Das Märchen von der Knappheit

Wie "fossil" ist Erdöl?

Von Dr. phil. HELMUT BÖTTIGER

Noch vor 30 Jahren wurde uns eingetrichtert, die Mineralölvorkommen reichten bis zur Jahrtausendwende oder knapp danach. Die Realität sieht anders aus: Nie zuvor wurde so viel gefördert wie heute, unglaubliche Mengen, führt man sich allein vor Augen, wie viele Autos tagtäglich weltweit über die Straßen rollen. Zwar heißt es, das Fördermaximum sei überschritten, Markt und Verbrauch aber sprechen eine andere Sprache. Sind die Ölreserven tatsächlich begrenzt? Nein, sagt der Autor dieses Beitrags, Helmut Böttiger, und erläutert, warum die Lehre von den „fossilen Brennstoffen“ längst mehr als fragwürdig ist.  

 → Artikelauszug: vollständiger Text in zeitgeist-Printausgabe 29 (1-2009)

„Ist etwas knapp, so ist es teuer“, hörten wir in der Schule im Fach Wirtschaftslehre. Dass man den Satz auch umdrehen kann, wollen die wenigsten glauben: „Wenn etwas teuer sein soll, muss man es knapp machen.“ Mit dem geringsten Aufwand das meiste Geld zu machen, gilt als „wirtschaftlich“. Also fragen sich die Ölkonzerne: Warum mit viel Öl auf dem Markt die Preise drücken, wenn man mit wenig Öl die Preise hochtreiben kann?

Ist Erdöl wirklich knapp oder wird es künstlich verknappt? (Bild aus dem Film "The Oil Crash", mit freundlicher Genehmigung von Telepool)

Aber natürlich geht es nicht allein ums Öl. Um Geld durch Spekulation abzuschöpfen, benötigt man denkbar wenig Energie. Anders sieht es aus, wenn man sein Geld mit der Herstellung von Versorgungsgütern verdienen muss. Dafür braucht man Geld und Energie, zumeist Öl. Beides kontrolliert eine Handvoll internationaler Geschäftsbanken. Ölknappheit tut allen weh – nicht nur Autofahrern. Deshalb muss sie den Leuten, denen man die Knappheit aufzwingen will, als schicksalhaft (Reserven gehen zu Ende) oder als fremdverschuldet (Chinesen und Inder schnappen uns das Öl vor der Nase weg) erklärt werden. Und zudem muss auch noch das böse Abfallprodukt CO2 vermieden werden. Ergo: Öl ist knapp. (…)

Verlässliche Schätzungen der Ölreserven setzen voraus, dass man weiß, woher das Erdöl stammt, also wie es zustande kommt. Wäre es fossilen Ursprungs, könnte man sicher von einer Verknappung sprechen. Aber: Wie fossil ist Erdöl eigentlich? Bei uns allgemein anerkannt ist die 1757 aufgestellte These des russischen Geowissenschaftlers Michail Lomonossow (1711–1765), Erdöl sei über Jahrmillionen aus der Verwesung von Pflanzen und Tieren entstanden und deshalb nur begrenzt vorhanden. Dies zu beweisen ist aber noch niemandem gelungen, genauso wenig – trotz unendlich vieler Versuche –, aus Pflanzenresten und Tierkadavern Erdöl herzustellen. 1943 waren in Deutschland nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren aus Kohlenmonoxid und Wasser 600.000 Tonnen Treibstoff synthetisiert worden, nicht jedoch aus Pflanzen- und Tierresten, sondern aus Kohle. (…)

Wieder waren es russische Forscher, welche eine Gegenthese zu Lomonossows Hypothese aufstellten. Während des Kalten Krieges, als Russland von den Hauptölquellen des Nahen Ostens abgeschnitten war, wurde die Entwicklung und Auffindung neuer Energieressourcen zu einer wichtigen Aufgabe. Wissenschaftler am Institut für Erdphysik der Russischen Akademie der Wissenschaften und am Geologischen Institut der Ukraine begannen also intensiv zu forschen. Um 1956 postulierte Geologieprofessor Vladimir Porfirjew, Erdgas könnte bei hohen Temperaturen unter hohem Druck im Erdinneren entstehen und bei seinem Weg an die Erdoberfläche mithilfe von allerlei mikrobiologischen Organismen zu Erdöl, aber auch zu Steinkohle und Anthrazit reduziert werden.

Schon bald bestätigten russische und ukrainische Wissenschaftler um Wladilen Krajuschkin diese Hypothese. Sie stießen bei Versuchsbohrungen durch Urgesteinsschichten auf Erdölvorkommen, die nach der herrschenden Theorie nur in abgelagerten Schichten oberhalb hätten vorkommen dürfen. Für geologische Faltungen, die das Öl ggf. auch unter das Urgestein hätten drücken können, gab es keinerlei Hinweise. Daraufhin bohrten die Russen in abgelegenen Regionen Sibiriens bis in die kristallinen Erdschichten hinunter – und erschlossen elf große Öl- und Gasfelder! Nach westlichem Dogma hätte es hier kein Öl geben dürfen, weil es sich nicht um Sedimentbecken handelte. (…)

Welche weiteren Belege es für die sogenannte „abiotische“, also nicht fossile Entstehung von Erdöl gibt und welche politischen und wirtschaftlichen Implikationen das mit sich bringt, erfahren Sie in Ausgabe 29 (1-2009).

 

LITERATUR:

LINKS: