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    Im Meer der Möglichkeiten

    Mitte Mai letzten Jahres erschien im Scorpio Verlag das Buch Quantenphilosophie und Spiritualität von Ulrich Warnke. Bemerkenswert an diesem Buch ist, dass in ihm nicht nur eine Brücke von der Quantenphilosophie zur Spiritualität geschlagen wird, sondern auch eine Brücke zu Martinus, und zwar zu seinen Begriffen X0, X1, X2 und X3.

    Der Verfasser, Dr. rer. nat. Ulrich Warnke, Jahrgang 1945, ist ein ausgewiesener Naturwissenschaftler. Er studierte Biologie, Physik, Geografie und Pädagogik. Als Universitätsdozent hatte er Lehraufträge für Biomedizin, Biophysik, Umweltmedizin, Physiologische Psychologie und Psychosomatik, Präventivbiologie und Bionik (Entschlüsselung und technische Umsetzung von „Erfindungen der belebten Natur“).

    In seinem Buch zieht Warnke die spirituellen Konsequenzen aus der Quantenphysik. Bewusstsein, früher nur ein Inhalt der Philosophie und Psychologie, wird inzwischen auch von der Quantenphysik erforscht und bearbeitet. Der Bereich, in dem sich Philosophie und Quantenphysik überschneiden, wird offiziell mit dem Begriff Quantenphilosophie umschrieben.

    Warnke folgt der sogenannten – insbesondere von Niels Bohr und Werner Heisenberg entwickelten – Kopenhagener Deutung der Quantenphysik. Diese besagt, dass Quantensysteme vor der Messung und Beobachtung keine festen Eigenschaften haben, und dass die Wirklichkeit erst dadurch in Erscheinung tritt, dass sie von einem Bewusstsein wahrgenommen wird. Vorher befindet sie sich gleichsam in einem latenten Zustand, sozusagen in einem „Meer aller Möglichkeiten“, wie es Warnke nennt. Daraus folgt, dass Raum und Zeit vom Bewusstsein geschaffene Erscheinungen sind. Das Universum besteht als Bewusstseinserfahrung. Überhaupt existiert nichts auf der Welt ohne Bewusstsein. Dieses ist wohl die Kernaussage des Buches. Unser Körper besteht nur zu einem Milliardstel Teil aus Masse, alles Übrige ist leerer Raum. „Dieser masseleere Raum unseres Körpers geht fließend über in den identischen Raum der umgebenden Luft, weiter in die Atmosphäre der Erde und schließlich in den Kosmos bis in die Unendlichkeit des Universums.“

    Dieser sich von einem selbst bis in die Unendlichkeit des Universums erstreckende masselose Raum bildet das sogenannte Hintergrundfeld, das mathematisch durch sich überlagernde Wellenfunktionen beschrieben wird. Dass dieses Feld „quasi lebendig ist, voller Fluktuationen der darin enthaltenen Energie“, konnte experimentell nachgewiesen werden (Casimir-Effekt). Die Wellenfunktion kann auch als „Wissen“ und das gesamte Feld als Wissensfeld beschrieben werden. „Die Quantentheorie beweist die Existenz eines universellen Bewusstseins im Universum“ (so der Nobelpreisträger Eugene Paul Wigner). „Alle unsere Erinnerungen kommen dann nicht aus den Gehirnstrukturen .., sondern aus einem ungeheuer großen, wahrlich universellen Informationsspeicher“, dem Psi-Feld, Nullpunkt-Feld, Vakuum).

    Es gibt eindeutige Hinweise, dass die Evolution der Wesen nicht zufällig geschehen sein kann. Als Beispiel dafür führt Warnke das weitverbreitete Bakterium Escherichia coli an, das von sechs Ultraminiatur-Elektromotoren angetrieben wird (30-millionstel mm lang). Deren Rotoren können mit 100 Umdrehungen pro Sekunde vorwärts und rückwärts rotieren und das Bakterium durch die Flüssigkeit bewegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine solche Konstruktion per Zufall bildet, ist 10-85. Das bedeutet, dass es gar nicht möglich ist, dass eine solche Konstruktion zufällig entstanden ist. Darauf, dass die Evolution kein Zufall, sondern gewolltes Ziel überlegener Intelligenz ist, weisen auch die Naturkonstanten hin. Sie sind aus einer unermesslichen Zahl von Möglichkeiten, nämlich 10123 auf die exakten lebensfreundlichen Werte festgelegt. Wenn sie nur um 0,000000000001 % abweichen würden, hätte kein biologisches Leben, wie wir es kennen, entstehen können.

