltweit agierender Konzerne diagnostizieren einen Wertezerfall, der in den Chefetagen um sich greife. Offen werden „Gier“ und „Rücksichtslosigkeit“ dort zugegeben, und ethische und moralische Verantwortung wird unverblümt eingefordert.

    Fazit

    Wenn sogar der CEO23 eines internationalen Konzerns (also eines „Multi“) konstatiert, dass man zu sehr auf „kurzfristige Gewinnmaximierung“ schiele und dafür sogar bereit sei, das „langfristig gewachsene Vertrauen zwischen Management, Mitarbeitern und Kunden aufs Spiel zu setzen“, dann sind das veritable Anzeichen, daß auch „denen ganz oben“ bewusst geworden ist, wohin die Reise gehen könnte – wenn nicht rechtzeitig umgedacht werde!

    Das ist beruhigend und gibt Hoffnung. Dum spiro spero, wussten schon die Lateiner: So lange man atmet, hofft man.

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    ANMERKUNGEN

    1. Fiktionalismus: erkenntnistheoretischer Standpunkt, nach dem die meisten Erkenntnisse und Überzeugungen als Fiktion, also als Erdichtung, als bloße Annahme anzusehen seien. Wissenschaftstheoretisch ist eine Fiktion eine Annahme, die grundsätzlich unmöglich und unbeweisbar ist, aber doch zur Klärung von philosophischen und wissenschaftlichen Sachverhalten nützlich sein kann. Später spricht man dann von „Modell(en)“, die ja auch immer eine Fiktion sind (z. B. das Atommodell, aber auch alle Elementarteilchen, das Photon etwa).
    2. Akronym: aus den Anfangsbuchstaben mehrere Wörter gebildetes Kunstwort
    3. Der Nobelpreis wird für ausgewählte Wissenschafts- und Kulturdisziplinen (nicht aber für Philosophie) verliehen: für Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur, den Frieden und seit 1969 auch für Wirtschaftswissenschaften.
    4. Synchrotrone: riesige, kilometerlange, unterirdische, kreisförmige Beschleunigungsanlagen in Tunnelröhren, in denen geladene Elementarteilchen bis auf  99,999...% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Diese hochenergetisierten  Teilchen werden entweder direkt aufeinander oder auf Materialfolien geschossen. Aufgrund der Kollisionsspuren (Wilson´sche Nebelkammer) wird auf das Verhalten der Elementarteilchen geschlossen. Die bekanntesten Anlagen sind der LEP des CERN in Genf,  der SLC des SLAC in Stanford, das Tevatron des Fermilab in Chicago und das HERA von DESY in Hamburg. Und als neuestes und gigantisches natürlich der LHC, der Large Hadron Collider, die „Urknallmaschine“ des CERN in Genf (vgl. auch den Beitrag „Teilchenbeschleuniger - oder: Die Jagd nach Phantomen“) ...
    5. Nanotechnologie (griech: nanos, Zwerg) ist die Forschung und Technologieentwicklung auf atomarer Ebene in einer Größenordnung von einem bis einhundert Nanometern. Sie hat zum Ziel, Strukturen, Geräte und Systeme zu schaffen und zu nutzen, die aufgrund ihrer geringen Größe neue Eigenschaften und Funktionen besitzen. Militärisch von höchstem Interesse.
    6. Quantenteleportation: nichtkausale Fernwirkung; der Zustand eines Quants wird „ohne Zwischenaufenthalt“ auf ein anderes Quant „übertragen“ – aber eben nicht über-tragen, da kein Mittler („Träger“) nötig ist. Es wird auch nichts Materielles „transportiert“, sondern „nur“ Information. Wie? Stichwort: EPR-Phänomen (Einstein-Podolsky-Rosen).
    7. Quantenverschränkung: instantane Zustandsänderung zweier Quanten über weite Entfernungen hinweg
    8. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die von den USA vorgeschobenen Gründe für den Irak-Krieg und an das Abdrehen des für die Ukraine bestimmten Erdgases am 1. Januar 2006 mit den Folgen für ganz Mittel- und Westeuropa. Warum ist in Afghanistan ein den USA genehmer Präsident (Hamid Karzai) eingesetzt worden? Welchen Interessen dient der Bau von Erdöl oder Erdgas-Pipelines? Den zu Versorgenden? Den Versorgern? Warum wird zwischen Russland und den USA vor allem um den politischen Einfluss in jenen Ländern gerungen, über deren Territorium diese Pipelines laufen (sollen) - Stichworte: Ukraine, Kasachstan? Was soll der Streit um „South Stream“ (Protektor: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder) und „Nabuko“ (Förderer: die österreichische OMV, die quasi-staatliche Mineralölverwaltung des kleinen Alpenstaates)? Dient dieser Streit, der zum politischen Kampf werden könnte, dem Konsumenten oder ... gar der EU? Letzteres dürfte eher unwahrscheinlich sein. Eher liegen die Interessen wohl bei Russland, Schröder und der Nabuko-Interessensgemeinschaft (Initiator: OMV, also Österreich) – immerhin würde im Falle der Nabuko-Pipeline die „Gasdrehscheibe“ Baumgarten in Niederösterreich enorm aufgewertet, ja Österreich erhielte gar eine Schlüsselposition in Europa, was dessen Energieversorgung anbelangt; es könnte „am Gashahn“ drehen ...
