Humor ist Freiheit und Weite – Die gesundheitliche Wirkung des Lachens
in der Serie "Außergewöhnliche Therapieformen"
Schon Aristoteles wusste, dass die Fähigkeit zu lachen von allen Lebewesen allein dem Menschen zukommt, dass es also das Lachen ist, das uns zum Menschen macht. Ähnlich wie die Liebe gehört das Lachen zu den alltäglichsten wie den populärsten Phänomenen der Welt, berührt aber eben auch die Sphäre des Heiligen und Göttlichen. Die Volksweisheit formuliert es kurz und knapp: Humor ist die beste Medizin.
Lachend taucht der Mensch in ein Gefühl von Zeitlosigkeit ein und erfährt die Freude der Gegenwart im Augen-Blick“, heißt es auf einer Webseite der Lachbewegung Deutschland. Durch eine bioenergetisch wirksame Vibration löst Lachen Blockaden auf und befreit Energieströme. Es untergräbt die einseitige Identifikation mit dem Ego und knackt den auf würdevollen Ernst programmierten Charakterpanzer; dadurch ähnelt es der Liebe. Und somit unterliegen beide der Gefahr, von moralischen und politischen Zwangssystemen verfolgt zu werden. Wer lacht und wer liebt, ist zudem weitgehend immun gegen die hypnotische Wirkung von gesellschaftlich erwünschten Leitbildern wie Disziplin, Leistung und Erfolg. (…)
Die mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesenen Effekte des Lachens sind Grundlage der Humortherapie in Krankenhäusern, wie sie etwa von Klinikclowns betrieben wird. Der US-Amerikaner Patch Adams (geb. 1945) gilt als Vater der Humormedizin. Der Arzt und Proficlown gründete das Gesundheit! Institut, eine kostenlose Klinik, die traditionelle Krankenhausstrukturen mit alternativer Medizin, Ökologie, künstlerischem Ausdruck, Handwerk, Naturerlebnis, Bodenbewirtschaftung und Entspannung verbindet. Außerdem ist er durch seine Clownauftritte in Krankenzimmern bekannt. Lange reiste er mit einer Gruppe freiwilliger Clowns nach Russland, um Waisenhäuser und Hospitäler zu besuchen. Adams ist zudem als politischer Aktivist hervorgetreten und gehört zu den vehementesten Gegnern der von US-Präsident Bush vorgeschlagenen „Neuen Freiheits-Kommission zur mentalen Gesundheit“, die durch massenhafte Gesundheitstests abweichende Verhaltensweisen zu stigmatisieren und verhaltensauffällige Menschen in geschlossene Einrichtungen einzuweisen sucht. Patch Adams machte daraufhin das satirische Angebot, George Bush selbst zu untersuchen: „Er braucht jede Menge Hilfe. Ich werde ihn gratis empfangen.“ (…)
Verglichen mit der Figur des Clowns, so scheint es, ist der immer Selbstbewusste, Trittsichere, den unsere Gesellschaft hofiert, nur zu feige, um sich selbst in seiner kreatürlichen, tragikomischen Unvollkommenheit anzuschauen. Aus dieser Angst heraus perfektioniert er sich zum Schein durch eine Maske angestrengter Seriosität und Makellosigkeit – und öffnet oft gerade dadurch der durch die Vordertür verjagten Komik die Hintertür. Loriot etwa wusste die ungewollte Komik angemaßter Würde älterer, gebildeter und sich vornehm gebender Herren trefflich herauszustellen. Der spanische Maler Salvador Dali soll gesagt haben: „Es gibt so viele Narren, die gescheit sein wollen, warum sollte dann ein Gescheiter nicht auch Narr sein?“
Haben Sie Humor? Das und mehr erfahren Sie spätestens bei der Lektüre des vollständigen Beitrags in Ausgabe 1-2008.
LITERATUR:
- Patch Adams: Gesundheit! 12 & 12 Verlag, Oberursel 1999
- Simon Critchley: Über Humor. Turia + Kant, Wien 2004
- Johannes Galli: Clown. Die Lust am Scheitern. Galli Verlag, Freiburg 1999
- David Gilmore: Der Clown in uns: Humor und die Kraft des Lachens. Kösel Verlag, München 2007
- Michael Günther (Hrsg.): Mulla Nasruddin – Lebensphilosophie vom weisen Narren Atmosphären Verlag, München 2005
- Eleonore Höfner/Hans-Ulrich Schachtner: Das wäre doch gelacht! Humor und Provokation in der Therapie. Rowohlt, Reinbek 1997
- Madan Kataria: Lachen ohne Grund. Eine Erfahrung, die Ihr Leben verändern wird. Via Nova Verlag, Petersberg 2002
- Barbara Rütting: Lachen wir uns gesund: Anleitungen zum Glücklichsein. Herbig Verlag, München 2001
- Gudula Steiner-Junker: Lach-Yoga: Lachen ist gesund – und Glück ist trainierbar. Südwest-Verlag, München 2006
- Michael Titze: Die heilende Kraft des Lachens: Mit Therapeutischem Humor frühe Beschämungen heilen. Kösel Verlag, München 2007
- Michael Titze/Christof T. Eschenröder: Therapeutischer Humor: Grundlagen und Anwendungen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2007
- Michael Titze/Inge Patsch: Die Humorstrategie: Auf verblüffende Art Konflikte lösen. Kösel Verlag, München 2004
- Heiner Uber/André Steiner: Das Lachprinzip: Wie man sich erfolgreich, glücklich und gesund lacht. Eichborn Verlag, Frankfurt 2004
- Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben. Kurioses aus der Medizin. Rowohlt, Reinbek 2008
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