    Aus Warnkes Buch erfährt man auch den aktuellen Forschungsstand der Quantenphysik. Dafür einige Beispiele: Es ist inzwischen möglich, Eigenschaften (Informationen) ohne physischen Kontakt auf einen anderen Träger zu übertragen. So kann man die Informationen von Rauschgiften auf Wasser übertragen. Wer von dem Wasser trinkt, erlebt die Wirkungen des Rauschgiftes, obwohl dieses in dem Wasser nicht enthalten ist. Damit kann die Homöopathie quantenphysikalisch nachvollzogen werden (bei Hochpotenzen ist kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr in den Heilmitteln enthalten). Unter Quantenteleportation versteht man die Übertragung von Quantenzuständen auf ein anderes Objekt. Inzwischen ist es möglich, sogar ganze Moleküle ohne Zeitverzögerung von einem Ort zu einem anderen zu übertragen. Ein angeregtes Elektron gibt immer eine Strahlung nach rückwärts in die Vergangenheit und nach vorwärts in die Zukunft ab. Aus dem in die Vergangenheit zurücklaufenden Strahl entsteht Ordnung (Negentropie), aus dem in die Zukunft laufenden Strahl Unordnung (Entropie). Es gibt Experimente, die so gedeutet werden können, dass vergangene Zustände geändert wurden. Es ist jetzt eindeutig nachweisbar, dass der Mensch durch sein Vorstellen die Drehrichtung der Elektronen, also den Spin, umdrehen kann und zwar nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb seines Körpers. Hier liege der Ansatzpunkt für die Wirkung des Geistes auf die Materie. Man kann die Gehirnareale von zwei Personen so mit einander “verschränken“, dass sie resonant sind. Wenn eine der Personen einen künstlich erzeugten Blitz wahrnimmt, reagiert das Gehirnareal der zweiten Person zeitgleich, d. h. ohne Verzögerung durch die Übertragung mit Lichtgeschwindigkeit, auch wenn sich die erste Person in Kalifornien und die zweite in China befindet. Versuche haben gezeigt, dass sich solche Verschränkungen auch geistig, z. B. durch Meditation, herstellen lassen.

    Die Begriffe X0, X1, X2 und X3 definiert Warnke folgendermaßen:

    • X0 → Ein Etwas als Unendlichkeit und Ewigkeit.
    • X1 → Ein „Meer aller Möglichkeiten“, das Ich des Universums, verborgen im Bereich der dunklen Energie und dunklen Information. Es rekrutiert und moduliert sich aus den Myriaden von Ichs jedes Einzelwesens. Das heißt, jeder Mensch mit seinem ihm bewussten Ich in Form einer Selbstinstanz ist Teil des Universums.
    • X2 → Die Schöpferkraft mithilfe eines Bewusstseins/Unterbewusstseins. Jedes Individuum erzeugt seine eigene, körperlich geprägte Persönlichkeit sowie die Welt, wie sie ihm erscheint, selbst.
    • X3 → Die konstruierte Welt, alles Erscheinende, sowohl äußerlich als auch innerlich. Die Außenwelt wird mit den Sinnen aufgenommen, innerlich umgeprägt und dann als Eindruck (oft als eigenes schöpferisches Bild) wieder an die Außenwelt zurückgegeben. Alles äußerlich Erscheinende ist jedoch immer und ausschließlich ein Ausdruck unserer Innenwelt. Die innere Welt (Psyche, Seele) ist wiederum maßgeblich das Resultat von Erlebnissen, die wir in der so projizierten vermeintlichen Außenwelt gemacht haben.

    Alle Ebenen sind untrennbar miteinander verbunden. Es gibt in keinem einzigen Fall eine Erscheinung (Ebene X3), die nicht aus dem Bewusstsein (Ebene X2) hervorgegangen ist. Alles, aber auch wirklich alles, was wir kennen, ist immer und ausschließlich durch den Filter eines menschlichen Bewusstseins in die Welt gelangt. Wir machen uns das gewöhnlich nicht klar. Die Gleichung für unser Schöpfungsvermögen lautet: Individuelles Ich, Teil des universellen Selbst (X1) + Bewusstsein/Unterbewusstsein (X2) = Gedanken, Wahrnehmung, Informationserkennung, Geben von Sinn und Bedeutung, Energiefluss (X3).

    Im Literaturverzeichnis des Buches sind keine Werke von Martinus angeführt, jedoch mein Buch: „Martinus Leben und Werk, Band II Sein Werk“, Novalis Verlag, Schaffhausen. Der Begriff X0 kommt in meinem Buch allerdings nicht vor. Er taucht bei Martinus nur in seinen nachgelassenen Schriften auf, was zu einer Diskussion in der dänischen Zeitschrift „Den Ny Verdensimpuls“ (Der neue Weltimpuls) führte –, wobei X0 auch in dem Sinne aufgefasst wurde, wie Warnke den Begriff verwendet.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass wir in einer anderen Welt leben als heute, wenn der Inhalt des Buches einmal das allgemeine Bewusstsein erreicht haben wird.

    Titel: Quantenphilosophie und Spiritualität
    Untertitel: Der Schlüssel zu den Geheimnissen des menschlichen Seins
    Autor: Ulrich Warnke
    Jahr: 2011
    Verlag:
    Scorpio Verlag
    Genre: Sachbuch
    Aufmachung:
    280 Seiten, gebunden

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