    9. Shareholder: Aktienbesitzer; je höher der Wert einer Aktie, desto größer – möglicherweise – der Gewinn: bei rechtzeitigem Verkauf oder aufgrund der Dividende (Ausschüttung). Bloßes Liegenlassen der Aktie und Warten auf ihren Höhenflug ist rein fiktiver Besitz! Stichwort: Finanzblasenwirtschaft, Spekulation, faule Kredite.
    10. Monomanie: krankhafte Besessenheit von einer Wahnvorstellung, fixe Idee
    11. Zitiert aus: Oswald Neuberger: Zum Doppelleben gezwungen,  in: „Die Zeit“ Nr. 32/1995
    12. Zitiert aus: „Die Zeit“ a. a. O
    13. kopernikanische Wende: in Anlehnung an den Wechsel vom geo- zum heliozentrischen Weltbild durch Nikolaus Kopernikus (1473–1543) jeder grundlegende Wandel in einer Sicht der Dinge
    14. Leopold Kohr, geborener Salzburger, trat dem Irrglauben, daß ständiges Wachstum alle Probleme lösen könne, schon früh entgegen und forderte die Rückkehr zum menschlichen Maß. Er ist der eigentliche „Vater der Grün- und Ökologiebewegung“. Er war auch entschiedener Gegner des nationalen Größenwahns. Sein Ziel war die Zerstörung der großen Nationalismen mit friedlichen und ökologischen Mitteln. Sein Hauptwerk ist „The Breakdown of Nations“ („Das Ende der Großen”), das er bereits Ende der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts vollendet hatte. Erst 1957 wurde das Buch in London veröffentlicht. Kohr war damit seiner Zeit um rund ein halbes Jahrhundert voraus ... Er erhielt den Alternativen Nobelpreis.
    15. Befreiungstheologie: Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, vor allem in Lateinamerika, ermutigt durch das Zweite Vatikanum (1962–1965), das Heil nicht erst „im Himmel“ zu erwarten, sondern es bereits hier auf Erden durch soziales Engagement der Priester und Laien zu erlangen. Wurde von den konservativen Folgepäpsten, u. a. Johannes XXIII. (1881–1963; Papst von 1958–1963) heftigst bekämpft. Der heutige „deutsche Papst“ ist noch rigoroser: kein Wunder, war er ja als Hüter der „Glaubenskongregation“ sozusagen der Großinquisitor der Neuzeit.
    16. Man bewerte unter diesem Aspekt u. a. das Vorgehen der Bush-Administration weltweit und Russlands (u. a. in Tschetschenien und auch gegen die Ukraine zum Jahreswechsel 2005/2006). Auch unter Barack Obama ist keine wesentliche Änderung eingetreten – obwohl man ihm, sozusagen in vorauseilendem Gehorsam – gleich nach seinem Amtsantritt den Friedensnobelpreis angedient hatte. Afghanistan ist nach wie vor ein Desaster, der Nahe Osten unbefriedet, Israel hält immer noch Gaza in Geiselhaft und okkupiert Teile des Westjordanlandes durch seinen Mauerbau international ungeahndet illegal wie seit eh und je – und die globale Finanzkrise ist eindeutig US gemacht und initiiert. Zu welchem Zweck, hat der Autor bereits in „Crash as crash can“ gemutmaßt – wobei „gemutmaßt“ eine simple Verharmlosung darstellt.
    17. sub auspiciis praesidentis: Höchste Auszeichnung bei der Promotion. Angefangen von der Oberstufe des Gymnasiums (Jahreszeugnisse) bis zu den Rigorosen und allen vorhergegangenen Prüfungen lauter „Sehr gut“. Ein solcherart Ausgezeichneter (freilich durch eigenen Fleiß erreicht) hat(te) – heute nicht mehr! – jederzeit Zutritt zum Präsidenten der Republik Österreich und jede Menge Vorrechte und Ansprüche ... Wohlerworben! Erstrebenswert?  
    18. Man vergleiche den Kant´schen  kategorischen Imperativ mit der Bergpredigt Jesu, die Liebe zu allem Lebendigen im Buddhismus und die diesbezüglichen Hinweise in den fünf Büchern Mose: Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium.
    19. Gemeint ist mit „der Schmied“ al Kaida bzw. Osama bin Laden. Überlegen Sie in diesem Zusammenhang einmal, warum Bin Laden bis heute nicht „gefunden“ worden ist. Überlegen Sie auch, warum der serbische General Ratko Mladic des ehemaligen Jugoslawiens (genauer: der Armee der Republik Srpska) nicht und nicht zur Verantwortung gezogen werden kann – weil er „unauffindbar“ ist ... und das seit 1995: in einem der Länder, die – heute unter dem Namen „Serbien“ oder „Bosnien und Herzegowina“ – unbedingt in die EU wollen ... oder sich sonst wo aufhält.  Welches Gefühl haben Sie, wenn Sie daran denken, dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag sitzt, just in jenem Land, dessen UNO-Soldaten im Juli 1995 in Srebrenica (bis heute ungeahndet, und natürlich auch unbestraft!) „weggeschaut“ hatten, als mindestens 8000 muslimische Bosniaken massakriert worden sind ... Die UN-Gerichte hatten das immerhin als Völkermord klassifiziert.
    20. KMU: Kleine und mittlere Unternehmen
    21. vgl. Joachim Kath: Die Kostenknechte. Nieten ohne Innovation. Unternehmen zu Tode rationalisiert. Wirtschaftsverlag Herbig Langen Müller, München 2001
    22. zitiert aus: Deutsche Wirtschaftswoche, Nr. 45/1995)
    23. CEO: Kurzform von Chief Executive Officer, zu deutsch: alleiniger Geschäftsführer oder Vorstand eines Unternehmens

     

    LITERATUR